Laudatio zu Schlyas Abschied

28.05.2007 10:58

Laudatio auf Alfred Schlya, gehalten während des Kongresses des Deutschen Schachbundes am 19. Mai 2007 in Bad Wiessee von Dr. Hans-Jürgen Weyer, Präsident des Schachbundes NRW:

Sehr geehrter Herr Präsident, lieber Alfred,
liebe Schachfreundinnen und Schachfreunde,

vielen Dank für die Gelegenheit, im Namen des Arbeitskreises der Ländervorsitzenden und –Präsidenten AKLV auf die Verdienste des scheidenden Präsidenten Alfred Schlya einzugehen. Dabei möchte ich es kurz machen – und mir einfach. Ich zitiere zum Teil aus einer Laudatio, die vor zwei Jahren bei der Verleihung der Sportplakette des Landes Nordrhein-Westfalen auf einer Festveranstaltung in Bonn durch den Innenminister des Landes NRW, Dr. Ingo Wolff, vorgetragen wurde – immerhin die höchste Sportauszeichnung des Landes NRW.

Und zwar fängt die Laudatio auf unterer Ebene an, wo Alfred Schlya 28 Jahre lang 1. Vorsitzender seines Vereines, des Oberhausener Schachvereines 1887, war. Ebenfalls in Oberhausen ist er Vorstandsmitglied im Stadtportbund, wo er Schriftführer, Schatzmeister (dies ist er bis heute – mehr als 50 Jahre! Rekordverdächtig!) und Vizepräsident war. Zu diesen frühen Jahren war dies für einen Schachspieler außergewöhnlich. Alfred Schlya hat schon immer auf den verschiedensten Ebenen Schach als Sport vertreten. Dies zieht sich wie ein roter Faden durch sein Schachleben.

Dem Schachbezirk Oberhausen bzw. später Emscher-Lippe diente Alfred Schlya als Turnierleiter, Pressewart und 1. Vorsitzender.

An dieser Stelle möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass Alfred Schlya auch ein erfolgreicher Schachspieler war – „Schach ist Sport“ hat er auch gelebt. Von 1954 bis 1993 – also 39 Jahre lang – spielte er in der 1. Mannschaft des Oberhausener Schachvereines, davon immerhin vier Jahre lang in der damals höchsten deutschen Spielklasse. 37 Mal wurde Alfred Schlya Stadtmeister, wohl auch rekordverdächtige Zahlen.

Angesichts seiner Einstellung zum Schach versteht es sich von selbst, dass Alfred Schlya auch Schachorganisator war. Hier möchte ich nur zwei Veranstaltungen nennen. Nämlich Anfang der 60-er Jahre die Endrunde der Europa-Mannschaftsmeisterschaft – damals eines der größten Turniere, die bis dahin auf bundesdeutschem Boden stattgefunden hatten – und die Frauen-Olympiade, wie es damals hieß. Jedes mal war besonderer Fleiß und besonderes Geschickt erforderlich, um den damaligen Erfordernissen zu Zeiten des Kalten Krieges gerecht zu werden, was immerhin zu einem Bericht in der damaligen „Deutschen Schachzeitung“ führte.

 

Zurück zu seiner Tätigkeit als Funktionär. Von 1992 bis 2001 war Alfred Schlya Präsident des Schachbundes Nordrhein-Westfalen und ab 2001 bis heute Präsident des Deutschen Schachbundes.

Die Zeit als DSB-Präsident war geprägt durch die erhöhte Aufmerksamkeit, die man ihm in diesem Amt zukommen ließ. In seinem Bericht zum diesjährigen Kongreß hat Alfred Schlya selbst einen kurzen Rückblick auf die Jahre als DSB-Präsident geworfen. Höhepunkt war gewiß die Entscheidung der FIDE aus dem Jahre 2004, die Schach-Olympiade 2008 nach Deutschland zu vergeben. Diese Tatsache, lieber Alfred, wird immer mit Deinem Namen verbunden bleiben. Damit ging beispielsweise eine Stärkung des Leistungssportes einher, einschließlich der von uns allen begrüßten Schaffung der Jugend-Nationalmannschaften. Aber auch der FIDE-Kongreß 2005 in Dresden soll nicht unerwähnt bleiben. Auch der Beitritt des Bundes Deutscher Fernschachfreunde zum DSB steht genauso auf Deiner Habenseite wie die Stärkung der Selbständigkeit der Bundesliga. Ein Höhepunkt war darüber hinaus das Jubiläum zu 125-jährigen Bestehen des deutschen Schachbundes verbunden mit der unmittelbar davor eingeführten, ausgesprochen erfolgreichen Deutschen Amateurmeisterschaft.

Ich könnte noch viele Dinge aufzählen, wie beispielsweise die Strukturreform des DSB. Ich will aber auch nicht den Eindruck erwecken, als habe es keine Probleme gegeben. Es liegt in der Natur des Amtes selbst, dass sich immer neue Aufgaben stellen, dass man niemals „fertig“ sein kann. Sie alle, meine Damen und Herren hier im Saale, über ein Amt aus und erfahren diese Tatsche am eigenen Leibe.

Lieber Alfred, neben den wenigen Dingen, die ich hier aufzählen konnte, wirst Du uns im Gedächtnis bleiben als stets ansprechbarer und stets präsenter Kämpfer für das Schach.

Für sein jahrzehntelanges Engagement im Schach wurde Alfred Schlya vielfach ausgezeichnet. Er ist Ehrenpräsident des Schachbundes NRW und Ehrenmitglied des Landesschachbundes Brandenburg; er trägt die Goldenen Ehrennadeln seines Heimatvereines, des Stadtsportbundes Oberhausen, des Deutschen Schachbundes und der Stadt Oberhausen. Für sein schachliches Wirken erhielt Alfred Schlya 1994 das Bundesverdienstkreuz.

Wir alle kennen Alfred Schlya als jemanden, der sich in die Pflicht nehmen ließ – auch in das sicherlich schwierige Amt des DSB-Präsidenten. Ich bin Herrn Beutelhoff sehr dankbar, der uns vor zwei Tagen auf der Sitzung des AKLV daran erinnerte, dass im Jahre 2001 Alfred Schlya aus dem Kreise der Länderpräsidenten mit den Worten in das Amt des DSB-Präsidenten verabschiedet wurde: „Das ist unser bestes Pferd im Stall.“

Wenn Du Dich nun, lieber Alfred, zurückziehst, so sei gewiß, dass Du unseren Respekt verdient hast, dass wir Dir in Dankbarkeit und Freundschaft verbunden bleiben, dass Dir unsere Bewunderung und Dank gelten.

Meine Damen und Herren, ich freue mich außerordentlich, dass das Präsidium des Deutschen Schachbundes vorgeschlagen hat, Alfred Schlya zum DSB-Ehrenpräsidenten zu ernennen. Ich möchte daher meine Ausführungen mit den Worten schließen:

Lieber Alfred, diese Ehrung hast Du verdient. Danke, Alfred Schlya!

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