24. Juni 2026
Ab Juli beginnt die Vorbereitung, mit Privattrainer. Großmeister Sergei Tiviakov soll sie fit machen für die Olympiade in Usbekistan. Jetzt, da klar ist: Elisabeth Pähtz spielt wieder für die deutsche Nationalmannschaft. Ziemlich exakt ein halbes Jahr nach der Geburt ihrer Tochter Lavinia wird die einzige deutsche Großmeisterin der offenen Klasse in Samarkand wieder am Brett sitzen – vom 15. bis 28. September findet das wichtigste internationale Turnier im Mannschaftsschach statt. „Ich habe wieder richtig Lust auf Schach“, sagt sie. Bei der Bundesliga-Endrunde in Bad Königshofen im April hätten ihr die Partien für die OSG Baden-Baden wieder Appetit auf mehr gemacht. „Das hat richtig Spaß gemacht“, sagt sie und lacht: „Ich habe gelesen, dass man mental auch noch viel stärker wird, wenn man Mutter ist.“
Die zweite gute Nachricht: Die Fans müssen auch beim Schachgipfel in Dresden im Juli nicht auf sie verzichten. Dann ist sie zwar nicht als Spielerin dabei, aber als Kommentatorin. Spielen wird sie die Deutschen Meisterschaften erst wieder, das hat sie immer gesagt, wenn das Preisgeld für Männer und Frauen angeglichen wird. Zweifellos ein Punkt, der auf der To-Do-Liste des neuen DSB-Präsidenten Paul Meyer-Dunker steht. In Dresden wird Elisabeth Pähtz nun – immer im Doppelpack, und im Rotationsprinzip, mit Klaus Bischoff und Katharina Reinecke – auf SchachdeutschlandTV zu sehen sein.
Schnell wird die erfolgreichste deutsche Spielerin im Gespräch mit der DSB-Öffentlichkeitsarbeit deutlich: Mag sie sich zwischendurch auch mal ganz weit vom Leistungsschach entfernt haben, gab es auch mal Motivationsprobleme – sie brennt wieder, ist voll im Stoff. Die Frauen-EM hat sie verfolgt, die Partien ihrer Nationalmannschafts-Kolleginnen analysiert. Wie Jana Schneider sich noch ins DSB-Team kämpfte, Hanna Marie Klek auf hohem Niveau performte – beide hätten es sehr gut gemacht. Gerne hätte Elisabeth Pähtz auch Josefine Safarli in Usbekistan im Nationalteam gesehen, trotz Durststrecke und Elo-Verlusten zuletzt. „Josi ist eine, die international immer fürs Team abgeliefert hat – meist auch über ihrer Elozahl performt hat.“ Aber Zahar Efimenko, der Bundestrainer, hat ja schon signalisiert: Die Tür ist offen.
So, wie er sie auch für Elisabeth Pähtz geöffnet hat. Zweifellos nicht ohne Bedenken: Eine junge Mutter, mit Baby, bei einer Olympiade – kann das funktionieren? Ja, in jedem Fall, wenn man das Projekt so strategisch angeht wie Elisabeth Pähtz. Ihre Mutter Anna wird an ihrer Seite sein – wie auch schon bei der Bundesliga-Endrunde. Ein spezielles Mütter-Programm der FIDE übernimmt die Reisekosten für Anna Pähtz. Tochter Elisabeth wird sich voll aufs Turnier konzentrieren können – und ihren kleinen Sonnenschein dennoch um sich haben. Bis dahin wird auch schon zugefüttert und es kommt nicht mehr zu den nächtlichen Rufen nach Nahrung - um ein Uhr und um sechs Uhr …
Wie professionell Elisabeth Pähtz jetzt schon Usbekistan plant, zeigt auch eines: Auch in der Oasenstadt Samarkand wird ihr eigener Trainer mit dabei sein, dank der Hilfe eines privaten Sponsors. Sie wird nichts dem Zufall überlassen. „Ich will da schachlich bestmöglich fit sein“, sagt sie. Körperlich ist sie das längst wieder. Dafür hat sie früh wieder mit einem straffen Fitnessprogramm begonnen. Von 18 Kilogramm, die während der Baby-Zeit on top kamen, sind 16 schon wieder runter. „Das war schon hart während der Schwangerschaft“, sagt sie: „Aber ich fühle mich wieder sehr gut, bin auf einem tollen körperlichen Leistungsniveau.“ Die Olympiade kann kommen. (mw)
// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 37068