15. Juni 2026
Für viele DSB-Talente wird es jetzt richtig herausfordernd. Gleich zwei Top-Turniere im Mammut-Design stehen an: Einmal der FIDE World Cup für U8 bis U12, ab Dienstag in einem neuen Format, in Batumi. Und dann die Jugend-Weltmeisterschaften U14 bis U18 im italienischen Montesilvano, die mit der ersten Runde am Montag beginnt. Hier tummeln sich unter den 780 Spielerinnen und Spielern aus 87 Nationen einige ambitionierte DSB-Talente. Und hier, sagt Bundesnachwuchstrainer und Delegationsleiter Bernd Vökler, habe man „auch einige realistische Medaillenchancen“.
Blickpunkt Montesilvano, in der Region der Abruzzen gelegen: Hier startet Bennet Hagner in seinem letzten U18-Jahr von Position acht. „Ich halte es für sehr gut möglich, dass er den Sprung unter die Top Fünf schafft“, sagt Vökler, vielleicht sei sogar mehr drin.
Den harten Weg wählt unterdessen einmal mehr Hussain Besou. Er startet freiwillig ebenfalls in der U18, obwohl er als Spieler des Jahrgangs 2011 eine Altersklasse tiefer hätte antreten können. „Ich will mich mit den Besten messen, das ist wichtig für meine Entwicklung“, sagt er. „Das ist grundsätzlich sehr mutig von ihm, so kennen wir Hussain“, sagt Vökler, „aber eine U16-Medaille wäre sicherlich auch nicht schlecht gewesen.“ In der U18 werde das Talent aus Lippstadt nun einen schweren Stand haben. „Hussain ist gut drauf, aber die anderen haben halt mehr Turnier-Erfahrung, die auf diesem Niveau schwer auszugleichen ist“, sagt Vökler.
Als amtierender Europameister (den Titel holte er im vergangenen November in Budva) tritt Mykola Korchynskyi bei der U16 an. Vökler: „Auf ihn bin ich sehr gespannt, inwieweit er wieder so selbstbewusst auftritt wie zuletzt.“ Korchynskyi spielte die Saison in der zweiten Bundesliga für den SV Erkenschwick. Mit seinem Team ist er aufgestiegen, war mit 8,5 Punkten aus elf Partien stärkster Deutscher (umgeben von Mannschaftskollegen Letten und Niederländern). Erkenschwick musste sich auch erst im Finale des Deutschen Mannschaftspokal dem SC Viernheim geschlagen geben. Seine Elozahl hat der gebürtige Ukrainer weiter verbessert, auf mittlerweile 2432 Punkte - da ist er nahezu auf Augenhöhe mit den Top-Gesetzten bei der Jugend-WM.
Auch bei den Mädchen hat der DSB einige Eisen im Feuer. „Charis Peglau ist immer für eine Medaille gut“, sagt Vökler. Er hoffe, dass sie die Frauen-EM zuletzt in Batumi gut weggesteckt hat. „Es hätten schon einige Siege mehr sein können“, hat Charis Peglau abschließend selbstkritisch gesagt. Sie reiste mit 4,5 Punkten aus elf Partien ab. Dabei hatte sie stark begonnen, dann leider einige unnötige Niederlagen kassiert. „Das war jetzt mal die Frauen-Ebene, das ist schon schwer, sich dort zu behaupten“, sagt Vökler, „wir alle kennen Charis aber als Spielerin, die bei Jugendmeisterschaften immer bereit ist für große Sachen.“ Das zeigt jedenfalls auch ihre Medaillensammlung. Dass Charis Peglau, bei der WM auf Rang sieben gesetzt. aktuell so viele Turnier auf hohem Niveau spielt (auch die Meisterklasse beim Dresdner Schachgipfel steht noch an) zeigt: Sie ist ehrgeizig, sie will es wissen. „Ich würde mir wünschen, dass es ihr Jahr wird. Sie hätte es sich verdient“, sagt Vökler, „ich denke, sie peilt mittelfristig jetzt die 2300 Elo an.“
Weitere hoffnungsvolle deutsche Starterinnen laut Vökler: Michelle Trunz bei der U18 weiblich und Tamila Trunz bei den Girls U16. In der U14 sei Alicia Kovalskyy, die bei der Deutschen Jugend-Einzelmeistermeisterschaft in Willingen in der offenen Klasse mitgespielt hat (und immerhin 5,5 Punkte holte), um sich auf die WM vorzubereiten, „ein Geheimtipp“, sagt der oberste deutsche Talentschmied. Vökler wird in Italien auch Delegationsleiter sein. Unterstützt wird er bei seinen Traineraufgaben von Matthias Krallmann und Bettina Trabert. Das deutsche Aufgebot umfasst 27 Spielerinnen und Spieler. (mw)
Blickpunkt Batumi, Küstenstadt in Georgien: Hier geht es ans Eingemachte bei der Qualifikation zum World Cup. Nur die ersten drei in jeder Altersklasse, offene Turniere und Mädchen von U8 bis U12, werden sich für das Endturnier im Oktober qualifizieren. Auch hier: ein XXL-Turnier: 662 Spielerinnen und Spieler aus 67 Nationen. Elf Runden, vom 26. bis 27. Juni – das wird anspruchsvoll. Der Modus ist neu, ein Nadelöhr - und ähnlich schwer zu durchschlüpfen wie bei den Erwachsenen, betont Bernd Vökler. Vorbei die Zeit, als man frei melden konnte – nun wird der World Cup zum Eliteturnier. In jeder Altersklasse sollen beim Endturnier dann nur acht Spielerinnen und Spieler an den Start gehen dürfen. Die ersten Erstplatzierten aus dem am Dienstag beginnenden Qualifikationsturnier-Turnier, dazu die vier Elo-Besten von den Kontinenten Europa, Asien, Afrika und Amerika. Hinzu kommt ein Veranstalter-Freiplatz.
„Wenn sich da ein Deutscher oder eine Deutsche qualifizieren sollte, wäre das schon in jungen Jahren ein absoluter Karriere-Höhepunkt“, betont Vökler. Chancen räumt er mindestens einem DSB-Talent ein: Aadith Ranganathan aus München ist in der U10 an Position vier gesetzt. Zur Vorbereitung hat er bereits die DEM in Willingen bei der U12 mitgespielt und immerhin sechs Punkte erzielt. In dieser Altersklasse siegte in Willingen Harshill Pradeep, der in Batumi in der U12 auch Außenseiterchancen haben könnte. Die 22 deutschen Starterinnen und Starter in Batumi werden von Delegationsleiter Philipp Müller, Dirk Sander und Jessica Schmidt trainiert und betreut. (mw)
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