27. August 2025
Gleich nach dem Trainingslager in Kienbaum ging es für GM Péter Lékó in den Urlaub. Mit einem guten Gefühl für die Form seines Schützlings GM Vincent Keymer, den er seit 2017 trainiert, und die anderen Mitglieder des DSB-Kaders. „Die deutsche Nationalmannschaft hat einen fantastischen Teamgeist“, sagte er, „und die Jungs sind auf einem sehr hohen Niveau.“ Diese beiden Faktoren seien natürlich auch bei der Konkurrenz bekannt. Soll heißen: Der Ungar Lékó, selbst viele Jahre ein Top-Ten-Spieler und heute ein renommierter Trainer und Kommentator, ist frohen Mutes mit Blick auf die Team-EM in Batumi. Aber davor stehe ja noch ein anderes Highlight an: Der FIDE Grand Swiss vom 2. bis 16. September in Samarkand. Auch darauf habe er alle vorbereitet.
Er habe also nicht speziell auf Batumi hintrainiert, da sei seine Philosophie eine andere. „In einer Woche Training wird man nicht zu besseren Schachspieler.“ Aber er habe „auf Intensität“ trainiert, wie er es nennt. Lange Turniere, wie jetzt der Grand Swiss, aber auch die EM, seien sehr kräftezehrend: „Ich bin der Meinung, man sollte sich als Spieler an große Anstrengungen gewöhnen – das passiert beim Training“, so Lékó, „um lange Turniere - inklusive Vorbereitung sind acht bis zehn Stunden pro Tag keine Seltenheit – zehn bis 14 Tage lang durchziehen zu können.“ Es gehe also darum, „das eigene Limit zu testen und die Inspiration und den Schwung des gemeinsamen Trainings für die Zukunft mitzunehmen“.
Erstmal mit nach Usbekistan. Hier werden neben Keymer auch GM Matthias Blübaum, GM Frederik Svane, GM Dmitrij Kollars, GM Rasmus Svane, GM Dennis Wagner und GM Alexander Donchenko starten. Bei den Frauen ist IM Dinara Wagner unter deutscher Flagge dabei. Und, ganz nebenbei: Auch zwei deutsche Schiedsrichter sind dabei, was die Freude beim DSB noch größer macht. Jens Wolter, als stellvertretender Hauptschiedsrichter, und DSB-Vizepräsident Jürgen Klüners.
„Das ist eines der wichtigsten Turniere“, so Péter Lékó vor dem alle zwei Jahre stattfindenden Grand Swiss, „in diesem Format kriegen die Top-100-Spieler die Chance, sich miteinander zu messen. Für Topspieler geht es um die Qualifikation fürs Kandidatenturnier. Aber ansonsten steht auch viel auf dem Spiel. Super Preise und die große Chance, sich international einen Namen zu machen.“ Beide Turniere sind Teil der Qualifikation für den Weltmeisterschaftszyklus. Die beiden besten Spieler des offenen Turniers, wo es nur so vor 2700er-Elo-Akteuren wimmelt, qualifizieren sich für das Kandidatenturnier 2026 - und die beiden besten Spielerinnen des Women’s Grand Swiss für das Kandidatenturnier der Frauen 2026. Das Gesamtpreisgeld beträgt 855.000 US-Dollar, davon 625.000 US-Dollar beim Grand Swiss und 230.000 US-Dollar beim Women’s Grand Swiss.
Zurück nach Kienbaum. Um zwei Teilnehmer habe er sich dabei ein bisschen Sorgen gemacht, sagt Péter Lékó. Letztlich unbegründet. IM Marius Deuer und der frischgebackene GM Leonardo Costa, zwei Top-Talente, bei denen er sich im Vorfeld nicht sicher war, wie sie mit der Situation zurechtkommen würden. Lékó, mit einem Lächeln: „Mein Trainingsmaterial ist schon so ausgerichtet, dass es Vincent auch ins Schwitzen bringen muss - also die Herausforderungen waren groß. Umso mehr freut es mich, dass sie beide es sehr gut gemeistert haben und bin mir sicher, dass sie für die Zukunft sehr viel davon profitieren werden.“
Ganz nebenbei sei der gemeinsame Sport in der Sportschule ein großer Spaßfaktor gewesen: Fußball, Basketball, Badminton oder Tischtennis. „Das hat auch viel beigetragen, dass die Spieler die ganze Woche konzentriert bleiben könnten.“ Leko selbst war beim Tischtennis Feuer und Flamme – im Doppel mit FM Lara Schulze lieferte er sich packende Duelle gegen das Duo aus Frauen-Bundestrainer GM Zahar Efimenko und WGM Kateryna Dolzhykova. Kurzum, so Lékó: „Wir hatten eine super Atmosphäre.“ Bester Nährboden für Erfolg. Das sieht übrigens auch der Frauen-Bundestrainer. Efimenko schwärmte von einem sehr intensiven Trainingslager. "Alle haben super mitgemacht." Er wolle nun die Frauennationalmannschaft regelmäßig auch online trainieren und die Spielerinnen durch Einzeltraining verbessern. "Es ist viel Potenzial da." (mw)
Das offene Turnier beim Grand Swiss
Das Frauenturnier beim Grand Swiss
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