28. November 2025
Elisabeth Pähtz live erleben, im klassischen Schach. Jetzt gibt es dazu die vorerst letzte Chance. „Ich mache das auch nur noch einmal, weil es in Berlin stattfindet. Denn ich will aufgrund meiner Schwangerschaft nicht mehr reisen“, sagt die einzige deutsche Großmeisterin. Pähtz wohnt im Berliner Speckgürtel, in Brandenburg – und kommt vermutlich mit der S-Bahn zu den Partien. Am Wochenende (29. und 30. November) spielt die erfolgreichste deutsche Spielerin in der Frauen-Bundesliga für die OSG Baden-Baden. Gastgeber für die dritte und vierte Runde ist der SC Kreuzberg im Haus des Sports, Böcklerstraße 1. Die OSG Baden-Baden, die zum Kreis der Titelfavoriten gehört, trifft am Samstag (ab 14 Uhr) auf den Chemnitzer SC Aufbau 95 und am Sonntag (ab 9 Uhr) auf Kreuzberg. Zwei Aufsteiger also. Der vierte Klub im Bunde ist bei dieser Doppelrunde der SK Freiburg-Zähringen 1887, auch Liga-Neuling. Matthias Wolf vom DSB-Team Öffentlichkeitsarbeit sprach mit Elisabeth Pähtz über Mutterfreuden und neue Ziele im Schach. Die dürften manchen überraschen.
Elisabeth, erstmal zu dem, was alle brennend interessiert, seit kürzlich bei einer Simultanveranstaltung in Hamburg Bilder von Dir mit Babybauch auftauchten: Wann ist es soweit? Und wird es ein Junge oder ein Mädchen?
Der Geburtstermin ist Anfang März. Und es wird ein Mädchen. Aber über den Namen reden mein Freund Fabio und ich noch nicht. Wir haben schon was ausgesucht, aber wer weiß: Vielleicht entscheiden wir uns noch um.
Dein Beitrag zu mehr Weiblichkeit im Schachsport…
(lacht) Ich mache jetzt mal eine Ansage: In 15 Jahren ist die kleine Pähtz die Nummer eins im deutschen Schach… Spaß beiseite: Wenn sie Schach mag, kriegt sie alle Unterstützung von mir, wenn nicht ist das auch okay. Der Papa, Fabio, ist schließlich auch kein Schachspieler. Man sollte seinen Kindern nichts aufzwingen.
Du hast Mitte November noch in Hamburg für SK Johanneum Eppendorf Ligaschach gespielt und dann gab es diese Simultanveranstaltung im Groß Borsteler Stavenhagenhaus. Und jetzt willst Du wirklich eine Pause machen? Wirst Du Schach nicht vermissen.
Ehrlich? Nein. Die langen Partien erstmal nicht. Meine Webinare für Chessence und die Shows für Chessbase gehen ja weiter. In Hamburg habe ich gerade noch eine DVD mit Chessbase produziert. Ich arbeite also weiterhin, aber aktuell nur noch wenige Stunden pro Woche. Ich hoffe nicht, dass Baden-Baden bei den Runden im Februar Personalnöte hat und ich doch noch in den Zug steigen muss. Denn ich möchte eigentlich nicht mehr reisen, das ist mir schlicht zu anstrengend. Ich war ja im Oktober auch beim Europapokal der Vereine auf Rhodos schon sehr konsequent, als ich vorher meinem Verein Cercle d'échecs de Monte-Carlo aus Monaco klar gesagt habe: Ich komme, aber ich spiele maximal vier Partien, sonst wird es zu viel. Ich brauche Pausen.
Du bist ja jetzt auch immer zu zweit, wie man deutlich erkennen kann – das erfordert doppelte Energie…
…meine Mutter sagt scherzhaft, ich sehe aus, als würde ich gleich gebären. Der Bauch ist riesig, ich habe schon elf Kilo drauf. Und das, obwohl ich nicht übermäßig viel esse. Grundsätzlich aber geht es mir sehr gut. Mir ging es schlecht bis zum dritten Monat, bei den Dortmunder Schachtagen habe ich mich durch die Partien gequält – aber seitdem geht es mir und dem Kind sehr gut. Trotzdem ist natürlich ein großer Respekt vor der Geburt mit dabei.
Was meinst Du genau?
Eine Freundin von mir hat gerade 32 Stunden im Kreißsaal verbracht – bis es soweit war. Ich will ehrlich sein: Die Angst überwiegt derzeit noch die Vorfreude auf mein Kind. Wobei je viele in der Schachszene wissen, wie sehr ich mir gewünscht habe, Mutter zu werden. Das wird schon eine Riesensache für Fabio und mich. Und gesundheitlich arbeite ich jetzt schon vor: Ich trainiere meine Muskulatur auch während der Schwangerschaft: Beine, Po, Becken – auch mit Gewichten. Ich will ganz schnell wieder fit sein.
Machst Du Dir schon Gedanken, wie es danach weitergeht mit dem Schachsport?
Sagen wir mal so: ein bisschen. Aber das hängt von vielen Faktoren ab. Wenn es zum Beispiel keinen Kaiserschnitt gibt, brauche ich bestimmt keine lange Pause. Dann könnte ich mir sogar vorstellen, die Bundesliga-Endrunde am 18. und 19. April in Bad Königshofen zu spielen. Das ist vom Wohnhaus meiner Eltern in Erfurt nur eine Stunde entfernt. Ich könnte bei der Familie Station machen und zu den Partien pendeln.
Und die Nationalmannschaft? Anfang September findet die Olympiade in Samarkand, Usbekistan, statt. Du hast ja nie offiziell Deinen Rücktritt aus dem DSB-Team erklärt…
…tatsächlich würde ich die Olympiade gerne spielen, wenn alles passt – für meine Tochter und mich. Ich habe Bundestrainer Zahar Efimenko gesagt, dass Batumi unmöglich zu schaffen war, aus für ihn nachvollziehbaren Gründen – aber dass es schön wäre, wenn er eine gewisse Flexibilität hätte, wenn ich für Usbekistan einsatzbereit wäre. Es kann sein, dass ich das erst vier Wochen vorher weiß, da muss man halt dann sehen, wie das mit den Nominierungsregularien zusammenpasst. Grundsätzlich aber bietet die FIDE sogar interessante Programme für schachspielende Mütter mit Kindern an. So werden zum Beispiel die Kosten für eine Begleitperson übernommen. Kurzum: Ich spüre die Lust auf die Olympiade.
Zurück zur Bundesliga. Du hast in Kreuzberg quasi ein Heimspiel.
Ja, das ist schon etwas Besonderes für mich. Es ist bestimmt schon 15 Jahre her, dass ich das letzte Mal Bundesliga in Berlin gespielt habe. Ich denke, ich werde sogar mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen.
Sportlich ist Baden-Baden klarer Favorit in beiden Duellen.
Vorneweg: Ich habe eine riesige Sympathie für alle Aufsteiger. Was Kreuzberg, Chemnitz und auch Freiburg mit geringen Mitteln geleistet haben, ist phänomenal. Aber da ist nicht nur Sympathie, sondern auch viel Respekt. In der zweiten Runde hat Kreuzberg die Rodewischer Schachmiezen besiegt, nominell klar stärker - das musst Du erstmal schaffen. Klar, wir wollen mit Baden-Baden endlich mal wieder den Titel holen – aber wir tun gut daran, gewarnt nach Berlin zu fahren.
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