GM Lutz Espig im Gespräch

09.02.2006 16:42
Lutz Espig

Am Rande der deutschen Meisterschaften hatte ich heute mittag Gelegenheit, mit Lutz Espig zu sprechen. Er ist der erfahrenste aller Teilnehmer und wurde dreimal, erstmals 1969 Deutscher Meister. Der stets etwas wortkarg und kautzig, aber sehr liebenswürdig wirkende Großmeister besitzt durchaus eine Menge Humor im Dialog, allzu viel war ihm allerdings nicht zu entlocken. Trotzdem gehört dieses Gespräch zu den besseren, weil besonderen Erfahrungen im Pressegeschäft. Lesen Sie in die präzisen Antworten mal rein:

Was wolln's'n wissen?

Herr Espig, die wievielte deutsche Meisterschaft ist das für Sie?

Die Fünfte.

?!

Seit der Wende.

?! - Und vor der Wende?

21.

Also gesamt 26.

Ja.

Aha.

!?

Sie sind 1969 zum ersten Mal DDR-Meister geworden, dann noch mal 1971 und 1988, das bedeutet, Sie haben lange Zeit auf sehr hohem Niveau gespielt.

Zu lange, scheint vorbei zu sein.

Das glaube ich Ihnen nicht, Herr Espig. Sagen Sie, wenn man so viele Meisterschaften rückwirkend betrachtet, was hat sich geändert?

Naja, vor allem das System. Früher hatten wir ein Rundensystem.

Und wie lange war das so?

Naja, 19 Spieler halt, 20 Runden.

Nein, ich meine zeitlich.

3 Wochen.

Nein, ich meinte BIS wann war das so?

Bis zur Wende.

(...) Hat sich denn inzwischen etwas am Spielstärkeniveau geändert? Empfinden Sie die Meisterschaften heute stärker oder schwächer als zu DDR-Zeiten?

Die Meisterschaften heute sind stärker besetzt.

Was halten Sie von Modus und Austragung?

Das ist in Ordnung, ich bin über einen Freiplatz reingerutscht.

Das Turnier läuft nicht optimal für Sie, woran liegt das?

Ich weiß nicht, mir gelingt hier gar nichts.

Vielleicht ist es Lospech, Sie pendeln zwischen hoffnungsvollen Jungstars und alten Haudegen hin und her.

Naja, was heißt hier Lospech? Ich kann es nicht besser. Ich hatte mir meine letzte Teilnahme auch anders vorgestellt.

Sie spielen zum letzten Mal mit?

Ja.

Warum denn das?

Na weil ich zu alt bin, ich pass da nicht mehr rein.

Wieso das denn? Wenn Sie die Stärke haben, können Sie doch mitspielen.

Ich bin aber nicht stark genug.

Nun hören Sie doch mal auf damit, Herr Espig, ich bitte Sie: Natürlich sind Sie für eine Deutsche Meisterschaft stark genug. Es muss doch einen Unterschied machen, ob man nur mal ein schlechtes Turnier spielt oder tatsächlich die Stärke nicht besitzt. Woran liegt es, an der Konzentration?

Da gibt’s viele Faktoren.

Was würden Sie verändern an den deutschen Meisterschaften, wenn Sie könnten?...

(Pause)

…was könnte man generell besser machen?...

(Pause)

…was wollten Sie schon immer mal los werden?

Die Bedenkzeit. Die war früher besser. Wir hatten zweieinhalb Stunden für 40 Züge. Das war besser. Und die Presse. Es kommt nichts mehr in der Presse. Früher wurde ständig und jeden Tag in der Zeitung drüber berichtet, heute liest man da nichts mehr. Höchstens im Internet. Und dann müsste man ja immer ins Internet gehen, um darüber zu lesen. Und wer macht das schon?

Na, da spielen Sie mir ja einen schönen Ball zu, meine Rede.

Ja.

Und spielen Sie noch aktiv in der Verbandsrunde Ihres Vereins?

Ja.

(Pause)

In Plauen. Wir waren in der Bundesliga und sind abgestiegen. Dann sind wir noch mal abgestiegen. Und jetzt steigen wir selbst aus der Oberliga nicht mehr auf. Und es liegt an mir, denn ich verliere gegen Bindrich.

Naja, da darf man schon mal verlieren.

Nee, darf man nicht.

Herr Espig, vielen Dank für das Interview.

!

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