15. April 2026
Kein Sieg, aber ein starkes Zeichen: Matthias Blübaum beendet das Kandidatenturnier 2026 mit sechs aus 14 Punkten gegen die absolute Weltspitze und belegt damit Rang sechs. Nach intensiven 14 Runden geht der Turniersieg klar an Javokhir Sindarov, der ein herausragendes Turnier spielte und zehn aus 14 möglichen Punkten holte. Er landete vor Anish Giri und Fabiano Caruana.
Zwischen präziser Verteidigung, anspruchsvollen Duellen und großer Selbstkritik zeigt sich: Der deutsche Großmeister ist auf einem guten Weg zur erweiterten Weltklasse. Oder wie sein ehemaliger Trainer Matthias Krallmann es sagt: "Ich bin wirklich optimistisch. Er hat jetzt schon mehrere Turniere gespielt, das Grand Swiss und auch das Tata Steel, wo er gezeigt hat, er kann auf diesem Niveau von 2700 spielen - auch hier beim Kandidatenturnier hat er es bewiesen. Ich bin mir sicher, er wird weiter daran arbeiten und kämpfen, dass er über 2700 kommt."
Die letzten vier Runden verlangten Blübaum noch einmal alles ab. In Runde 11 gegen R Praggnanandhaa geriet er mit Schwarz zwischenzeitlich in Schwierigkeiten, verteidigte sich jedoch umsichtig und sicherte sich ein hart erkämpftes Remis. Es folgten zwei Partien gegen absolute Weltklassespieler: Gegen Fabiano Caruana (Runde 12) und Hikaru Nakamura (Runde 13) zeigte Blübaum mit Weiß und Schwarz zwei präzise, kontrollierte Leistungen. Fehler erlaubte er sich keine – beide Partien endeten verdient Remis. Gerade das Remis gegen Nakamura hatte dabei eine besondere Bedeutung. Wie sein ehemaliger Trainer Matthias Krallmann in der Analyse auf SchachdeutschlandTV betonte, ist der US-Amerikaner statistisch und psychologisch ein schwieriger Gegner für Blübaum. Über viele – vor allem bei Blitz – Partien hinweg spricht die Bilanz klar gegen den Deutschen. Umso wichtiger war es, ausgerechnet mit Schwarz eine stabile Partie zu spielen und den halben Punkt sicher einzufahren: ein Ergebnis, das auch mental Gewicht haben dürfte.
Vor der Schlussrunde eröffnete sich schließlich noch eine kleine rechnerische Chance auf einen Podestplatz. Gegen Anish Giri ging Blübaum mit Weiß ins Risiko, wählte eine komplexe Variante und investierte bereits früh viel Zeit – rund 40 Minuten für den 14. Zug. Doch Giri verteidigte präzise, übernahm im weiteren Verlauf die Kontrolle und entschied die Partie für sich.
Ein kämpferischer Abschluss – ganz im Sinne dieses Turniers.
Die abschließende Analyse auf SchachdeutschlandTV übernahm Matthias Krallmann, langjähriger Trainer und Wegbegleiter Blübaums. Seine Einschätzung fällt differenziert aus – zwischen Anerkennung und der typischen Selbstkritik seines ehemaligen Schülers. „Er hat jetzt schon mehrfach gezeigt – beim Grand Swiss oder beim Tata Steel –, dass er auf diesem Niveau von 2700 spielen kann“, so Krallmann. „Und ich bin optimistisch, dass sich das auch zukünftig, nicht nur virtuell, in seiner Elo-Zahl widerspiegeln wird.“
Gleichzeitig kennt er die Perspektive des Spielers nur zu gut: „Ich kann absolut nachvollziehen, wenn viele sehr stolz auf Matthias sind. Aber ich glaube, er selbst wird das nicht so sehen. Dafür ist er zu selbstkritisch.“ Gerade die beiden Niederlagen werde Blübaum genau analysieren: „Er hat sich da jeweils im Variantendickicht verloren und dabei grundlegende strategische Prinzipien aus den Augen verloren.“ Krallmann richtet den Blick aber auch nach vorne und beschreibt Blübaum treffend - denn, viel Zeit zum Hadern bleibt nicht: „In kurzer Zeit geht es in der Bundesliga weiter – und dann wird er bestimmt wieder am Brett sitzen, als wäre nichts gewesen.“
Sech aus 14 Punkten. Zwölf Remis, zwei Niederlagen. Kein Sieg – und dennoch ein Ergebnis, das Bestand hat.
Matthias Blübaum hat beim Kandidatenturnier 2026 gezeigt, dass er auf Augenhöhe mit der Weltspitze spielen kann. Gegen Namen wie Nakamura, Caruana oder den Gewinner des Turniers Javokhir Sindarov hielt er stand, verteidigte schwierige Stellungen und bewies über weite Strecken enorme Stabilität. Was auch noch die Performance von Blübaum untermauert: Blübaum und Giri sind die einzigigen beiden Spieler, die Sindarov einen ganzen Punkt aus ihren zwei Partien gegen ihn entführen konnten. Dass er selbst vor allem die verpassten Chancen sehen wird, gehört zu seinem Selbstverständnis als Profi. Doch genau dieser Anspruch ist es auch, der ihn in diese Position gebracht hat. Das Kandidatenturnier endet – die Entwicklung nicht. Die nächsten Aufgaben warten bereits; Wir dürfen gespannt sein, ob Blübaum in der nächsten Woche schon wieder in der Bundesliga-Endrunde in Berlin am Brett sitzen wird. Und die magische Marke der "Super-GMs" von 2700 rückt näher. (fe)
| 11. Runde am 11.04.2026 | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | GM Anish Giri | 2753 | ½:½ | 2698 | |
| 2 | GM Hikaru Nakamura | 2810 | ½:½ | GM Wei Yi | 2754 |
| 3 | GM Fabiano Caruana | 2795 | ½:½ | GM Javokhir Sindarov | 2745 |
| 4 | GM Rameshbabu Praggnanandhaa | 2741 | ½:½ | GM Matthias Blübaum | 2698 |
| 12. Runde am 12.04.2026 | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 2698 | ½:½ | GM Rameshbabu Praggnanandhaa | 2741 | |
| 2 | GM Matthias Blübaum | 2698 | ½:½ | GM Fabiano Caruana | 2795 |
| 3 | GM Javokhir Sindarov | 2745 | ½:½ | GM Hikaru Nakamura | 2810 |
| 4 | GM Wei Yi | 2754 | ½:½ | GM Anish Giri | 2753 |
| 13. Runde am 14.04.2026 | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | GM Wei Yi | 2754 | 1:0 | 2698 | |
| 2 | GM Anish Giri | 2753 | ½:½ | GM Javokhir Sindarov | 2745 |
| 3 | GM Hikaru Nakamura | 2810 | ½:½ | GM Matthias Blübaum | 2698 |
| 4 | GM Fabiano Caruana | 2795 | ½:½ | GM Rameshbabu Praggnanandhaa | 2741 |
| 14. Runde am 15.04.2026 | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 2698 | 0:1 | GM Fabiano Caruana | 2795 | |
| 2 | GM Rameshbabu Praggnanandhaa | 2741 | ½:½ | GM Hikaru Nakamura | 2810 |
| 3 | GM Matthias Blübaum | 2698 | 0:1 | GM Anish Giri | 2753 |
| 4 | GM Javokhir Sindarov | 2745 | ½:½ | GM Wei Yi | 2754 |
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