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Foto: Stev Bonhage / Deutscher Schachbund

Gerhard Köhler wird 70: "Ein sehr positiver Mensch."

18. März 2026

Gerhard Köhler (stehend) bei der Senioren-WM 2025 mit seinem Team, hier die GM Artur Jussupow und Rainer Knaak

Großes soziales Engagement, schachlicher und beruflicher Erfolg haben das Leben von Gerhard Köhler geprägt. Er studierte Ökonomie, promovierte, leitete Banken, wurde Unternehmensberater und schließlich Vorstand einer eigenen Firma: ORWO Net. Auch im Schach war er erfolgsverwöhnt. Er spielte in der DDR in der ersten und zweiten Liga, wurde 2016 sogar Amateur-Weltmeister und gewann mit seiner Mannschaft bei Senioren-Welt- und Europameisterschaften (siehe Foto) mehrere Medaillen. Mit der 2016 gegründeten Schachstiftung GK unterstützt er den Schachsport. Heute wird Gerhard Köhler 70 Jahre alt und der DSB gratuliert ihm ebenso herzlich dazu wie ein langjähriger Wegbegleiter den die DSB-Öffentlichkeitsarbeit gebeten hat, eine kleine Laudatio auf Gerhard Köhler zu halten. Ein Mann, der in den letzten Jahren häufig mit Köhler zu tun hatte: Kein Geringerer als Großmeister Artur Jussupow. Die beiden haben schon öfter gegeneinander und miteinander in einem Team gespielt. Und sie haben eines gemeinsam: Die Förderung des Nachwuchses liegt ihnen sehr am Herzen. (fb/mw)

Artur Jussupow über Köhler: Er tut so viel, um den Schachsport noch populärer zu machen.

Hier nun Jussupows Würdigung des Jubilars:

Gerhard Köhler – unsere Wege haben sich ab 2018 zum ersten Mal ernsthaft gekreuzt, als Gerhard mich in sein Team zur Mannschafts-Europameisterschaft in Radebeul eingeladen hat. Gerhard ist ein großer Schachliebhaber - und besonders ein Freund des Blitzschachs. Er ist so begeistert bei der Sache, dass er bereit ist, praktisch ununterbrochen zu spielen. Er ist ein sehr positiver Mensch, der sehr viel dafür tut, um unser Lieblingsspiel noch populärer zu machen.

Obwohl er mit eigenen Projekten sehr ausgelastet ist, insbesondere im Zusammenhang mit dem Schachunterricht in Kindergärten, hat Gerhard eine Möglichkeit gefunden, auch unsere Schachschule Jussupow zu unterstützen. Zunächst unser gemeinsames Projekt mit der Deutschen Schachjugend und dem Deutschen Schachbund zur Vorbereitung von Kindern im Alter unter zehn Jahren auf das Wettkampfschach, später unsere Turniere – wie das Kortschnoi-Memorial, Frauenturniere mit Möglichkeit zur Erfüllung einer FIDE-IM-Norm, sowie Turniere für Menschen mit Behinderungen.

An Gerhard gefällt mir besonders sein Streben nach innerer Harmonie. Er ist ein Mensch, mit dem man einfach gerne beisammen ist – er ist intellektuell ein herausfordernder Gesprächspartner. Mich beeindruckt aber auch, wie sehr er das Schachspiel verbindet mit gesundheitlichen Aspekten. So pflegt er einen sportlichen Lebensstil und schafft es zum Beispiel auch, beim Essen Maß zu halten.

Jetzt haben wir ein gemeinsames Ziel – im April erfolgreich bei der Mannschafts-Weltmeisterschaft der Senioren zu sein. Wir haben bereits mehrere Trainingseinheiten durchgeführt, man sieht also: Wir gehen das gemeinsam so ernsthaft an wie alles, was Gerhard in die Hand nimmt.

Gerhard entwickelt ständig neue Projekte. Kürzlich hat er ein Veteranenturnier für Spieler über 90 Jahre initiiert. Wer weiß, vielleicht wird Gerhard in dreißig Jahren selbst in einem Turnier der über 100-Jährigen antreten. Zumindest habe ich ihm bereits meine Unterstützung bei der Vorbereitung auf diesen Wettbewerb zugesagt. Ich wünsche Gerhard zu seinem 70. Geburtstag alles erdenklich Gute. Lieber Gerhard, mach weiter so – zum Wohle des Schachsports, den wir beide so lieben!

Über Gerhard Köhler

Gerhard Köhler 2014 beim 50. Jubiläum der Marke ORWO

Der gebürtige Ascherslebener Gerhard Köhler erlernte das Schachspiel im Alter von sechs Jahren. Es sollte in den nächsten Jahrzehnten sein Leben prägen und durch seine berufliche Karriere konnte er dem Schachsport viel zurückgeben. Nach dem Abitur begann er an der Handelshochschule Leipzig 1977 ein Studium der Handelsökonomie, das er 1981 als Diplom-Ökonom abschloss. 1984 promovierte er an derselben Hochschule zum Thema "Sozialistische Volkswirtschaft" und war nun Doktor der Ökonomie. Im gleichen Jahr begann er bei der Staatsbank der DDR zu arbeiten. Nach dem Fall der Mauer wechselte er 1990 zur Deutschen Kreditbank. Nach 16 Jahren Banktätigkeit wechselte er 2000 als Finanzvorstand zur PixelNet AG in Wolfen. PixelNet wurde ein Jahr zuvor gegründet - als Nachfolger der 1997 insolvent gegangenen ORWO, der traditionsreichen Filmfabrik der DDR, die kurz vor dem Mauerfall noch 14.500 Beschäftigte hatte.
Doch PixelNet hielt sich gerade einmal drei Jahre auf dem Markt und musste im Juni 2002 Insolvenz anmelden. Köhler, der sich im Januar 2002 als Unternehmensberater selbständig gemacht hatte, erhielt den Auftrag zur Sanierung. Mit Erfolg, denn im November desselben Jahres gründete er die ORWO Net GmbH. Eine Erfolgsgeschichte begann und die Mitarbeiterzahl verzehnfachte sich auf über 300. Köhler begann den Schachsport aktiv zu unterstützen. Aus dem am 22. August 2012 gegründeten Projekt "Mitteldeutschland spielt Schach" entstand ein halbes Jahr später der Verein "Kinderschach in Mitteldeutschland" (seit 2015 "Kinderschach in Deutschland"). Köhler trug maßgeblich zur Vereinsgründung bei und wurde dessen erstes Ehrenmitglied und zugleich Präsident. Mit der 2016 gegründeten Schachstiftung GK gGmbH (das GK steht für Gerhard Köhler) will Köhler Geld aufnehmen, um den Schachsport in der Jugend- und Altenhilfe zu fördern. Finanziell wird nicht nur der Verein "Kinderschach in Deutschland" unterstützt, sondern auch die Mannschaften für Seniorenmeisterschaften. Mit seiner Mannschaft "Lasker Schachstiftung GK" errang Köhler schon mehrere Medaillen bei Mannschaftsweltmeisterschaften der Senioren.

Aus dem operativen Geschäft bei ORWO Net hat sich Köhler 2017 zurückgezogen. Im März 2025 meldete das Unternehmen Insolvenz an. Einige Monate später übernahm die Kölner Customization Group die Firma, mit dem Ziel die Filmtradition in Wolfen fortzusetzen. (fb)

Quellen: ORWO-Net-Historie, Wikipedia Gerhard Köhler, Kinderschach in Deutschland

// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 11722

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