10. März 2026
Nadja Jussupow, Frauenschach-Referentin des DSB, sagt: „Es gibt viel zu wenige stark besetzte Turniere für Frauen in Deutschland.“ Also hat die Schachschule Jussupow in Weißenhorn (vom 3. bis 8. März) das 2. Internationale Schachturnier zum Weltfrauentag veranstaltet. Plus das 3. Viktor-Kortschnoi-Memorial. Top besetzte Events, mit attraktivem Preisgeld. So wurde an den sechs Tagen „hochklassiges und spannendes Schach“ geboten, wie Großmeister Artur Jussupow betonte, der auch Turnierleiter war. Nadja Jussupow übernahm den Part der Hauptschiedsrichterin. Im Feld wimmelte es vor Großmeisterinnen und Internationalen Meisterinnen, zudem an Talenten im B-Turnier. Am Ende siegte bei den Frauen, A-Gruppe, IM Klaudia Kulon mit sieben Punkten. DSB-Kaderspielerin WGM Jana Schneider kam als beste Deutsche auf 5,5 Zähler – und Rang fünf. Nationalspielerin WGM Josefine Safarli habe sich beim Kortschnoi-Memorial (Eloschnitt 2427) „tapfer gehalten“, so Jussupow. 2,5 Punkte bedeuteten aber nur Platz zehn. Bemerkenswert hier die fünf Punkte von FM Alfred Nemitz. Das DSB-Talent schnappte sich eine IM-Norm. „Insgesamt waren diese beiden Turniere so hochklassig besetzt, dass es für die deutschen Frauen nicht leicht war.“
Ein Sponsor, der nicht im Vordergrund stehen wolle, so Nadja Jussupow, habe das Turnier finanziell abgesichert. „Nur soviel sei verraten: Er setzt sich für Frauenschach, will unsere Projekte unterstützen - und ist ein Fan von Viktor Kortschnoi“, so Nadja Jussupow. Deshalb auch das gesonderte Memorial-Turnier. Immerhin kamen so, für den Frauenbereich, ungewöhnlich hohe Preisgelder zusammen: 10.000 Euro insgesamt, davon allein 6.000 Euro in der A-Gruppe.
Laut Artur Jussupow entwickelten sich vom ersten Tag an viele enge Duelle. Auch unter den Augen des Schirmherrn, dem Ersten Bürgermeister der Stadt Weißenhorn, Dr. Wolfgang Fendt. Mit großem Interesse verfolgte er die Partien in allen Gruppen und verschaffte sich einen Eindruck von der spannenden Atmosphäre im Turniersaal. Ebenfalls Schirmherr war der ehemalige DSB-Präsident Prof. Dr. Robert K. Frhr. von Weizsäcker.
Im Frauenturnier, Gruppe A, stand die Siegerin frühzeitig fest. Klaudia Kulon aus Polen, eine gute Bekannte aus der Frauen-Bundesdliga, profitierte dabei in der Vorschlussrunde von den Niederlagen ihrer Verfolgerinnen. IM Deimantė Daulytė-Cornette aus Frankreich verlor gegen die stark spielende WGM Olga Babiy, während IM Nataliya Buksa aus der Ukraine gegen WGM Boleslava Krasteva (Bulgarien) bereits klar besser stand, jedoch mit einem unglücklichen Zug einen Turm einstellte. Damit reichte Kulon ein schnelles Remis, um ihren Vorsprung auf 1,5 Punkte auszubauen und sich bereits vor der letzten Runde den Turniersieg zu sichern. Letztlich hatte sie sieben Punkte aus neun Partien auf dem Konto.
Auch in Gruppe B stand die Siegerin bereits vor der Schlussrunde fest. Zuzanna Sobczak (gewann letztlich mit sechs Punkten aus eieben Partien) konnte ihren Vorsprung verteidigen, da ihre direkte Verfolgerin Olivia Lukas ebenfalls remis spielte. Olivia Lukas wurde Zweite mit fünf Punkten. Im B-Turnier sammelten sich einige Mädchen aus dem DSB-Onlineprojekt Super Tuesday, das auch Frauenschach-Referentin Jussupow organisiert. „Viele konnten auf diesem guten Niveau weiter daran arbeiten, es vielleicht in den Kader für die Jugend-EM zu schaffen“, so Jussupow. Eine von ihnen ist Sara Ito, die stark aufspielte und 89 zusätzliche DWZ-Punkte sammelte.
Im Viktor-Kortschnoi-Memorial kam es am Schluss zum direkten Duell um den Turniersieg: GM Matthieu Cornette (Frankreich) besiegte seinen Verfolger GM Michal Krasenkow (Polen) und sicherte sich mit sieben Punkten aus neun Partien den Turniersieg.
„Es war wirklich ein tolles Turnier, ein Highlight – vor allem im Frauen-Terminkalender“, so Nadja Jussupow: „Ein besonderer Dank gilt unserem Freund und Unterstützer Dr. Gerhard Köhler und seiner Stiftung GK gGmbH, der Emanuel-Lasker-Gesellschaft sowie dem Landhotel Neumaiers Hirsch für ihre wertvolle Unterstützung und Gastfreundschaft.“
Zur Siegerehrung überreichte Gerhard Köhler im Auftrag der Emanuel Lasker Gesellschaft den Ehrenpreis „Vera“ an die Siegerin des Frauenturniers, Klaudia Kulon und den Ehrenpreis „Viktor“ für den Sieger des Kortschnoi-Memorials, Matthieu Cornette. Köhler zeigte sich beeindruckt von der kämpferischen Einstellung der Frauen und den strategischen und taktischen Ideen der jungen Mädchen. Spielerinnen aus Gruppe A und Gruppe B konnten eine Mannschaft bilden und Preise erringen. "Die Tandembildung zwischen erfahrenen Spielerinnen und Mädchen führte zu Kontakten zwischen beiden Gruppen", so Artur Jussupow, es sei sehr viel auf der analytischen Ebene passiert: "Davon konnten die Jüngeren enorm profitieren."
Die DSB-Frauenreferntin nutzte auch die Gelegenheit, um den Vertreterinnen des Schachklubs Kriegshaber ihre Plakette zu überreichen: Den Sonderpreis bei der Wahl des Frauenschachvereins des Jahres 2025 hatte der Verein mit Sitz in Augsburg errungen. Der SK Kriegshaber hat eine eigene Frauenmannschaft in der Stadtliga, wirbt intensiv um Mädchen und Frauen und veranstaltet das monatliches Frauen-Schach-Café mit Kaffee und Kuchen. Nun gab es die Ehrung persönlich in passendem Rahmen. Die Plakette für Platz eins soll demnächst an die Schachfreunde Karlsruhe überreicht werden. (mw)
// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 36964