8. Mai 2026
Die nächsten zwei Monate sind mal zum Durchschnaufen da. Schließlich ging es nach Ende des Kandidatenturniers auf Zypern gleich weiter mit der Bundesliga-Endrunde – und der auch für ihn überraschenden Nachricht, dass sein Verein Deizisau nicht mehr in der Bundesliga spielen wird: „Tatsächlich wusste ich bis zum 1. Mai nichts vom Rückzug meines Vereins“, so Blübaum in einem Interview mit dem Schachverband Württemberg. Das erste klassische Schach-Turnier, bei dem Matthias Blübaum wieder am Start ist, ist das top besetzte und renommierte Schachfestival in Biel – vom 11. bis 24. Juli. Da wollte er schon immer mal dabei sein. Schade für die deutschen Fans, dass er deshalb die Deutschen Meisterschaften im Rahmen des Dresdner Gipfels nicht spielen wird.
Mehrfach blickte Blübaum in diesen Tagen zurück. Sein Auftritt beim Kandidatenturnier sei „nicht schlecht, aber auch nicht toll gewesen“, vielmehr nannte er ihn im Interview mit dem Schachverband Württemberg „im Großen und Ganzen okay“. Er hätte sich natürlich gewünscht, auch mal eine Partie zu gewinnen. Aber, so ehrlich ist er auch: „Ich hatte nie wirklich eine Chance auf den Turniersieg“, was angesichts der Topform von Javokhir Sindarov aber auch für alle anderen galt. Blübaum war jedenfalls froh, dass er sich selbst zumindest beweisen konnte, auf diesem Weltklasse-Niveau mithalten zu können. "Ich glaube so ein wichtiges Turnier werde ich nie vergessen."
Interessant auch für die Fans, die über das vom Schachverband Württemberg initiierte, und gemeinsam mit dem DSB durchgeführte Crowdfunding, gespendet haben: Was ist mit dem Geld passiert? Hiervon habe er in erster Linie Trainingslager und ein Team bezahlt, dass neben Rasmus Svane (er war vor Ort auf Zypern) aus zwei weiteren Schachkumpeln bestand: Frederik Svane und Dmitrij Kollars. Im Vrofeld war höchste Geheimhaltung angesagt, um den Gegnern keinen Einblick zu geben. Aber nun sagt Blübaum: Es habe Sinn gemacht, deutsche Spieler als Sekundanten zu nehmen, mit denen er sich gut verstehe und schachlich auf einer Wellenlänge liege. Gerade Rasmus Svane habe stets rund um die zehrenden Wettkämpfe für gute Laune gesorgt. Aufgrund der Zeitverschiebung, um Blübaum auf die nächste Runde vorbereiten zu können, während der WM-Kabdidat schlief, hatten die beiden anderen Nationalmannschafts-Kollegen von Thailand aus gearbeitet. „Remote“, wie es Blübaum nennt, der sich auch bei seinen Unterstützern an der Fanbase noch einmal bedankte. Am Wochenende wird er das auch persönlich in Württemberg nochmal tun: Er spielt am morgigen Samstag (ab 10 Uhr, Aula des Georgii-Gymnasiums) ein Simultanturnier an 40 Brettern beim SK Freibauer Esslingen.
Insgesamt waren ja 86.000 Euro für das Kandidatenturnier zusammengekommen, mit Spenden und Fördertöpfen. Der württembergische Verbandschef Carsten Karthaus, DSB-Präsidentin Ingrid Lauterbach, DSB-Vizepräsident Alexander von Gleich und DSB-Sportdirektor Kevin Högy hatten sich hier sehr stark engagiert. „Das Geld hat sehr geholfen, vor allem in der Vorbereitungsphase, da ich mir deutlich weniger Gedanken darüber machen musste, wie teuer Trainingslager sind“, so Blübaum. In diesen Trainingscamp, unter anderem an der Ostsee im Weissenhaus-Ressort von Jan Henric Büttner, unter Mithilfe von sehr viel Rechenzeit, die Chessbase spendierte, seien die Grundlagen gelegt worden.
Und wie geht es weiter für Blübaum in der Bundesliga? Die Schachfreunde Deizisau, für die er seit 2017 am Brett sitzt, haben bekanntlich ihren Rückzug angekündigt. Das bedauere er sehr, so Blübaum. Er hat oft das familiäre Klima im Verein gelobt. Nun sagt er: „Ich werde aller Vorrausicht nach auch in der nächsten Saison in der Bundesliga spielen - möchte aber noch nichts verraten, bevor es nicht offiziell ist.“ (mw)
// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 37021