Matthias Wolf in seinem natürlichen Habitat - im Interviewbereich bei den deutschen Meisterschaften in München
Danke, Matthias!
Emsig wie eine Biene? Über diesen Vergleich wird sich der Mann, leidenschaftlicher Trikotsammler, der nahezu täglich in irgendeinem Schalke-Outfit in die DSB-Geschäftsstelle kam, vermutlich ärgern – schwarz-gelb sind Bienen und die Borussia aus Dortmund, die er nicht mag. Aber der Vergleich passt halt gut. Zum 28. Februar hat der Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Schachbundes, Matthias Wolf, gekündigt. Seit dem 1. August 2024 hatte er diese Position inne – und hinterließ in dieser, vergleichsweise kurzen, Zeit deutliche Spuren. Mit journalistischem Instinkt, hohem Tempo und klaren Vorstellungen davon, wie ein moderner Verband aussehen kann, hob er die Öffentlichkeitsarbeit des DSB spürbar auf ein neues Niveau.
Matthias Wolf kehrt nun zu seiner alten – und eigentlich nie ganz aufgegebenen – Leidenschaft zurück: dem Journalismus. Ab dem 1. März arbeitet er wieder als freier Journalist, vor allem für den WDR. Vor seiner Zeit beim DSB hatte er über zwei Jahrzehnte lang eine eigene TV-Produktionsfirma geführt, zahlreiche investigative Beiträge realisiert und dabei auch Preise gewonnen – wie den Deutschen Fernsehpreis. Diese Erfahrung brachte er mit zum DSB – und wir Kolleginnen und Kollegen durften das sofort spüren.
Ganz verabschieden müssen wir uns von ihm allerdings nicht. Matthias bleibt dem Deutschen Schachbund erhalten und wird als freier Autor mithelfen, schachbund.de weiter mit fundierten, gut erzählten und vielfältigen Geschichten rund um das Thema Schach zu füllen. Geschichten, die nicht bei Ergebnissen enden, sondern Menschen zeigen – Spielerinnen und Spieler, Ehrenamtliche, Funktionäre. Genau das war immer sein Anspruch.
Wer Matthias kennt, weiß allerdings: Stillhalten ist nicht seine Stärke. Tatendrang? Im Überfluss. Das Handy? Selbst im Urlaub immer auf Empfang. Schreiben, Fotografieren, Filmen, Schneiden – alles selbstverständlich für ihn. Wie viel der extrem intrinsisch Motivierte am Ende tatsächlich für den Schachbund leisten wird, lässt sich daher kaum seriös prognostizieren…
Seit Matthias‘ Einstieg hat sich die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des DSB sichtbar verändert. Die Website wurde lebendiger und vielseitiger, neue Formate wie Video-Interviews und Imageclips etablierten sich schnell. Mit Partnern wie 11teamsports kam erstmals ein Ausrüster-Deal zustande, den Matthias maßgeblich vorantrieb. Gleichzeitig scheute er sich nie, auch unbequeme Themen anzusprechen: fehlende mediale Aufmerksamkeit für Spitzenerfolge, überholte Strukturen oder die aus seiner Sicht überfällige Angleichung der Preisgelder von Frauen und Männern bei Turnieren.
Matthias selbst reflektiert seinen Abschied so:
„Die Entscheidung fiel mir nicht leicht. Die Kolleginnen und Kollegen in der Geschäftsstelle des DSB, viele Ehrenamtliche beim DSB und der DSJ, sind mir ans Herz gewachsen. Ich komme auch deshalb der Bitte des Präsidiums nach und stehe dem Verband auf Honorarbasis als freier Autor weiter zur Verfügung. Damit bleibe ich mit der Schachszene verbunden, in der ich in den vergangenen eineinhalb Jahren viel Wertschätzung erfahren habe – von wertvollen Menschen, die ich selbst auch schätzen gelernt habe. In diesem Sport, den ich seit meiner Jugend betreibe, wimmelt es nur so vor faszinierenden Typen, die es verdient haben, dass man ihre Geschichten aufschreibt. Das habe ich getan. Dass es der richtige Weg für die DSB-Öffentlichkeitsarbeit war, zeigen die Zahlen: Die Zugriffe auf die DSB-Webseite stiegen von vier Millionen auf 200 Millionen pro Jahr, Tausende neue Follower kamen hinzu, und auch auf Social Media vervielfachten sich die Abrufe. Es hat Spaß gemacht, gemeinsam mit meinem Team etwas zu entwickeln, darunter viele Konzepte und Projekte mit Zukunftspotenzial. Aber auch das ist ein Grund für meine Kündigung: Ich bin letztlich nicht geschaffen für Verbandsstrukturen, in denen ich mich nicht so verwirklichen konnte wie ich wollte.
Hinzu kommt meine Leidenschaft für den Journalismus. Filme zu machen und Hintergründe im Sport zu beleuchten wird künftig wieder den Hauptteil meiner Arbeit ausmachen. Ich freue mich darauf und blicke nicht zurück im Zorn.“
Auch wenn wir also weiterhin von den Texten dieses Vollblut-Schalke-Fans profitieren dürfen, möchten wir diesen Moment nutzen, um ausdrücklich Danke zu sagen. Danke für dein enormes Engagement, für abertausende Artikel und Geschichten, für kritisches Nachfragen, klare Worte und den Mut, Dinge neu zu denken. All das hat entscheidend zur Professionalisierung und positiven Außendarstellung des Deutschen Schachbundes beigetragen.
DSB-Präsidentin Ingrid Lauterbach würdigt Matthias’ Arbeit mit klaren Worten:
„Matthias hat das Level der Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Schachbundes auf ein neues Niveau gehoben. Dafür hat er viel Zeit geopfert und mit großem Drang und Engagement zahlreiche Ideen angestoßen und umgesetzt. Ein Beispiel: Durch Matthias konnten wir 11teamsports als Partner gewinnen und die Schachwelt mit hochwertigen Adidas-Produkten im DSB-Design ausstatten. Ein weiteres Highlight: Dank seiner Kontakte fanden im vergangenen Jahr das U25-Open sowie die Schach960-Meisterschaften im Berliner Olympiastadion statt – ein echtes Erlebnis für alle Beteiligten. Ich könnte noch viele weitere Beispiele nennen. Sie alle zeigen, welchen enormen Beitrag der ehemalige Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für den Deutschen Schachbund geleistet hat.“
Privat ist Matthias dem Schach seit Jahrzehnten eng verbunden – begonnen hat er mit dem Schreiben über Schach bereits als Pressewart des Schachclubs Dreiländereck in Weil am Rhein, in dem er bis heute Mitglied ist. Dass er überhaupt Journalist wurde, verdankt er nicht zuletzt seinem ersten Schachverein. Ohne diesen, sagt er selbst, hätte er viele Türen nie aufgestoßen.
Lieber Matthias: Vielen Dank für alles, was du für den DSB bewegt hast. Wir freuen uns, dass du uns weiterhin mit deiner journalistischen Qualität, deiner Energie und deiner Leidenschaft für das Schach unterstützen wirst.