23. März 2026
Matthias Blübaum ist längst im Tunnel. Klar doch, nur noch wenige Tage bis zum Start des Kandidatenturniers auf Zypern (ab Sonntag 29. März), wo er gegen sieben Kontrahenten um den Platz für das WM-Duell gegen den amtierenden Weltmeister Dommaraju Gukesh kämpfen wird. Der Deutsche Schachbund hat alles getan, um für seinen WM-Kandidaten gute Voraussetzungen zu schaffen. Auch finanziell. DSB-Präsidentin Ingrid Lauterbach sagt: „Es war uns ein großes Anliegen, ihm die besten Rahmenbedingungen zu ermöglichen.“ Man habe, vor allem über das Crowdfunding, das der Präsident des Schachverbandes Württemberg, Carsten Karthaus, gemeinsam mit dem DSB angestoßen hat, „den Rahmen der Unterstützer deutlich vergrößert“, so Lauterbach: „Es haben viele Menschen jenseits unserer Mitgliederbasis gespendet. Das zeigt eindrucksvoll: Ganz Schach-Deutschland steht hinter Matthias Blübaum!“ Insgesamt rund 86.000 Euro kamen für das Projekt zusammen.
Im Einzelnen schlüsselt DSB-Sportdirektor Kevin Högy den Betrag so auf: 36.000 Euro vom Bundeskanzleramt, 25.000 Euro vom Deutschen Schachbund, knapp 21.000 Euro über das Crowdfunding, 2.500 Euro Förderung vom Spitzensportland Baden-Württemberg, plus ein vierstelliger Betrag vom Schachverband Württemberg. Matthias Blübaum ist zwar Ostwestfale, aber über seinen Bundesligaverein SF Deizisau eng mit Baden-Württemberg verbunden.
„Von meiner Seite aus geht ein großer Dank an DOSB und Bundeskanzleramt“, so Kevin Högy: „Ich hatte das Projekt Kandidatenturnier vorgestellt, den entsprechenden Finanzbedarf skizziert - und es wurden gleich von allen Seiten positive Signale ausgesendet. Dass auch der Schachverband Württemberg mit dabei ist, ist nicht selbstverständlich. Carsten Karthaus hat sogar eigenständig die Förderung über den Fördertopf Spitzensportland BaWü gestartet, wir haben als DSB assistiert. Dass da nochmal Geld zusammenkam, ist schon etwas Besonderes. Toll auch, dass sich ein Landespräsident so für einen DSB-Kaderspieler einsetzt.“
Matthias Blübaum betont, er sei dem DSB sehr dankbar. Das Geld sei bereits für seine Vorbereitung „eine große Hilfe“ gewesen. „Er sehe sich als „absoluten Außenseiter“, der Mathematiker beziffert seine Siegchancen im großen DSB-Interview, das wir im Laufe dieser Woche veröffentlichen werden, sogar nur auf ein bis zwei Prozent - und auch deshalb seien professionelle Rahmenbedingungen umso wichtiger. „Wir wollten, dass er ähnlich gute Möglichkeiten hat wie seine Gegner, und da bewegt sich das bei einem solchen Top-Turnier nun einmal in dieser Größenordnung“, sagt Alexander von Gleich, DSB-Vizepräsident Finanzen: „Matthias soll einfach unbeschwert aufspielen und sein Bestes geben können, mit einem guten Team um sich herum.“
Für den Lemgoer Großmeister ein ungewohntes Gefühl: "Ich weiß nicht, ob ich unterschreiben würde, dass Spieler in meiner Spielstärke generell Sekundanten haben - eigentlich die wenigsten in meiner Spielstärke. Vielleicht haben einige Trainer - aber auch nicht jeder.“ Seit Jahren habe er, über die DSB-Trainingscamp hinaus, kein gezieltes und regelmäßiges Einzeltraining mehr genossen. Nun, beim Kandidatenturnier habe aber jeder der Teilnehmer Sekundanten und Trainer – deshalb sei er froh, hier mithalten zu können. Auch Blübaum war es nun möglich, Trainingscamps abzuhalten – um sich zielgerichtet auf seine Gegner vorzubereiten. Auch in einer mittlerweile recht gläsernen Schachwelt ist das noch eine große Herausforderung, die alleine nicht zu stemmen ist.
Wichtig, zweifellos, auch diese Form der Unterstützung: Der Unternehmer Jan Henrich Buettner stellte für ein längeres Trainingslager sein Gut Weissenhaus an der Ostsee zur Verfügung - zwischen den Einheiten konnte das gesamte Team am fußläufig zu erreichenden Strand auch mal die Seele baumeln lassen. Chessbase gab Blübaum und seinen Sekundanten freien Zugang zum Superrechner für die Vorbereitung - und half auch mit weiteren Chess-Base-Produkten.
Nun will er einfach nur so gut wie möglichen performen, sagt er. Wie schreibt die FIDE so blumig im Vorfeld über die Kandidaten: „Einige qualifizierten sich durch spektakuläre Turniersiege“, wie Blübaum beim Grand Swiss in Samarkand, „andere durch Beständigkeit, doch alle reisen mit einem Ziel nach Zypern: das wichtigste Turnier der Schachwelt zu gewinnen. Das Kandidatenturnier gilt als hartes und forderndes Turnier – vierzehn Runden, keine leichten Gegner, und jeder halbe Punkt kann entscheidend sein.“ Für Blübaum in den Duellen gegen Fabiano Caruana, Anish Giri, Hikaru Nakamura, Praggnanandhaa Rameshbabu, Javokhir Sindarov, Andrey Esipenko und Wei Yi.
Die FIDE sortiert den selbst ernannten Underdog Blübaum (2698 Elopunkte, gemeinsam mit Esipenko Letzter im Ranking) übrigens so ein: Er habe sich im Laufe der Jahre „den Ruf eines der konstantesten und technisch stärksten Spieler Europas erarbeitet. Bekannt für seine umfassende Eröffnungskenntnis und hervorragende Endspieltechnik ist Blübaum zu einer zentralen Figur im deutschen Schach geworden und ein regelmäßiger Teilnehmer auf der internationalen Turnierbühne“. Der zweifache Europameister, nach Robert Hübner und Wolfgang Uhlmann erst der dritte Deutsche, der sich für ein Kandidatenturnier qualifiziert hat, gehe zwar in der Tat als Außenseiter ins Turnier, „doch Spieler, die in langen Schweizer Turnieren erfolgreich sind, schneiden im Kandidatenformat oft überraschend gut ab.“ Womöglich auch dank seines starken Teams und den vielen deutschen Fans, die hinter dem Kandidaten Matthias Blübaum stehen. (mw)
USA
Alter: 39 Jahre
Großmeister
FIDE-Elo 2810
FIDE-Weltrangliste: 2. Platz
Wikipedia
USA
Alter: 33 Jahre
Großmeister
FIDE-Elo 2795
FIDE-Weltrangliste: 3. Platz
Wikipedia
Niederlande
Alter: 31 Jahre
Großmeister
FIDE-Elo 2753
FIDE-Weltrangliste: 8. Platz
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Usbekistan
Alter: 20 Jahre
Großmeister
FIDE-Elo 2745
FIDE-Weltrangliste: 12. Platz
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Indien
Alter: 20 Jahre
Großmeister
FIDE-Elo 2741
FIDE-Weltrangliste: 13. Platz
Wikipedia
Deutschland
Alter: 28 Jahre
Großmeister
FIDE-Elo 2698
FIDE-Weltrangliste: 32. Platz
Wikipedia
Russland
Alter: 24 Jahre
Großmeister
FIDE-Elo 2698
FIDE-Weltrangliste: 33. Platz
Wikipedia
// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 36978