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Mathias Kern und Karlheinz Eisenbeiser führen Myanmar-Schach-Projekt weiter

Mathias Kern und Karlheinz Eisenbeiser
Archiv Eisenbeiser
Mathias Kern und Karlheinz Eisenbeiser

Buchen (eb). Ende September und Anfang Oktober war Mandalay, die zweitgrößte Stadt im Land Myanmar, Austragungsort des inzwischen vierten internationalen Schachturniers des Schachverbandes Myanmar. Dies nahmen Mathias Kern und Karlheinz Eisenbeiser vom Schachclub BG Buchen zum Anlass, das asiatische Land zum fünften Mal zu besuchen und das vom Außenministerium und dem Deutschen Schachbund unterstützte Schach-Projekt mit dem dortigen Schachverband, allen voran dessen äußerst rühriger Präsident Maung Maung Lwin, weiterzuführen.

Dieser Besuch war vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Diskussionen und international angespannten Lage um die Problematik der Flucht der muslimischen Minderheit der Rohingya nach Bangladesch kein leichtes Unterfangen, wurde aber in Gesprächen mit zwei Ministern der NLD-Regierung, d.h. der Partei der de facto-Regierungschefin und Nobelpreisträgerin von 1991, Aung San Suu Kyi, thematisiert. Offensichtlich wirkte sich die brisante politische Lage auf das Teilnehmerfeld aus, denn unter den 101 Teilnehmern des 3. Zaw Win Lay Memorial International Chess Tournament waren in diesem Jahr in die Meldeliste nur eine Inderin und zwei thailändische Jugendliche eingetragen, im vergangenen Jahr waren es im Vergleich dazu Teilnehmer aus - auch europäischen - 17 Nationen. Dafür war die hohe Anzahl der Schachspieler aus Myanmar beeindruckend und hier v.a. der große Anteil Jugendlicher, so dass nicht wie im vergangenen Jahr ein gesondertes Jugendturnier angeboten wurde. Vor diesem Hintergrund waren die beiden Buchener Gäste von besonderem Rang und wurden in das Programm der bombastischen Eröffnungs- und Abschlussfeierlichkeiten an vorderster Stelle eingebaut und geehrt. Schon von den früheren Besuchen her war Mathias Kern und Karlheinz Eisenbeiser bekannt, dass die Atmosphäre im Turniersaal des Vier Sterne-Hotels "Hazel" für europäische Verhältnisse mit allem Drum und Dran unerreichbar ist. Dies trifft noch einmal ganz besonders auf die Rahmenprogramm-Veranstaltungen zu.

Die Abschlussveranstaltung - unter der Anwesenheit zweier Minister und hier ist besonders der Sportminister erwähnenswert - begann mit der unter die Haut gehenden Vorführung alter, traditioneller burmesischer Gesänge und Tänze, ehe danach auch schon die beiden deutschen Gäste offiziell begrüßt wurden. Dabei wurde mehrfach hervorgehoben, dass dieser Besuch gerade in der jetztigen Situation des Jahres 2017 so wichtig sei, und es wurde immer wieder die Freundschaft zwischen dem deutschen Schach und dem Schach in Myanmar betont. Mathias Kern und Karlheinz Eisenbeiser durften anschließend im Rahmen der Siegerehrung zunächst die Sonderpreise an die besten Jugendlichen des Turnieres überreichen, was eine hohe Anerkennung ausdrückte.

Die sportliche Seite des 3. Zaw Win Lay Memorials - die beiden ersten Ausgaben wurden in der größten Stadt Yangon ausgetragen, 2016 fand in Mandalay die Seniorenmeisterschaft über 50 von Asien statt - lautete: Unter der Leitung des einheimischen Hauptschiedsrichters Myo Zaw Min siegte Kyaw Lay Htaik (Elo 2153) vor Han Min Soe (Elo 2155) beide mit 7,5 Zählern (aus neun Runden nach Schweizer System) vor Win Zaw (Elo 1921) mit 7 Zählern, der auch gleichzeitig den Seniorenpreis gewann, - alle drei Topplatzierten kommen aus Myanmar. An den Platzierungen und internationalen Wertungszahlen sieht man offensichtlich, dass nicht nur die ausländischen Teilnehmer, sondern auch internationale Spitzenklasse der vergangenen Jahre fehlte, was die beiden Deutschen natürlich sehr bedauerten. Im gesamten Teilnehmerfeld waren lediglich ein Internationaler Meister und zwei FIDE-Meister zu finden.

Der einheimische Präsident Maung Maung Lwin hatte jedoch in den Gesprächen mit Mathias Kern und Karlheinz Eisenbeiser für zukünftige Pläne eine richtiggehende Überraschung parat, denn er hat die Durchführung eines weiteren Jugendturnieres auf schulischer Ebene im Lande vor, aus deren Kreis schon eventuell Interessenten für einen Europaaustausch nach Deutschland gefunden werden könnten. Somit wäre es Aufgabe der beiden Buchener, auf deutscher Seite die notwendige Unterstützung auf politicher Ebene zu bekommen.

Maung Maung Lwin nahm sich dieses Mal besonders viel Zeit, den beiden Deutschen ursprüngliche Schönheiten des weithin unerschlossenen Landes zu zeigen. Hier ragte ein Besuch der 120 000-Einwohner-Stadt Pyin U Lwin in 1000 Meter Höhe in Richtung chinesischer Grenze heraus. Dies ist der Geburtsort von Maung Maung Lwin, weshalb er sich dort besonders gut auskennt und Eindrücke vermitteln konnte, die in jeder Hinsicht einmalig waren. Mit tiefen Eindrücken und zwingenden Aufträgen, dieses einmalige Schach-Projekt fortzusetzen, kehrten Mathias Kern und Karlheinz Eisenbeiser wieder in ihre Heimat zurück. Bei einem Zwischenstopp in Bangkok traf man sich mit Kai Tuorila. Der Finne ist Präsident des Schachclubs Bangkok und des thailändischen Schachverbandes und bester Kenner der politischen und schachlichen Szene in Myanmar, weshalb er den beiden Odenwäldern etliche Anregungen mitgab.

Karlheinz Eisenbeiser

Karlheinz Eisenbeiser und Mathias Kern
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Karlheinz Eisenbeiser und Mathias Kern

Die Bilder zeigen Karlheinz Eisenbeiser und Mathias Kern bei der Abschlussveranstaltung des 3. Zaw Win Lay Memorials in Mandalay im Herbst 2017.

// Archiv: DSB-Nachrichten // ID 22625

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