26. April 2026
Die Saison 2025/26 der Schachbundesliga ist entschieden – und sie fand ihren würdigen Abschluss bei der zentralen Endrunde in Berlin im Willy-Brandt-Haus. Nach einem intensiven Wochenende auf höchstem Niveau steht fest: Der Schachclub Viernheim 1934 e.V. ist Deutscher Meister! Mit 30 Mannschaftspunkten und herausragenden 81,5 Brettpunkten setzte sich Viernheim souverän an die Spitze und krönte eine beeindruckende Saison. Silber sicherte sich die OSG Baden-Baden, Bronze ging an die Schachfreunde Wolfhagen, die gleichzeitig ihren Rücktritt aus der Bundesliga bekanntgaben.
Die Entscheidung fiel in den direkten Duellen der Schlussphase: Viernheim behielt in den entscheidenden Momenten die Nerven, gewann zunächst knapp gegen Wolfhagen und setzte sich in Runde 14 gegen den direkten Verfolger Baden-Baden durch - nach diesem Match waren die Viernheimer schon nicht mehr einzuholen. In der finalen 15. Runde machten die Südhessen den perfekten Abschluss – ein erkämpftes 4,5:3,5 gegen Heimbach-Weis-Neuwied besiegelte den Titelgewinn. Dinara und Dennis Wagner spielten die letzten beiden Partien in diesem Match. Dementsprechend hoch war das Zuschaueraufgebot bei den beiden Partien.
Das direkte Duell um Platz zwei zwischen Baden-Baden und Wolfhagen endete 4:4 – ein hochklassiger Mannschaftskampf mit Weltklassespielern an den Brettern, darunter Viswanathan Anand und Vincent Keymer. Für die Meisterfrage hatte dieses Ergebnis jedoch keinen Einfluss mehr. Eine besondere Wendung gab es dennoch im Nachgang der sportlichen Entscheidung: Trotz des starken dritten Platzes werden sich die Schachfreunde Wolfhagen aus der Bundesliga zurückziehen. Dadurch reduziert sich die Zahl der sportlichen Absteiger – neben Wolfhagen müssen lediglich MSA Zugzwang und der USV TU Dresden den Gang in die 2. Bundesliga antreten. Im erweiterten Spitzenfeld bestätigte der FC Bayern München als Vierter seine starke Saison, während sich dahinter ein dichtes Mittelfeld formierte, angeführt von Deizisau, dem Hamburger SK und Solingen. Die Schachfreunde Berlin konnten durch einen Sieg gegen den SK Kirchweyhe 5.5 zu 2.5 noch knapp vor MSA Zugzwang die Klasse halten.
Neben dem sportlichen Geschehen bot die Endrunde auch abseits der Bretter zahlreiche Highlights. Ein besonderer Programmpunkt war das Politiker- und Prominententurnier, der sogenannte UKA-Cup, der vom Hauptsponsor der Endrunde unterstützt wurde. Mit großer Begeisterung nahmen zahlreiche Gäste aus Politik und Wirtschaft die Gelegenheit wahr, selbst zu den Figuren zu greifen. Unter den Teilnehmern waren unter anderem Gernot Gauglitz, dessen Engagement als Unterstützer der Endrunde maßgeblich zum Gelingen der Veranstaltung beitrug, sowie Richard Lutz, der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bahn. Der UKA-Cup unterstrich einmal mehr die verbindende Kraft des Schachs – als Brücke zwischen Sport, Gesellschaft und Öffentlichkeit. Gleichzeitig war er ein sichtbares Zeichen für die wertvolle Unterstützung durch die UKA, ohne die eine Veranstaltung dieser Größenordnung kaum möglich gewesen wäre. Ein herzlicher Dank gilt daher allen Beteiligten – insbesondere Gernot Gauglitz – für ihr Engagement und ihre Unterstützung dieser gelungenen zentralen Endrunde in Berlin.
| Pl. | Mannschaft | MP | BP | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | SC Viernheim | 30 | 81½ | x | 4½ | 4½ | 5½ | 6 | 6 | 4½ | 5 | 4½ | 6½ | 7 | 5 | 4½ | 5½ | 6½ | 6 |
| 2. | OSG Baden-Baden | 23 | 72 | 3½ | x | 4 | 4 | 4 | 6 | 5 | 5½ | 4½ | 4 | 4½ | 5 | 4 | 7 | 4½ | 6½ |
| 3. | Sfr. Wolfhagen (N) | 23 | 70 | 3½ | 4 | x | 4½ | 3 | 4½ | 4 | 6½ | 4½ | 5 | 4 | 5 | 4½ | 6 | 5½ | 5½ |
| 4. | FC Bayern München | 18 | 66 | 2½ | 4 | 3½ | x | 6 | 4 | 4 | 3½ | 4 | 4 | 4 | 6½ | 4½ | 5 | 4½ | 6 |
| 5. | Schachfreunde Deizisau | 16 | 60½ | 2 | 4 | 5 | 2 | x | 3½ | 5 | 4 | 4 | 4½ | 5 | 3½ | 4 | 3½ | 6 | 4½ |
| 6. | Hamburger SK | 15 | 60½ | 2 | 2 | 3½ | 4 | 4½ | x | 4 | 4 | 4 | 3½ | 5 | 7 | 3½ | 4 | 4½ | 5 |
| 7. | SG Solingen | 15 | 60 | 3½ | 3 | 4 | 4 | 3 | 4 | x | 4 | 3½ | 4 | 4½ | 2 | 4½ | 5 | 4½ | 6½ |
| 8. | SV Werder Bremen | 15 | 56½ | 3 | 2½ | 1½ | 4½ | 4 | 4 | 4 | x | 3½ | 5½ | 4½ | 4½ | 2½ | 5 | 4½ | 3 |
| 9. | SK Kirchweyhe | 14 | 59 | 3½ | 3½ | 3½ | 4 | 4 | 4 | 4½ | 4½ | x | 4 | 3 | 3½ | 4½ | 2½ | 4½ | 5½ |
| 10. | Düsseldorfer SK (M) | 14 | 58 | 1½ | 4 | 3 | 4 | 3½ | 4½ | 4 | 2½ | 4 | x | 4½ | 3½ | 6 | 3 | 4½ | 5½ |
| 11. | SV Deggendorf | 13 | 57½ | 1 | 3½ | 4 | 4 | 3 | 3 | 3½ | 3½ | 5 | 3½ | x | 5 | 4½ | 4½ | 4 | 5½ |
| 12. | FC St. Pauli | 13 | 54 | 3 | 3 | 3 | 1½ | 4½ | 1 | 6 | 3½ | 4½ | 4½ | 3 | x | 5 | 4½ | 3 | 4 |
| 13. | SC Heimbach-Weis-Neuwied | 9 | 55½ | 3½ | 4 | 3½ | 3½ | 4 | 4½ | 3½ | 5½ | 3½ | 2 | 3½ | 3 | x | 4½ | 4 | 3 |
| 14. | SF Berlin (N) | 9 | 52 | 2½ | 1 | 2 | 3 | 4½ | 4 | 3 | 3 | 5½ | 5 | 3½ | 3½ | 3½ | x | 4 | 4 |
| 15. | MSA Zugzwang (N) | 7 | 52 | 1½ | 3½ | 2½ | 3½ | 2 | 3½ | 3½ | 3½ | 3½ | 3½ | 4 | 5 | 4 | 4 | x | 4½ |
| 16. | USV TU Dresden | 6 | 45 | 2 | 1½ | 2½ | 2 | 3½ | 3 | 1½ | 5 | 2½ | 2½ | 2½ | 4 | 5 | 4 | 3½ | x |
Zeitgleich zur 14. Runde der zentralen Bundesliga-Endrunde wurde am Samstag ein besonderes Jubiläum gefeiert: 125 Jahre Berliner Schachverband. Seit seiner Gründung am 26. April 1901 steht der Verband für eine ebenso lange wie bewegte Geschichte, die im Rahmen einer festlichen Veranstaltung eindrucksvoll gewürdigt wurde. Den Auftakt der Zeitreise durch die Geschichte des Berliner Schachs gestaltete Ehrenpräsident Gerhardt Mietzelfeldt, der in seiner Festrede zentrale Entwicklungen und prägende Momente des Verbandes beleuchtete - dabei ging die Reise vor der Wende los und endete bei der Erklärung, wie das alles in den heuteigen Tag mündete: Nur durch viele geführte Kämpfe kann am heutigen Tag die zentrale Bundesliga-Endrunde im Willy-Brandt-Haus, organisiert von den Schachfreunden Berlin, stattfinden. Und darauf ist Mietzelfeldt enorm stolz. Sein Rede sollte eigentlich "nur" 15 Minuten gehen. Nach einer knappen Stunde hörte er mit den stolzen Worten auf: "Ich hätte locker noch drei weitere Stunden reden können." Den Schlusspunkt setzten schließlich seine Amtsnachfolger Carsten Schmidt und Matthias Kribben, die mit ihren Reden den Bogen in die Gegenwart spannten und die Bedeutung des Verbandes für das heutige Schachleben unterstrichen. Gemeinsam entstand so ein lebendiges Panorama – von den Anfängen bis hin zur Rolle des Berliner Schachverbandes als einer der prägendsten Landesverbände in Deutschland.
Gäste aus Sport, Politik und Schach richteten Grußworte an die Anwesenden. Sophie Lehsnau, Vizepräsidentin des Landessportbundes Berlin, hob insbesondere die nachhaltige Nachwuchsarbeit hervor: „Der BSV macht eine super Arbeit an Schulen. Das können wir statistisch beobachten. Herzlichen Dank. Das ist wie überall im Sport – nichts ist möglich ohne das Ehrenamt. Das ist also nicht hoch genug zu schätzen!“ Gleichzeitig würdigte sie das Engagement der Verantwortlichen: „Sechs Jahre macht Paul Meyer-Dunker hier jetzt schon ehrenamtlich den Präsidenten. Auch bei uns im Landessportbund ist er ganz aktiv dabei und zwar im Landesausschuss für Vereinsentwicklung. Super, dass der Schachbund auch mit Carsten Schmidt noch im Landesausschuss Ausbildung vertreten ist. Weil ich kenne viele von unseren 80 Verbänden, die in gar keinem Landesausschuss vertreten sind.“
Für die Emanuel Lasker Gesellschaft sprach deren Vorsitzender Thomas Weischede und betonte die enge Verbindung von Schachkultur und -sport: „Wir werden in diesem Jahr 25 Jahre. Das ist ein ganz besonderer Anlass eine Person zu ehren, die auch mit Deutschland sehr eng verbunden ist.“ Zugleich unterstrich er die gewachsene Partnerschaft: „Wir verstehen uns als Bindeglied zwischen dem Schachsport und der Schachkultur und versuchen die beiden Pole zusammenzubringen und natürlich sind wir als Berliner Gesellschaft auch eng mit dem Berliner Schachverband verbunden, mit dem wir seit Ewigkeiten zusammenarbeiten.“ Im Mittelpunkt dieser Ehrung stand zu ehrende Großmeister - Peter Leko. „Das Geschenk ist eine ganz besondere Ehrung für einen genialen Schachspieler, hervorragenden Kommentator und einem wirklichen Schachfreund“, hieß es in der Laudatio anlässlich der Verleihung des Lasker-Awards. Leko selbst sorgte anschließend für ein paar emotionale Worte. Mit großer Offenheit sprach er über seinen eigenen Werdegang: „Die Unterstützung für meine Schachentwicklung, die ich in meinem Leben bekommen habe kam aus Deutschland. Das ist ein extremes Gefühl was ich in mir trage – diese Dankbarkeit dafür. Ich denke, dass ich jüngster Großmeister dank Deutschland geworden bin – dank der Unterstützung in 1994.“ Ebenso eindrucksvoll schilderte er seine erste Begegnung mit einem jungen Talent, das später zur deutschen Nummer eins werden sollte: „Es war bei der Jugend-WM. Es war kurz vor Mitternacht und ich habe dem 13-jährigen Vincent gesagt, er solle mir eine seiner Partien zeigen. Und dann folgte eine Erklärung von Vincent mit so einer Intensität, was er gefühlt, wie er gedacht und was er erlebt hat während der Partie. Wow. Für mich war das ausschlaggebend. Dann sagte ich zu Vincent er solle schlafen gehen und sich ausruhen, morgen fängt das Turnier schließlich erst an. Aber dann habe ich meine Frau angerufen und ihr gesagt, dass ich mir sehr sicher bin: dass mit Vincent noch eine laaange, lange Zusammenarbeit wird!“ Und tatsächlich sollte sich diese Einschätzung bewahrheiten: Peter Leko wurde zum langjährigen Trainer von Vincent Keymer.
Weitere Grußworte kamen unter anderem von Jürgen Klüners, Vizepräsident des Deutschen Schachbundes, sowie den Landespräsidenten Ingo Thorn (Bayern), Michael S. Langer (Niedersachsen) und Michael Fuhr (Brandenburg). Auch der Journalist Hajo Seppelt, Sohn des verstorbenen Ehrenpräsidenten Alfred Seppelt, würdigte die Bedeutung des Verbandes und seiner prägenden Persönlichkeiten. Einen unterhaltsamen Schlusspunkt setzte das Jubiläumsquiz, das Nikola Franić, Geschäftsführer der Deutschen Schachjugend, für sich entscheiden konnte. Als Preis erhielt er den „Schachbooster“ von Michael Busse. So verband die Feier auf gelungene Weise Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Berliner Schachverbandes – und machte deutlich, dass 125 Jahre nicht nur Anlass zum Rückblick sind, sondern zugleich Auftrag für die kommenden Generationen.
Herzlichen Glückwunsch an den Deutschen Meister SC Viernheim – und an alle, die dieses Schachwochenende zu einem besonderen Erlebnis gemacht haben! (fe)
DSB-Ergebnisdienst Bundesliga | Partien: Lichess, Chess
// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 37009