22. April 2026
Mit seinem Medienteam und seiner professionellen Live-Übertragung samt Kommentierung (am Wochenende auch über SchachdeutschlandTV abrufbar) wird der SC Viernheim auch in diesem Jahr wieder die Bundesliga-Endrunde (von Freitag, 17. April bis Sonntag, 19. April) begleiten. Aber das ist nur die eine Seite dieses lebendigen Vereins, der im Willy-Brandt-Haus in Berlin nach dem zweiten Meistertitel nach 2024 greift. Der Vorsprung beträgt drei Mannschaftspunkte - somit könnte das Ensemble aus Südhessen also schon am Samstag, trotz ebenfalls siegreicher Konkurrenz, den Titelgewinn feiern. Doch davon will Stefan Martin, der Vorsitzende des Vereins, im Gespräch mit Matthias Wolf noch nichts wissen. Viele lieber sprach er über Vierheims Erfolgsrezept - und die Lage der Liga, die wieder einmal unter einem Team-Rückzug leidet.
Stefan, steht der Schampus schon kalt?
(lacht) Fangfrage. Nein, der steht noch nicht kalt. Wir denken von Runde zu Runde.
Drei Mannschaftspunkte seid Ihr vorne - der Vorsprung scheint für die Konkurrenz uneinholbar. Glaubst Du bereits fest an den großen Wurf - oder hältst Du es mit den Springern, pardon Pferden, die vor der Apotheke...
Ja, schon eher letzteres. Ich glaube an unser Team, aber: Wir sind noch nicht durch. Es kann viel passieren. Probleme bei der Anreise von Spielern, wie gerade bei der Frauen-Bundesliga-Endrunde zu beobachten; oder Spieler werden krank – das ist alles schon passiert. Und es kann am Brett immer zu Einstellern kommen. Wir brauchen den Fokus auf die Partien, noch ist hier gar nichts entschieden.
Aber eine Frage darf man schon stellen, egal wie es ausgeht: Was sind die Gründe für diese erfolgreiche Saison des SC Viernheim?
Ich denke, wir dürfen von einer gewissen Konstanz sprechen. Vor zwei Jahren haben wir den Titel geholt, letzte Saison haben wir ihn nur knapp verpasst, weil wir bei der Niederlage in Hamburg Personalprobleme hatten – aber auch diese vergangene Saison war im Grunde: exzellent. Ich denke, wir sind mittlerweile immer Mitfavorit, eine Meisterschaft für Viernheim ist keine Sensation mehr. So eine starke Saison haben uns tatsächlich einige im Verein und Beobachter von außen zugetraut – und wir uns auch.
Was macht Ihr besser als die Konkurrenz? Geld haben ja einige andere vermutlich mehr...
Ich spreche über uns. Wir haben jetzt dreimal hintereinander Baden-Baden besiegt, sind dreimal vor Baden-Baden gelandet. Wir sind kein Underdog, sondern etabliert im Spitzenbereich. Und dafür gibt es in der Tat einige Gründe. Ich denke, wir gehen das professionell-familiär an.
Es ist immer viel die Rede vom Teamgeist und guten Vereinsklima beim SC Viernheim. Wie hoch ist dieser Faktor auch in der Bundesliga zu bewerten?
Wir bewerten ihn als sehr hoch. Klar, Schach ist ein Einzelsport – aber die Bundesliga eben auch Mannschaftssport. Wenn sich alle acht Spieler mit dem Team und dem Verein identifizieren, dann hat das einen anderen Effekt als wenn die nur als Einzelpersonen für ihre Partien anreisen - und sofort wieder abhauen. Bei uns gibt es Teamgeist. Und wir suchen die Spieler auch nach Teamfähigkeit aus.
Wie muss ich mir das vorstellen? Gibt es vorher Videogespräche, in denen ein Charaktertest gemacht wird?
Das ist kein Standard, aber das haben wir auch schon gemacht. Nein, man hört sich in der Szene um, wir haben da unsere Quellen: andere Spieler, Offizielle. Man macht sich ein Bild, wie der Spieler tickt. Bei uns sind so richtige Freundesgruppen entstanden, auch gemeinsame Trainingsgruppen. Und ja, wir haben auch schon Spieler, die wir eigentlich holen wollten weggelassen – weil das Bild, das wir uns im Vorfeld von ihnen gemacht haben, nicht unseren Vorstellungen entsprochen hat. Als Verein tun wir zudem sehr viel in Sachen Teambuilding.
Was genau?
Es gibt einen regen Austausch über die gemeinsame Chatgruppe, für uns ist ein Team-Essen nach jeder Runde selbstverständlich. Wir waren auch schon mit 25 Leuten in einem Gourmet-Restaurant in Mannheim – einfach für einen Teamabend außerhalb der Reihe. Außerdem sorgen wir dafür, dass sich die Spieler komplett auf Schach konzentrieren können. Alles ist organisiert, von der Anreise bis zum letzten Moment, in dem sie ans Brett gehen. Easy Going für die Profis. Das geht bis hin zum Weckdienst.
Wie bitte?
Ja, ich habe auch schon persönlich Spieler vor dem Kampf aufgeweckt. Das sind Schachspieler, die trainieren nachts und brauchen das manchmal. (lacht) Wobei ich sagen muss: Unsere Spieler sind sehr gut organisiert, was man vor allem an deren Reiseplanung sieht. Die kommen selbständig von A nach B, fliegen weiter zu C oder D – das machen die im Sinne von Synergien sehr gut.
Es wäre der zweite Titel nach 2024. Was würde Dir und dem Verein diese zweite Meisterschaft bedeuten?
Sehr viel. Das ist eine schöne Anerkennung für alle, die bei uns im Verein mit anpacken. Und es ist ein Dankeschön an die Stadt Viernheim, die uns mit der Spielstätte Bürgerheim super unterstützt. Im Gegenzug machen wir Viernheim weit über die Grenzen hinaus bekannt. Das geht teilweise bis ins Ausland. Neulich hat eines unserer Vereinsmitglieder spontan den Spielabend eines Vereins in Budapest besucht. Als er gefragt wurde, wo er herkommt, hieß es gleich: „Ach, Viernheim. Bundesliga.“
Eine Besonderheit beim SC Viernheim: Ihr seid der einzige Verein, der mit Dinara Wagner eine Frau regelmäßig einsetzt. Sie hat sich dieser Tage für dieses Vertrauen bedankt – und gibt auch einiges zurück: drei Punkte aus fünf Partien, keine Niederlage.
Ja, und dafür möchten wir auch ihr danken. Dinara spielt eine starke Saison. Für uns ist das aber auch ein Zeichen: Wir wollen gerne ehrgeizigen Frauen eine Chance geben. Frauen verbessern das Teamklima, ihre Anwesenheit verhindert jegliche Aggression. Wir sind ein Verein, der hier einfach weiterdenkt – und ich persönlich warte und freue mich schon auf den Tag, an dem die Autogrammjägerinnen ans Brett von Dinara kommen. Ich denke, sie wird eine sehr gute Entwicklung nehmen als deutsche Spitzenspielerin.
Wolfhagen zieht sich aus der Bundesliga zurück, nach nur einem Jahr. Was sagst Du dazu?
Ich finde das schade. Mehr noch: Das schadet der Bundesliga. Aber das ist genau der Aspekt, den ich häufig angesprochen habe. Wir brauchen ein Zulassungsverfahren und müssen das weiter nach vorne treiben. Derzeit ist es ja noch in den Arbeitsgruppen der Bundesliga, die am Zulassungsverfahren arbeiten. Wir wollen Vereine in der Bundesliga, die stabil sind, die sich auch um Jugend- und Breitenschach kümmern. Dafür muss es eine Art Punktesystem geben. Und wer eben nicht auf die nötigen Punkte kommt, kann auch nicht Bundesliga spielen. Meines Wissens machen die in Wolfhagen keine Jugendarbeit. Und sowas ist äußerst problematisch. Denn solche Vereine sind instabil, wie man jetzt einmal mehr gesehen hat.
Dafür wird Dir in Sachen Professionalität zweifellos die Spielstätte in Berlin gefallen…
…ja, das macht einen Top-Eindruck. Die Schachfreunde Berlin und der Berliner Schachverband haben sich große Mühe gegeben, die Endrunde zu einem Event zu machen – das finde ich gut. Ich war noch nie da, freue mich aber auf das Willy-Brandt-Haus.
Und habt Ihr in Berlin auch schon was gebucht für die Meisterfeier?
(lacht) Schon wieder eine Fangfrage. Wir haben für jeden Abend ein Restaurant für unser Teamessen gebucht – auch noch für den Sonntag. Es bleibt dabei: Bei uns wird nicht sofort abgereist. Und wenn es dann was zu feiern gibt, dann findet das in diesem Lokal statt.
| Pl. | Mannschaft | MP | BP | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | SC Viernheim | 24 | 68 | x | 5½ | 5 | 5 | 4½ | 6½ | 4½ | 7 | 6 | 6 | 6½ | 5½ | 6 | |||
| 2. | OSG Baden-Baden | 21 | 60½ | x | 4 | 5 | 5½ | 5 | 4 | 4½ | 4½ | 4 | 6 | 4½ | 7 | 6½ | |||
| 3. | Sfr. Wolfhagen (N) | 20 | 58 | x | 4½ | 5 | 6½ | 4 | 5 | 4½ | 4 | 3 | 4½ | 5½ | 6 | 5½ | |||
| 4. | FC Bayern München | 14 | 51½ | 2½ | 4 | 3½ | x | 3½ | 4 | 4 | 4 | 6 | 4½ | 4½ | 5 | 6 | |||
| 5. | FC St. Pauli | 13 | 48½ | 3 | 3 | 3 | x | 3½ | 6 | 4½ | 4½ | 4½ | 5 | 3 | 4½ | 4 | |||
| 6. | SV Werder Bremen | 13 | 45 | 3 | 2½ | 1½ | 4½ | 4½ | x | 4 | 5½ | 4½ | 4 | 4 | 2½ | 4½ | |||
| 7. | SG Solingen | 12 | 48½ | 3½ | 3 | 4 | 4 | 2 | 4 | x | 3½ | 4½ | 4 | 4½ | 5 | 6½ | |||
| 8. | Düsseldorfer SK (M) | 11 | 46 | 1½ | 4 | 3 | 4 | 3½ | 2½ | x | 4 | 4½ | 4½ | 6 | 3 | 5½ | |||
| 9. | SK Kirchweyhe | 10 | 46½ | 3½ | 3½ | 3½ | 4 | 3½ | 4½ | 4 | x | 3 | 4 | 4 | 4½ | 4½ | |||
| 10. | SV Deggendorf | 10 | 45½ | 1 | 3½ | 4 | 3½ | 3½ | 3½ | 5 | x | 3 | 4½ | 4 | 4½ | 5½ | |||
| 11. | Schachfreunde Deizisau | 10 | 45 | 2 | 4 | 5 | 2 | 3½ | 4 | 4 | 5 | x | 3½ | 4 | 3½ | 4½ | |||
| 12. | Hamburger SK | 10 | 44½ | 2 | 2 | 3½ | 4 | 4 | 3½ | 4 | 4½ | x | 3½ | 4½ | 4 | 5 | |||
| 13. | SC Heimbach-Weis-Neuwied | 8 | 44½ | 3½ | 3 | 5½ | 3½ | 2 | 3½ | 3½ | 4 | 4½ | x | 4 | 4½ | 3 | |||
| 14. | MSA Zugzwang (N) | 7 | 43 | 1½ | 3½ | 2½ | 3½ | 5 | 3½ | 3½ | 4 | 3½ | 4 | x | 4 | 4½ | |||
| 15. | SF Berlin (N) | 6 | 39½ | 2½ | 1 | 2 | 3 | 3½ | 3 | 5 | 3½ | 4½ | 4 | 3½ | 4 | x | |||
| 16. | USV TU Dresden | 3 | 33½ | 2 | 1½ | 2½ | 2 | 4 | 1½ | 2½ | 2½ | 3½ | 3 | 5 | 3½ | x |
| Tag | Datum | Uhrzeit | Mannschaft | − | Mannschaft | Schiedsrichter/-in |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Fr | 24.04.26 | 16:00 | SG Solingen | − | Düsseldorfer SK | ISR Brigitte Große-Honebrink |
| Fr | 24.04.26 | 16:00 | SV Werder Bremen | − | SK Kirchweyhe | ISR Bernhard Riess |
| Fr | 24.04.26 | 16:00 | SC Viernheim | − | Sfr. Wolfhagen | ISR Matthias Bandlow |
| Fr | 24.04.26 | 16:00 | Hamburger SK | − | FC St. Pauli | FSR Robert Radke |
| Fr | 24.04.26 | 16:00 | SC Heimbach-Weis-Neuwied | − | OSG Baden-Baden | NSR Dr. Rene-Reiner Starke |
| Fr | 24.04.26 | 16:00 | SF Berlin | − | USV TU Dresden | ISR Michael Rütten |
| Fr | 24.04.26 | 16:00 | Schachfreunde Deizisau | − | MSA Zugzwang | ISR Matthias Bandlow |
| Fr | 24.04.26 | 16:00 | FC Bayern München | − | SV Deggendorf | FSR Robert Radke |
| Sa | 25.04.26 | 14:00 | Hamburger SK | − | FC Bayern München | NSR Dr. Rene-Reiner Starke |
| Sa | 25.04.26 | 14:00 | FC St. Pauli | − | SV Deggendorf | ISR Bernhard Riess |
| Sa | 25.04.26 | 14:00 | OSG Baden-Baden | − | SC Viernheim | ISR Michael Rütten |
| Sa | 25.04.26 | 14:00 | SC Heimbach-Weis-Neuwied | − | Sfr. Wolfhagen | FSR Robert Radke |
| Sa | 25.04.26 | 14:00 | USV TU Dresden | − | SV Werder Bremen | ISR Bernhard Riess |
| Sa | 25.04.26 | 14:00 | SF Berlin | − | SK Kirchweyhe | ISR Matthias Bandlow |
| Sa | 25.04.26 | 14:00 | Schachfreunde Deizisau | − | Düsseldorfer SK | FSR Robert Radke |
| Sa | 25.04.26 | 14:00 | MSA Zugzwang | − | SG Solingen | ISR Brigitte Große-Honebrink |
| So | 26.04.26 | 10:00 | FC Bayern München | − | FC St. Pauli | NSR Dr. Rene-Reiner Starke |
| So | 26.04.26 | 10:00 | SV Deggendorf | − | Hamburger SK | ISR Bernhard Riess |
| So | 26.04.26 | 10:00 | SC Viernheim | − | SC Heimbach-Weis-Neuwied | ISR Matthias Bandlow |
| So | 26.04.26 | 10:00 | Sfr. Wolfhagen | − | OSG Baden-Baden | ISR Michael Rütten |
| So | 26.04.26 | 10:00 | SV Werder Bremen | − | SF Berlin | ISR Bernhard Riess |
| So | 26.04.26 | 10:00 | SK Kirchweyhe | − | USV TU Dresden | FSR Robert Radke |
| So | 26.04.26 | 10:00 | Düsseldorfer SK | − | MSA Zugzwang | ISR Brigitte Große-Honebrink |
| So | 26.04.26 | 10:00 | SG Solingen | − | Schachfreunde Deizisau | ISR Matthias Bandlow |
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