Magnus Carlsen wird Weltmeister an der Ostsee, Vincent Keymer Vierter.

15. Februar 2026

Vincent Keymer im Tunnel: Konzentration am Brett bei der Freestyle-WM – am Ende Platz vier an der Ostsee.

FIDE-Freestyle-WM: Geld, Glanz und Glamour im Weissenhaus Resort. Da werden aus Streithanseln plötzlich Kooperationspartner.

Eine Stunde vor Rundenbeginn noch eine Pressekonferenz? Das war dann selbst dem größten unter den Großmeister, der sonst um keine PR-Aktion verlegen ist, ein Ärgernis. Magnus Carlsen wirkte genervt, Vincent Keymer machte gute Miene zum ungewohnten Spiel. Und beide waren letztlich froh, sich nach wenigen Minuten Fragerunde mit den Journalisten wieder aufs Wesentliche konzentrieren zu können. Mag der Tunnel vor einer Partie auch noch so dunkel sein – Schachspieler wollen ihn so kurz vor einem Turnier eigentlich nicht verlassen. Aber: Was tut man nicht alles für Geld und Ruhm? An diesem Wochenende fand auf deutschem Boden, im Weissenhaus Resort an der Ostsee, die erste offizielle FIDE-Freestyle-WM im Schach statt. Carlsen holte sich den WM-Titel und 100.000 US-Dollar Preisgeld für Platz eins, im Klassiker-Finale gegen Fabiano Caruana siegte er in vier Partien 2,5:1,5. Vincent Keymer wurde Vierter im Achterfeld.

Die deutsche Nummer eins schafft es ins Halbfinale, scheitert aber zweimal knapp - gegen Caruana und Abdusattorov

Das große Geld mit Schach. Ergänzt um die Faktoren Glanz und Glamour bei der von Jan Henric Buettner ins Leben gerufenen, hochinteressanten Freestyle-Turnierserie. Um auch davon zu profitieren, rauchte sogar die sonst in Sachen Eigeninteresse unbeirrbare FIDE die Friedenspfeife mit Buettners Freestyle Chess. Und bekam am Ende auch mal wieder ein Stück vom Magnus-Kuchen ab, obwohl dieser ja eigentlich mit dem Weltverband nix mehr am Hut ab – es sei denn: siehe oben. Money makes the world go round.

Nach dem großen Streit im Vorjahr setzten Organisator Buettner und der Weltverband nun auf Versöhnung und Kooperation. Beide Parteien hätten nach etwas Überlegen nun doch noch zusammengefunden, sagte Buettner. Die FIDE spricht schon vom "Beginn einer Tradition". Dabei hatte sie sich doch vehement gegen den Plan von Carlsen und Buettner gestemmt, in Schleswig-Holstein etwas Großes noch größer zu machen. Es hagelte öffentliche Beleidigungen und Vorwürfe von beiden Seiten. Auflösung der FIDE, Rücktrittsforderung an Präsident Arkady Dvorkovich – nichts blieb aus. Aber schon damals wurde inmitten des Konfliktes auch gefeilscht, zeitweise wie auf dem orientalischen Bazar. Und Haltung ist dann bisweilen halt nur eine Frage des Preises. Und letztlich, wie passend: In Katar, wo Geld keine Rolex spielt, fand man zusammen. Den Fans, die nun ein solches Schach-Top-Event mit dem Anstrich WM bekamen, soll es egal sein, in welchem Hinterzimmer nun welcher Deal gemacht wurde.

Denn er bringt beiden Seiten Vorteile. Auch sportlich. Die FIDE kann so suggerieren, sich doch für Schach960 zu interessieren – das sah zuletzt nicht so aus. Buettner kann nun offiziell einen Weltmeister aufs Schild heben – das macht sein Projekt noch mehr sexy.

Dieses Projekt kam in diesem Jahr deutlich kompakter daher. Aus einer Woche Weissenhaus wurde ein langes Wochenende. Die Vorrunde gab es nur mit zehn Minuten Bedenkzeit, plus fünf Sekunden Gutschrift pro Zug. Das, so vermuteten viele, läge nun Keymer nicht so – man konnte gut zuletzt bei Tie-Breaks wie beim Grand Swiss beobachten, dass er es halt doch lieber länger mag. Aber der Neu-Wiener, die deutsche Nummer eins, schaffte es dennoch ins Halbfinale. Dort unterlag er dann – bei einer Bedenkzeit von 25 Minuten plus 10 Sekunden Zugabe - aber in den vier Partien gegen Caruana 1,5:2,5, spielte nur um Rang drei. Auch hier unterlag er wieder knapp mit 2,5:1,5 - gegen Nordirbek Abdusattorov. (mw)

Endstand Vorrunde

Pl. Spieler Elo Land Pkt. SoBe 1 2 3 4 5 6 7 8
1 Magnus Carlsen 2887 4,5 * ½ 1 ½ ½ 0 1 1
2 Vincent Keymer 2780 4,0 13,75 ½ * 1 ½ 1 0 0 1
3 Fabiano Caruana 2809 4,0 13,00 0 0 * 1 1 1 ½ ½
4 Nodirbek Abdusattorov 2697 4,0 12,25 ½ ½ 0 * 0 1 1 1
5 Hans Moke Niemann 2722 3,5 ½ 0 0 1 * 1 ½ ½
6 Erigaisi Arjun 2732 3,0 11,50 1 1 0 0 0 * 1 0
7 Javokhir Sindarov 2718 3,0 9,75 0 1 ½ 0 ½ 0 * 1
8 Levon Aronian 2786 2,0 0 0 ½ 0 ½ 1 0 *

Halbfinale und Platz 5-8

  Spieler Elo - Spieler Elo
1-4 Abdusattorov,Nodirbek 2697 1,0:3,0 Carlsen,Magnus 2887
1-4 Keymer,Vincent 2780 1,5:2,5 Caruana,Fabiano 2809
5-8 Niemann,Hans Moke 2722 2,5:1,5 Aronian,Levon 2786
5-8 Erigaisi Arjun 2732 3,0:1,0 Sindarov,Javokhir 2718

Finale und Platzierungsspiele

  Spieler Elo - Spieler Elo
1-2 Carlsen,Magnus 2887 2,5:1,5 Caruana,Fabiano 2809
3-4 Abdusattorov,Nodirbek 2697 2,5:1,5- Keymer,Vincent 2780
5-6 Niemann,Hans Moke 2722 2,0:0,0 Erigaisi Arjun 2732
7-8 Aronian,Levon 2786 2,0:1,0 Sindarov,Javokhir 2718

// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 11714

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