26. September 2026
Dritter Bewerber ist der kasachische Unternehmer Timur Turlov. Der Deutsche Schachbund unterstützt die Kandidatur seines FIDE-Delegierten Wadim Rosenstein.
Während wenige Meter entfernt bei der Schacholympiade weiter um Mannschaftspunkte und Medaillen gekämpft wird, richtet sich der Blick am Samstag auch auf die sportpolitische Zukunft des internationalen Schachs. Seit 9 Uhr Ortszeit tagt im Congress Center in Samarkand die Generalversammlung des Weltschachverbandes FIDE. Einer der ersten und wichtigsten Punkte auf der Tagesordnung: die Wahl eines neuen Präsidenten.
Dabei werden Präsident und Deputy President gemeinsam gewählt: Wadim Rosenstein tritt zusammen mit Gordon Tang an, Jan Henric Buettner mit Malcolm Pein und Timur Turlov mit dem fünfmaligen Weltmeister und derzeitigen FIDE-Interimspräsidenten Viswanathan Anand.
Die regulären FIDE-Wahlen finden im Rahmen der Generalversammlung statt. Der bisherige Präsident Arkady Dvorkovich übt sein Amt derzeit nicht aus. Nachdem er im Juli auf eine EU-Sanktionsliste gesetzt worden war, setzte er seine Rechte und Pflichten als FIDE-Präsident freiwillig aus. Deputy President Viswanathan Anand übernahm daraufhin gemäß der FIDE-Satzung interimistisch die Aufgaben des Präsidenten.
Unabhängig davon steht mit dem FIDE-Kongress 2026 die turnusmäßige Wahl der Führung des Weltverbandes an. Neben Präsident und Deputy President werden unter anderem auch vier Vizepräsidenten gewählt.
Grundsätzlich verfügt jeder stimmberechtigte Mitgliedsverband der FIDE über eine Stimme. Vor der Abstimmung bestätigt die Generalversammlung zunächst die Liste der wahlberechtigten Verbände und bestimmt drei Wahlprüfer.
Gewählt wird anschließend über die drei gemeinsamen Tickets für Präsident und Deputy President. Erreicht kein Kandidat im ersten Wahlgang die notwendige Mehrheit, kommt es zu einer Stichwahl zwischen den beiden Tickets mit den meisten Stimmen.
Gerade bei einer geheimen Abstimmung ist eine zuverlässige Prognose schwierig. Öffentliche Unterstützungserklärungen einzelner Verbände geben Hinweise auf den Wahlkampf, erlauben aber keine belastbare Vorhersage des tatsächlichen Ergebnisses.
Mit Wadim Rosenstein bewirbt sich der aktuelle FIDE-Delegierte des Deutschen Schachbundes um die Präsidentschaft. Der Düsseldorfer Unternehmer ist im internationalen Schach vor allem durch die von ihm initiierten und unterstützten WR-Chess-Projekte bekannt. Dazu zählen unter anderem die WR Chess Masters, die WR Women's Chess Tour sowie internationale Mannschafts- und Nachwuchsformate.
Rosensteins Programm stellt insbesondere die nationalen Schachverbände in den Mittelpunkt. Die FIDE soll nach seinen Vorstellungen stärker als Dienstleister ihrer Mitgliedsverbände arbeiten. Vorgesehen sind unter anderem feste Ansprechpartner für die Föderationen, Unterstützung bei Sponsoring, Marketing und Organisation sowie Investitionen in Digitalisierung, Nachwuchs-, Frauen- und Bildungsprogramme.
Auch die Strukturen innerhalb der FIDE sind ein zentraler Bestandteil seiner Kampagne. Rosenstein wirbt für klarere Verantwortlichkeiten, mehr Transparenz, strengere Regeln bei Interessenkonflikten und eine Begrenzung der Amtszeit des Präsidenten.
Als Deputy President kandidiert an seiner Seite Gordon Tang. Der Unternehmer verfügt insbesondere im asiatischen Sport über ein umfangreiches Netzwerk und ist unter anderem im Olympic Council of Asia tätig.
Bereits im Mai hatte das DSB-Präsidium Rosenstein zum deutschen FIDE-Delegierten berufen. Für den DSB steht dabei insbesondere das Ziel im Vordergrund, Deutschland international wieder stärker zu positionieren und Veränderungen innerhalb des Weltschachverbandes aktiv mitzugestalten.
DSB-Präsident Paul Meyer-Dunker hatte die Berufung Rosensteins damals ausdrücklich begrüßt. Deutschland wolle international stärker vertreten sein und sich für professionelle Strukturen und eine Weiterentwicklung des Schachs einsetzen.
Die Präsidentschaftswahl steht weit oben auf der Tagesordnung der Generalversammlung. Wann das endgültige Ergebnis feststeht, hängt auch davon ab, ob bereits im ersten Wahlgang eine Mehrheit erreicht wird oder eine Stichwahl notwendig ist.
Nach der Entscheidung über die Präsidentschaft geht die Generalversammlung weiter. Auf der Agenda stehen anschließend unter anderem die Wahl weiterer Mitglieder der FIDE-Führung sowie finanzielle, strukturelle und sportpolitische Fragen.
Für den Deutschen Schachbund ist die Wahl in diesem Jahr von besonderer Bedeutung: Zwei der drei Präsidentschaftskandidaten kommen aus Deutschland – und mit Wadim Rosenstein bewirbt sich erstmals der aktuelle deutsche FIDE-Delegierte um die Führung des Weltschachverbandes.
Der DSB wird über den Ausgang der Wahl aus Samarkand berichten.
// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 37176