20. August 2012
Unsere Mitglieder haben es gerade nicht leicht. Würde sich der Wechsel vom geliebten wie gehaßten MS-DOS-Programm ELOBASE (sh. Bildschirmfoto) zum Online-Programm DeWIS nicht derart auf die DWZ-Onlinedatenbank des DSB auswirken, hätte wahrscheinlich gar keiner gemerkt, daß eine Ära zu Ende gegangen ist.
Am 1. August wurde ELOBASE zu Grabe getragen. Mehr als 20 Jahre mit einer Software, die noch so aussieht wie damals, als Windows noch ein Nischendasein fristete, geht im Computer-Zeitalter eigentlich gar nicht. DeWIS heißt der Nachfolger von ELOBASE: Deutsches Wertungs- und Informationssystem. Der Stuttgarter Holger Schröck wurde mit der Entwicklung beauftragt. Eine Arbeitsgruppe um den Vorsitzenden der Wertungskommission, Andreas Filmann, kümmerte sich um das Pflichtenheft und alle damit zusammenhängenden Arbeiten.
Gestern mittag gegen 13 Uhr wurden nun auch die Besucher der DSB-Website von einer großen Änderung überrascht: Die alte Online-Datenbank wurde durch eine neue ersetzt. Erste Reaktionen auf die neue DWZ-Abfrage bekam ich schon in den Tagen zuvor, nachdem ich den entsprechenden Link im Schachfeld-Forum und beim Berliner Schachverband öffentlich machte. Das half mir einige Fehler in meinem Skript zu beseitigen und Funktionen abzuändern. Auch wurden bereits einige Fehler in den DeWIS-Daten entdeckt. Das sind halt die Kinderkrankheiten bei neuen Programmen. In den kommenden Wochen werden die Verantwortlichen an deren Beseitigung arbeiten.
Das es noch an vielen Stellen hapert, beweisen die Emails die mich oder die Wertungsverantwortlichen seit gestern verstärkt erreichen. Da sind DWZ bei Leuten verschwunden, die vorher eine hatten. Ein Spieler mit DWZ 900 hat plötzlich eine 2100 in seiner Kartei zu stehen. Und über allem steht die Frage: Wohin sind meine Turniere verschwunden, die ich bis 2007 gespielt habe?
Diesbezüglich gehe ich etwas weiter in der Geschichte zurück. Bis 2004 war die DWZ nur maximal 5 Jahre gültig. Wer in diesem Zeitraum kein Turnier gespielt hatte, bekam einfach eine neue DWZ. Da kein Wertungsreferent deshalb mehr als fünf Jahre alte Auswertungen benötigte, wurden die mittels der Archivfunktion von ELOBASE einfach entsorgt. Als Hauptgrund für die Archivierung wurde die immer größer werdende Datenbank genannt. Diese Datenbanken wurden in den 1990er Jahren per Email und per Diskette (Briefpost) weitergereicht. Speicherplatz und die Übertragungszeit per Modem waren kostbar.
Als 2003 die Auswertungen zentralisiert wurden und die DWZ nun bald wieder lebenslang gültig war, mußte ich als damaliger Referent der Wertungszentrale anhand der Mitgliederdatenbank MIVIS, alten ELOBASE-Datenbanken und der Auswertungsdateien die ZDB (Zentrale Datenbank) neu aufbauen. In manchen Landesverbänden fehlten 70-80 Prozent der Daten!
In den Jahren danach kümmerte sich vor allen Dingen das sächsische Wertungsurgestein Werner Schreyer um die Vervollständigung der Datenbank.
Mit dem Wechsel zu DeWIS bleibt die DWZ zwar nach wie vor lebenslang (oder unendlich) gültig, doch dem neuen System wurde trotzdem ein Verfallsdatum eingebaut. Ob dies wegen des Datenschutzes oder des Speicherplatzes oder beidem geschah, ist mir nicht bekannt. Turnierauswertungen sollen jedenfalls maximal 5 Jahre gespeichert werden - und verschwinden danach nicht nur aus der Spielerkartei, sondern werden komplett gelöscht. Wer am 1. Januar 2013 in seine Karteikarte schaut, wird also möglicherweise dann die vier bis fünf Jahre alten Auswertungen aus dem Jahr 2008 vergeblich suchen.
Eine weitere Frage war: Wo finde ich die DWZ-Listen, die nach Alter und Geschlecht sortiert sind? Nun, die gibt es vorerst nicht. Die Schnittstelle von DeWIS liefert die entsprechenden Daten noch nicht. Die Erweiterung der Schnittstelle um diese Funktion wird aber sicher höchste Priorität haben. Sobald diese zur Verfügung steht, kann ich diesen Service hier anbieten.
Beliebt bei Turnierveranstaltern und Betreibern von Webseiten und Internetportalen sind auch die downloadbaren DWZ-Listen - wahlweise im Text-, CSV- oder SQL-Format oder als Hintergrunddatei für SwissChess. Dieses Angebot wird auch mit DeWIS beibehalten. Die entsprechenden Dateien werden auf dem Server des Schachverbandes Württemberg bereitgestellt.
Für Webseiten-Betreiber ist weiterhin die CSV-Schnittstelle wichtig. Zahlreiche Webmaster greifen diese Schnittstelle (die derzeit veraltete Daten liefert) ab und präsentieren diese Daten in einem eigenen Layout mit eigenen Funktionen garniert auf ihren Seiten. Damit dieser Service beibehalten werden kann, muß ich die CSV-Schnittstelle noch entsprechend anpassen.
Schließlich wäre noch zu beantworten, was jetzt eigentlich mit der alten Online-Datenbank und den alten Auswertungen passiert. Und warum die Datenbank überhaupt sterben muß. Hätte man nicht einfach DeWIS-Exporte importieren können? Diese Frage wurde vom Holger Schröck mit Nein beantwortet: Es gibt keine Exporte (außer den normalen abgespeckten Downloads) - sondern nur die Schnittstelle. Schröck setzte das um, was ihm über das Pflichtenheft aufgetragen wurde.
Es wird also keine Updates für die Online-Datenbank mehr geben. Sie bleibt aber weiterhin erreichbar und kann für Archivrecherchen genutzt werden. Möglicherweise wird der Zugang dazu in den nächsten Wochen und Monaten aber weiter eingeschränkt, z.B. mit einem öffentlichen Passwort.
Übrigens. Daß die DSB-Website in den Abendstunden und am Wochenende durch eine überlastete Online-Datenbank nicht erreichbar sein sollte, sollte der Vergangenheit angehören (so hoffe ich es zumindest...). Ebenso die Meldungen, das eine DWZ-Abfrage zur Zeit aus irgendwelchen Gründen nicht möglich ist. Der Hauptgrund dafür ist, das die gesamte Last auf einen anderen Server ausgelagert wurde. Darüberhinaus habe ich das Cachesystem (rechts ein Screenshot des ID-Caches) auf dem DSB-Server verbessert. Jetzt werden alle angefragten Daten zwischengespeichert und ggfs. statt der Originaldaten aus DeWIS ausgeliefert. Außerdem kann der Cache nicht mehr umgangen werden. Informationen zum aktuellen Status der Abfrage bekommen Sie über die kleine Box am Seitenende:
Unter Laufzeiten finden Sie Zeitangaben darüber, wie lange das Abfrageskript für die Verarbeitung der Daten benötigte und ob und wie lange der Zugriff auf den Cache oder DeWIS dauerte. Die in der Beispiel-Grafik angegebenen 0,003 Sekunden für das Abfrageskript bezieht sich nur auf dieses selbst und beinhaltet nicht die Erstellungsdauer und Auslieferungszeit für die gesamte Seite!
In der nächsten Zeile steht die Uhrzeit, wann der Cache zuletzt aktualisiert wurde - dahinter dessen Restgültigkeit: im Beispiel 3 Tage, 6 Stunden und 28 Minuten. Keine Angst. Sie müssen jetzt nicht solange warten, bis der Verfallszeitpunkt erreicht ist. Wiederholen Sie einfach ihre Anfrage zu einem Zeitpunkt, zu der das Cachesystem nicht benutzt wird. Nach den aktuellen Einstellungen ist das zwischen 3 und 10 Uhr täglich. Bei jeder direkten DeWIS-Abfrage wird auch der Cache erneuert. Dessen Verfallsdauer ist eingestellt auf 4 Tage und 4 Stunden. Das erfahren Sie auch über den Link "Mehr Informationen" in der Infobox.
Unter dem Link "Statistik" finden Sie Tages- und Wochenstatistiken für alle Anfragen. Monats- und Jahresstatistiken sollen folgen.
Diese Seite wird einmal täglich nach Mitternacht mit den Daten des letzten Tages aktualisiert. Interessant nach dem ersten (halben) Tag: Der am häufigsten gesuchte Spielername ist "Spielername"... - 15 mal klickten die Besucher der DSB-Website einfach auf die Lupe neben dem Eingabefeld und übernahmen damit die wegklickbare Vorgabe "Spielername". So wird das natürlich nichts....
Richtig wäre "Nachname,Vorname" oder "Nachname" oder "Nach" (also der vordere Teil des Nachnamen). Diese "Formel" sollte nach etlichen Jahren schon hinlänglich bekannt sein.
// Archiv: DSB-Nachrichten - Wertungskommission // ID 486