23. September 2025
Sportlich läuft es unspektakulär, man könnte auch sagen: ernüchternd. Paul David Peglau vom Schachzentrum Seeblick ragt aus der deutschen Riege heraus. Er kratzt im U12 Open mit drei Punkten aus vier Partien zumindest an den Top Ten. „Paul David ist insgesamt auf einem sehr guten Weg“, sagt Bundesnachwuchstrainer IM Bernd Vökler. Andere, so Vökler, würden „kräftig Lehrgeld zahlen“, weil sie nicht erwartet hätten auf so starke Gegner zu treffen. Beispiel David Kovacs in der U8 – laut Elo-Liste an Nummer vier gesetzt, aktuell auf Rang 139. Es bewahrheite sich, so Bernd Vökler, was er im Vorfeld der Kadetten-WM U 8 bis U12 in Almaty prognostiziert habe: Elo-Zahlen, teilweise sogar bei null, sind Schall und Rauch, wenn die Spielerinnen und Spieler aus Ländern kommen, wo die Turniere nur rudimentär erfasst werden. Man könnte, in Anlehnung an Michael Endes literarische Figur des Scheinriesen von Elo-Scheinzwergen sprechen. Wird der Scheinriese immer kleiner, je näher er kommt - so wird der Scheinzwerg immer größer, je näher er auf dem Brett vorrückt. So verbieten sich vermutlich – wie erwartet - Medaillenträume für die neunköpfige DSB-Equipe. Aber die Talente erleben trotzdem sehr viel, wie aus dem Bericht von Delegationsleiter FM Hendrik Hoffmann hervorgeht:
Salem Germany! Grüße aus Kasachstan. Am 17./18.9. startete dann also für die neun Teilnehmer plus Begleiter die lange Reise nach Almaty – so mancher war 15 Stunden unterwegs. Nach dem Einchecken und dem nötigen Ausschlafen war Zeit für einen ersten Ausflug auf die breiten Straßen der mit etwa zwei Millionen Einwohnern größten Stadt Kasachstans.
Der Freitag markierte den eigentlichen Beginn der Weltmeisterschaften. Die Eröffnungsveranstaltung von etwa 35 Minuten Dauer enthielt zwar auch die üblichen Bestandteile (Begrüßung, Reden, kulturelle Darbietungen, feierliche erste Züge), wurde aber vor allem von einem interessanten Einstiegsvideo gekennzeichnet.
Die ersten beiden Runden brachte immerhin Sara Vignesh und Hugó Keleti einen Doppelpunkt. Runde drei sorgte dann für den Aufreger der WM – die DSB-Delegation hofft, dass es in dieser Größenordnung der einzige bleibt. Eine Erdbebenwarnung ließ nach etwa 100 Minuten Spielzeit (nur wenige Partien waren bereits beendet) alle Handys erschallen. Die Spielsäle wurden geräumt, alle Spielerinnen und Spieler strömten nach draußen. Nach 20 Minuten wurde Entwarnung gegeben - und die Spieler wieder in die Spielbereiche geschickt. Ein paar Minuten später wurde dann bekanntgegeben, dass die nicht beendeten Partien allesamt von vorne beginnen sollten - und kurze Zeit später ging Runde drei, zweiter Teil los. Natürlich hatte diese Entscheidung jede Menge Folgen - und zog reihenweise Proteste mit diversen Forderungen nach sich: Weiterspielen ab Abbruchposition (im Übrigen die FIDE-Regel), Annullierung der gesamten Runde drei und wahlweise Verkürzung auf zehn Runden oder Streichung des spielfreien Tages. Es gab vielfältige Diskussionen, doch letztlich wurde durch das Schiedsgericht die Entscheidung des Hauptschiedsrichters bestätigt. Hierzu hat das Portal "Perlen vom Bodensee" einen sehr guten Beitrag veröffentlicht.
Für die folgende vierte Runde galt es, wieder zurück zum Normalmodus zu finden, was im Großen und Ganzen gelang. Allerdings nicht jedem. Worauf der Gegner von Alexander Subenko (U8) in dieser Stellung hoffte, ist sicher nicht schwer zu erraten ...
Am gestrigen Montag gab es dann ein weiteres, nicht alltägliches Erlebnis für die deutsche Delegation - diesmal aber positiver Natur: Der deutsche Generalkonsul in Almaty, Matthias Kiesler, hatte zu einem kleinen Empfang in seine Residenz geladen. Bei kurzweiligen Gesprächen und leckeren Snacks verging die Zeit leider viel zu schnell. (hh/mw)
// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 36793