Ludmila Brener im Gespräch

05.02.2006 19:22
Niclas Huschenbeth (links) und Ilja Brener bei der deutschen Einzelmeisterschaft: Die jüngsten Teilnehmer

Ludmila wer?

Na, den Nachnamen kennen Sie aber doch, oder? Richtig, es ist die Mutter des JOM-Mitglieds, einer der Nachwuchshoffnungen in der Jugendolympiamannschaft. Ilja Brener ist hier der Zweitjüngste.

Der Jüngste ist Niclas Huschenbeth, der heute sein drittes Remis in Folge erspielte, nach IM Gerlef Meins, IM Herbert Bastian nun gegen GM Lutz Espig. Und das titellos, mit "gerade" mal 2287 ELO. Niclas ist einer der bisher großen Überraschungen.

Aber die Rede war ja von Ilja. Ilja remisierte auch gerade eben und kommt nun auf einen ganzen Punkt Gesamtausbeute. Er hatte in der ersten Runde das schwere Los mit Schwarz gegen David Baramidze und remisierte in der zweiten Runde gegen FM Muranyi. Während er heute mit Schwarz gegen Stephan Holzschuh vom SC Medizin Erfurt kämpfte, hatte ich die Gelegenheit, mit seiner Mutter ein paar Worte auszutauschen.

Frau Brener, Sie und Ihre Familie stammen aus Moskau. Ist Ilja dort geboren oder hier in Deutschland?

Ilja kam im Alter von drei Jahren hier mit nach Deutschland, viel Erinnerung an unsere ehemalige Heimat wird er nicht haben.

Dann fiel es ihm nicht schwer, hier Freunde zu finden?

Nein, natürlich nicht. Seine schulische Laufbahn, seine Kindheit, Freunde zu finden, ihn zu integrieren, all das war überhaupt kein Problem.

Was ist das nur mit "Euch Russen"? Das Talent zum guten Spiel scheint in der Wiege zu liegen, selbst wenn die Eltern gar keine Schachspieler sind - oder waren Sie oder Iljas Vater bereits erfolgreiche Spieler?

(lacht) Nein, nein, überhaupt nicht. Ich spiele schon Schach und kenne die Regeln, aber mich hatte er schnell eingeholt. Mit 5 Jahren wollte er ständig mit Opa spielen und der hatte auch bald keine Chance mehr...

Ilja Brener heute mittag. Im Hintergrund Ludmila, offensichtlich nebenan kiebitzend

Wie haben Sie's bemerkt, dass Ilja dieses Spiel besser als andere beherrscht?

Naja, wir haben ihm Computerspiele gekauft und da war auch ein Schachspiel drunter und dann wollte er nur noch mit DIESEM Spiel spielen.

Mit 5 Jahren??

Ja. Wirklich.

Kaum zu glauben. Wie ging es weiter?

Als er in die Schule kam, haben wir ihn zur Schach-AG angemeldet. Da war er schnell der Beste. Und dann gings schon in den Verein.

Kommt da nicht Neid unter den Mitschülern auf? Wenn da plötzlich jemand ist, der in etwas ganz besonders gut ist?

Ja, schon. Aber nicht, weil er gut Schach spielen kann, sondern weil er hin und wieder in der Schule fehlen muss oder darf wegen den vielen Turnieren, die er spielt. Seine Mitschüler sgaen dann oft: "Du hast es gut, brauchst nicht in die Schule, wenn Du nicht willst". Die Wahrheit ist natürlich, dass es alles andere als vorteilhaft ist. Ilja muss ständig sehen, dass er neben dem Schach Zeit genug findet, um das Versäumte nachzuholen. Das ist nicht leicht für ihn.

Das glaub ich gern. Leiden da nicht die Schulnoten drunter?

Doch, in letzter Zeit schon. Wir planen gerade, Ilja nach dem neunten Schuljahr für ein Jahre aussetzen zu lassen, weil man einfach nicht mehr beides vereinbaren kann. Auch die Anforderungen an die Mitglieder der Jugendolympiamannschaften sind erwartungsgemäß hoch. Wir denken daran, ihn ein Jahr ausschließlich für Schach arbeiten zu lassen und den Schulabschluss zu verschieben.

Was hat sich denn sonst so zuhause verändert, seit Ilja so erfolgreich ist?

Na, (lächelt nachdenklich), Vater muss nun zuhause bleiben und kann nicht mehr mit uns reisen. Irgendwer muss das Geld verdienen, dass diese Ausbildung kostet und das ist nicht wenig.

Verstehe. Ilja hat noch eine ältere Schwester. Können wir auch von ihr große Leistungen am Schachbrett erwarten?

Nein, das nun nicht. Sie beherrscht zwar die Regeln und spielt auch Schach, sie ist aber bei weitem nicht so begabt in diesem Spiel.

Liebe Frau Brener, ich danke Ihnen recht herzlich für dieses nette Gespräch.

Gern geschehen.

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