Interview mit der Olympionikin Tatjana Melamed

30.06.2014 10:58
Hans-Dieter Post
Tatjana Melamed

In 33 Tagen beginnt in Tromsø (Norwegen) die Schacholympiade. Fünf Frauen und fünf Männer hat Bundestrainer Dorian Rogozenco dafür am 8. April nominiert. Wir stellten den zehn Olympioniken einige Fragen. Nach Elisabeth Pähtz stillt nun Tatjana Melamed den Wissensdurst unserer Leser.

Du bist die Landestrainerin von Sachsen-Anhalt. Wie viel Zeit lässt dieser Beruf für Dein eigenes Schach?

Nicht sehr viel, obwohl ich mich intensiv mit Schach beschäftige, bei der Vorbereitung des Trainings. Ich versuche alle Aufgaben selbst zu lösen, die ich Kindern als Hauptaufgabe mitgebe.

In wenigen Wochen beginnt die Schacholympiade. Welche Erwartungen hast Du an das Abschneiden der deutschen Frauenmannschaft?

Ich mache mir darüber keine Gedanken. Das ist, denke ich, das Beste. Ich hoffe, selbst gutes Schach zu spielen. Es müssen so viele Faktoren zusammen passen, damit ein guter Lauf gelingt.

Hast Du einen speziellen Trainingsplan zur Vorbereitung auf der Olympiade? Wenn ja, wie sieht der aus?

Ich beschäftige mich intensiv mit den Eröffnungen und versuche mehr an meiner Rechenkraft zu arbeiten, außerdem habe ich ein Turnier vor Kurzem gespielt.

Welche Mannschaften sind aus Deiner Sicht die Favoriten auf den Olympiasieg in Tromsø?

China, Russland (wenn Lagno endgültig gewechselt ist), Ukraine mit beiden Musitschuk's. Anna Musitschuk ist zurück in die Ukraine gewechselt.

Die Schacholympiade ist das Highlight des Schachjahres. Viele deutsche Schachliebhaber werden dieses grosse Event intensiv verfolgen. Inwiefern kriegt man während so eines anstrengenden Turniers diese Unterstützung mit?

Ich persönlich bekomme SMS, Nachrichten per Skype, WhatsApp. Ansonsten versuche ich mich auf Schach zu konzentrieren und keine Berichte im Internet zu lesen.

Magnus Carlsen, der in Tromsø die norwegische Mannschaft anführen wird, ist vor Kurzem auch Schnell- und Blitzschach-Weltmeister geworden. Wie erklärst Du seine unangefochtene Dominanz und was muss Anand bei der kommenden WM in Chanty-Mansijsk tun, um eine realistische Chance auf den Titel zu haben?

Eine schwierige Frage… Ich habe große Respekt vor Anand, er ist ein fantastischer Schachspieler und mir sehr sympathisch, da er ein ruhiger Typ ist. Leider ist seine Zeit vorbei. Alles hat seine Zeit… Magnus ist jung und talentiert, jetzt ist seine Zeit. Anand soll einfach spielen so gut er kann und das Match genießen.

Was sich z.B. Anand gegen Andrejkin beim Kandidaten-Turnier erlaubt hat, wird sich Magnus nie erlauben… Er würde die Partie ausspielen, Risiko angehen und gewinnen. Ich denke so kann man seine Dominanz erklären, mit seinem unglaublichen Willen, jede Partie zu gewinnen.

Die Fragen stellte Jonathan Carlstedt.

Frank Hoppe

// Archiv: DSB-Nachrichten - Allgemein (Startseite) // ID 9896

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