Mitgliederentwicklung 2022

2. Februar 2022

Unsere Mitgliederverwaltung ermöglicht es uns, das ganze Jahr über die tagesaktuellen Mitgliederzahlen zu ermitteln. Relevant für die Beitragszahlung an den DSB sind jedoch nur die Zahlen, die im Laufe des Januars festgestellt werden. Das führt dazu, dass viele Vereine auch erst dann ihre Mitgliederlisten bereinigen, d. h. dass im Laufe des Jahres ausgetretene Mitglieder erst dann offiziell abgemeldet werden. Die folgenden Aussagen beziehen sich deshalb alle auf den Zeitpunkt Ende Januar im entsprechenden Jahr.

Das zweite Pandemiejahr hat leider auch das zweite Jahr in Folge die Mitgliederzahlen des Deutschen Schachbundes sinken lassen. Während wir 2021 noch rund 89.300 Mitglieder in den Vereinen hatten, sind es zu Beginn dieses Jahres ca. 87.700 Mitglieder.

Der genaue Blick zeigt, dass viel zu tun ist und die Entwicklung von Verein zu Verein sehr unterschiedlich ist: Während einige Vereine sehr gut durch die Pandemie kommen und sogar wachsen, gibt es immer mehr Vereine, die stark mit den Bedingungen zu kämpfen haben oder sich sogar ganz auflösen. Dabei hat sich gezeigt, dass vor allem diejenigen Vereine weniger Probleme haben, die digitale Angebote für ihre Mitglieder und interessierte Neulinge geschaffen haben.

Außerdem ist die Entwicklung nach Altersklassen und Geschlechtern sehr unterschiedlich. Während die Mitgliederzahlen bei den erwachsenen Männern stabil sind, ist bei den Frauen ab 18 Jahren trotz der Coronalage sogar ein Zuwachs von 3% zu verzeichnen.

Der gesamte Mitgliederrückgang ist auf die Verluste bei den Kindern und Jugendlichen bis 14 Jahren zurückzuführen. Das Schulschachangebot ist an vielen Orten weiterhin eingeschränkt und auch das Kinder- und Jugendtraining in vielen Vereinen leidet weiterhin unter der Pandemie. Es fehlen insgesamt die Eintritte, die in den Jahren vor dem Beginn der Pandemie für ein stetiges Wachstum bei den Mitgliederzahlen sorgten.

Wir möchten dieser Entwicklung entgegenwirken. Wir werden in diesem Jahr gemeinsam mit der Deutschen Schachjugend ein neues Schulschachprojekt initiieren, mit dem wir mehr Kinder erreichen und für eine Mitgliedschaft im Verein begeistern wollen. Und unabhängig vom weiteren Verlauf der Pandemie sollten alle Vereine über die Einrichtung digitaler Angebote nachdenken. Dies gilt insbesondere dann, wenn ein normales Vereinsleben durch gesetzliche Einschränkungen nicht möglich ist. Wer sich inspirieren lassen möchte, findet auf unserer Aktionsseite „Schach dem Virus“ viele in der Praxis erprobte Beispiele aus den Vereinen! Auch die Mitgliederentwicklung bei den Frauen zeigt, dass sich zum Beispiel aufgrund der Netflix Serie „Queen‘s Gambit“ viele Frauen für Schach interessieren und dass nun der ideale Zeitpunkt ist, schachliche Angebote gezielt für Frauen zu schaffen.

Wir müssen den aktuellen Trend umkehren. Das Interesse am Schach nimmt insgesamt zu und viele Menschen haben in der Pandemie ihre Begeisterung für unser schönes Spiel entdeckt. Auch diese Menschen möchten wir von den Bildschirmen und ihren Brettern zu Hause an unsere Turnierbretter und in die Vereine locken. Wir möchten die beliebte Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft (DSAM) noch mehr in dieser Zielgruppe bewerben und führen zusätzlich die Deutsche Amateurmeisterschaft im Schnellschach ein, die das bewährte DSAM-Format auf die immer populärer werdende kurze Bedenkzeit überträgt.

Wir stehen insgesamt gut da im Vergleich zu anderen Sportarten, die teilweise heftige Mitgliederverluste erleiden mussten. Aber das darf uns nicht genügen. Lasst uns vorbereitet sein, die Neuen mit offenen Armen und attraktiven Angeboten zu empfangen, wenn wir unseren Sport hoffentlich bald wieder wie gewohnt aber dafür mit neuer Begeisterung ausüben können!

Ich danke allen, die sich auch in schwierigen Zeiten für den Schachsport engagieren und allen, die ihren Vereinen die Treue halten. Ich bin zuversichtlich, dass wir schon bald wieder über steigende Mitgliederzahlen berichten können, wenn wieder mehr Normalität in den Vereinen eingekehrt ist.

Ullrich Krause
DSB-Präsident

// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 24144

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