3. April 2026
Paul Meyer-Dunker geht – Kevin Högy kommt? So könnte es am 27. April 2026 lauten, wenn der bisherige Präsident des Berliner Schachverbandes (BSV) beim Verbandstag sein Amt abgibt. Um dieses bewirbt sich DSB-Sportdirektor Kevin Högy, der bei dem Berliner Verein SC Weisse Dame Mitglied ist. Das vermeldete der BSV gestern Abend. Högy legt auf eine Feststellung wert: „Das ist ein Ehrenamt, das ich in meiner Freizeit ausübe, sofern mir der Berliner Verbandstag das Vertrauen aussprechen wird. Wie auch Carsten Schmidt, der im DSB hauptamtlich als Geschäftsführer arbeitet und beim Berliner Schachverband ehrenamtlich als Ausbildungsreferent tätig ist, werde ich Haupt- und Ehrenamt strikt trennen. Das gebietet schon der Respekt vor dem Amt. Hier wird nichts miteinander vermischt." Paul Meyer-Dunker geht nach sechs Jahren im BSV-Präsidium, davon fünf Jahre als Präsident. Er betonte, dass Kevin Högy aus seiner Sicht der ideale Kandidat sei. „Ich bin zufrieden, wie sich in den letzten sechs vieles im Berliner Schachverband entwickelt hat“, so Meyer-Dunker, „und umso glücklicher bin ich, wenn die Nachfolge hervorragend geregelt ist.“ Er hoffe, dass dies die BSV-Delegierten beim Verbandstag am 27. April ebenso sehen. In den Tagen zuvor wird der BSV, gemeinsam mit den Schachfreunden Berlin, noch die Bundesliga-Endrunde ausrichten und das 125-jährige Jubiläum des Verbandes feiern.
Für Högy, der auch Inhaber der Trainer-A-Lizenz ist, würde der Sprung ins Ehrenamt kein Neuland bedeuten. Im Gegenteil - eher ein Zurück-zu-den-Wurzeln. „Die Basis habe ich nie aus den Augen verloren“, sagt er: „Besonders gefreut habe ich mich im Jahr 2011, als ich den Christian-Zickelbein-Preis für herausragende Jugendarbeit im Hamburger SK von 1830 erhalten habe. Basis und Spitze – beides ging Hand in Hand.“ Högy war Jugendtrainer beim Hamburger SK und Leistungssportreferent in Niedersachsen.
Nach seinem Bachelor- (Sozialökonomie) und Master-Studium (International Business and Sustainability) in Hamburg hat Kevin Högy 2019 beim Deutschen Schachbund in Berlin zu arbeiten begonnen, seit 2021 ist er Sportdirektor. Sein Herz ist noch in Hessen, aber seine Heimat ist Berlin geworden – und den BSV hat er dabei als einen Verband wahrgenommen, der sich „in den vergangenen Jahren sichtbar verändert hat“ und auch spürbar gewachsen sei: „Schach in Berlin ist moderner und attraktiver geworden. Es gibt mehr als 3.300 organisierte Schachspieler, eine größere Sichtbarkeit in den Medien und in den sozialen Netzwerken sowie Großereignisse, die unseren Sport mitten in die Hauptstadt tragen. Dies ist (auch) der Verdienst von Paul Meyer-Dunker und seinen ehrenamtlichen Mitstreitern in den Präsidien der vergangenen Jahre. Daran möchte ich ausdrücklich anknüpfen.“
Eines ist dem 36-Jährigen Högy noch wichtig: „Ich kandidiere nicht bloß, um mich Präsident nennen zu dürfen. Idealerweise ist ein Präsident in meinen Augen ein primus inter pares, der Erste unter Gleichen in einem gut funktionierenden Präsidium, dessen Mitglieder aus Überzeugung an einem Strang ziehen.“ Er freue sich auf ein „gutes Miteinander auf Augenhöhe“ mit Berliner Funktionärs-Urgesteinen wie Kai-Uwe Melchert und Bernhard Riess, der der DSB-Öffentlichkeitsarbeit sagte: „Ich habe schon öfter mit ihm punktuell zusammengearbeitet, das war sehr gut. Ich begrüße seine Kandidatur.“ Bisher gibt es keinen Gegenkandidaten für Kevin Högy, der sich als „Moderator und Brückenbauer“ verstehe. Ganz wichtig sei ihm noch der Faktor Jugend und Weiblichkeit im Präsidium und bei den Referenten.
Und Paul Meyer-Dunker? Der zieht sich zwar zurück, hat aber zugesagt, den BSV weiterhin im Landessportbund zu vertreten - und bei einzelnen Projekten des Verbandes zu unterstützen. Wobei es nun wahrlich keinen überraschen würde, wenn es bei dem Vollblut-Funktionär alsbald schon wieder stärker zu kribbeln beginnt… (mw)
// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 36988