“Nicht aufgeben – egal wie doll man gehauen wird.”

22. Februar 2026

Alina Fichte-Rath, dreifache Weltmeisterin im Schachboxen

Schachboxen wird Teil des Rahmenprogramms vom Schachgipfel

“Nicht aufgeben – egal wie doll man gehauen wird.” Dieser Satz beschreibt Schachboxen vielleicht besser als jede Regel. Schachboxen wird Teil des Rahmenprogramms des Schachgipfels – und damit für ein breites Publikum erlebbar. 

Freitagabend, den 20. Februar in Berlin-Mitte. In den Kellerräumen der Franz-Mett-Sporthalle treffen sich Menschen, um Schach zu spielen – und um zu boxen. Hier trainiert der Chess Boxing Club Berlin, der älteste Schachboxclub der Welt. Geprägt wurde der Verein von Iepe Rubingh, dem Erfinder des Schachboxens. Der niederländische Aktionskünstler entwickelte die Idee einst inspiriert von einem Comic – und machte Berlin zum Zentrum dieser ungewöhnlichen Sportart. Beim Training traf Finn Engesser vom Team der DSB-Öffentlichkeitsarbeit CM Alina Fichte-Rath. Sie erinnert sich an einen entscheidenden Moment: Rubingh habe ihr einmal gesagt, sie solle doch einfach zu einer Weltmeisterschaft fahren. „Warum nicht? Probier es aus.“ Heute ist Fichte-Rath dreifache Weltmeisterin im Schachboxen und eine der prägendsten Athletinnen der Szene. Im Interview spricht sie über die Faszination dieser gegensätzlichen Disziplin, über mentale Stärke nach harten Treffern – und darüber, ob für sie ein K.o. oder ein Schachmatt der schönere Sieg ist. 

Einen Tag später folgt das Gespräch mit Denno Probst von Chessboxing Cologne. Er bringt Schachboxen am ersten Wochenende des Schachgipfels nach Dresden – mit Demokämpfen, Mitmachangeboten und einem Einblick in einen Sport, der körperliche Härte und strategisches Denken verbindet. 

Einen visuellen Eindruck mit starken Trainingsbildern sowie Stimmen von Fichte-Rath und Probst gibt es im begleitenden Video auf YouTube.

Denno Probst im Interview: "Schachboxen ist natürlich eine super Ergänzung zum Schachgipfel. Das Event ist riesengroß, viele Leute werden kommen."

Hallo Denno! Wenn jemand noch nie vom Schachboxen gehört hat, was erlebt man live beim Kampf?

Ja, also beim Kampf erlebt man erstmal den Übergang zwischen Schach und Boxen, zwei erstmal unterschiedliche Disziplinen von außen, aber letztendlich relativ ähnlich, körperlich und geistig natürlich. Es ist adrenalingeladen, es ist voller Bewegung, voller Konzentration und ja, es ist halt eine Grenzerfahrung für die Kämpfer, auch super anzusehen.

Und jetzt mal im Vergleich zum klassischen Schach. Was macht es für Zuschauer so besonders?

Genau, also klassisches Schach ist natürlich super. Beim Schachboxen ist halt der Bewegungsfaktor drin, der Sportfaktor. Deutschland guckt gerne Sport und ist eine Fußballnation, jetzt sind gerade die Olympischen Spiele gewesen und da kommt beim Schachboxen noch der Bewegungsfaktor rein und das ist natürlich eine interessante Komponente. Und auch eine Ergänzung zum klassischen Schach.

Was muss im Kopf eines Athleten vorgehen, wenn er direkt vom Boxring zum Schachbrett läuft? Kannst du uns da mal mitnehmen, was da so die Gedankengänge sind?

Da kommt es natürlich immer drauf an, wie gut davor letztendlich geboxt wurde. Wurde quasi im Boxen dominiert und dann geht's zurück zu einer nicht so guten Schachstellung, muss man die Nerven behalten, die Schachrunde überleben und dann im Boxen danach den Sack zumachen und gewinnen. Umgekehrt kann's natürlich auch sein, dass man im Boxen richtig hinten lag und da ganz schön was mitgemacht hat und dann auf dem Schachbrett gewinnen kann. Da möchte man natürlich nicht mehr zurück in die Boxrunde. Das heißt, volle Konzentration, strategisch rangehen und sich selbst und den Gegner einschätzen.

Alles klar, und jetzt können wir uns auch ja glücklich schätzen, dass Schachboxen Teil des Schachgipfels in Dresden sein wird. Warum passt deiner Meinung nach Schachboxen perfekt zum Schachgipfel?

Genau, also Schachboxen ist natürlich eine super Ergänzung zum Schachgipfel. Das Event ist riesengroß, viele Leute werden kommen. Da freuen wir uns auch schon drauf und das ist, wenn wir Schachboxen präsentieren wird das auch ein bisschen ein Auflockerer sein. Man kann sich dabei auch ein bisschen bewegen, ein paar Fragen stellen und es ist eine Unterhaltungsgeschichte auf dem Schachgipfel. Außerdem sind Dresden und die Region auch dafür bekannt, einen höheren Wert auf den Bereich Boxen zu legen. Das heißt, es ist auch eher eine Boxtradition. Die Leute wissen das ein bisschen mehr zu schätzen und deswegen freuen wir uns auch, dass wir da Schachboxen präsentieren dürfen.

Kannst du schon irgendwas zu dem Event anteasern? Also, was dürfen die Besucherinnen oder Besucher beim Schachgipfel konkret von euch erwarten?

Genau, also letztendlich ist die ist der Plan, dass wir einen Demokampf oder mehrere Demokämpfe machen werden. Man kann sich mal live ansehen, wie ein Schachboxkampf abläuft. Zwischendrin kann man natürlich immer Fragen stellen. Es wird erklärt und man kann auch mal in die Boxpratzen hauen, vor allem für Leute, die das noch nie gemacht haben, und gerne mal machen würden. Also selbst körperlich aktiv werden oder auch mal eine Partie gegen einen Schachboxer, beziehungsweise gegen einen Athleten spielen.

Für wen ist das Ganze dann gedacht? Jetzt nur für Schachspieler, nur für Boxer, oder sollte man am besten beides können?

Also letztendlich sollte man beides können, sonst kann man der Sache nicht folgen. Es ist immer ein bisschen so, dass Schachspieler Boxen verstehen können, Boxer aber nicht unbedingt Schach spielen. Daher ist es auch gut aufgehoben auf dem Schachgipfel. Aber generell sehe ich auch noch ein großes Publikum in den Leuten, die gerne online sind, Stichwort Gamer. Die können oft Schach nachvollziehen, haben auch ein gewisses Aggressionspotenzial und sind beim Schachboxen auch als Zuschauer, denke ich, sehr gut geeignet.

Aber ich hab es richtig verstanden, dass auch erstmal Leute vorbeischauen können, die noch nicht boxen können, die bei euch die Möglichkeit haben, mal reinzuschauen und reinzuschnuppern.

Genau, also wir haben ja auch immer sonntags offenes Training. Wir haben eine gute Verbindung zur deutschen Schach Community, das heißt auch Schachspieler kommen gerne mal bei uns vorbei, lernen dann Boxen und das kann man dann natürlich gut verbinden. Schach ist auch eine offensive Sportart in dem Sinne. Ja, man greift an, man verteidigt sich genau wie beim Boxen auch. Wir bringen den Schachspielern gerne das Boxen bei!

Du hattest jetzt schon angesprochen, dass es einen Demokampf beziehungsweise Showkampf geben wird. Was unterscheidet so einen Showkampf bei einem solchen Event wie dem Schachgipfel von einem normalen Wettkampf?

Ja, beim Showkampf wird natürlich nicht auf K. o. gegangen, das ist klar. Schachboxen heißt Schachmatt oder K. o. - der Zeitablauf wäre die dritte Variante. Wir werden Kopfschutz tragen und beim Boxen nicht komplett alles geben, sondern dass Priorität ist, dass es unterhaltsam wird. Trotzdem ist es natürlich adrenalingeladen, vor dem Publikum möchte man auch immer gut dastehen. Die Leute werden sich natürlich alle Mühe geben vor Ort. Aber der Unterschied ist, dass man beim klassischen Turnierkampf alles auf eine Karte setzt und auch versucht, den Gegner k. o. zu schlagen.

Du bist ja Teil von Chess Boxing Cologne. Welche Rolle übernehmt ihr als Chess Boxing Cologne beim Schachgipfel?

Wir präsentieren quasi Schachboxen in Deutschland, haben da ja die letzten Jahre auch gut zu beigetragen. Es ist eine Berliner Erfindung. Was in Berlin schon etabliert war über jetzt schon fast Jahrzehnte. Und wir haben das so ein bisschen nach Deutschland rausgetragen, RTL, Magenta TV, ProSieben. Haben uns überall mal vorgestellt die letzten Jahre. Und genau, der Schachgipfel ist dann eine nächste gute Gelegenheit, diesen Trendsport der breiteren Masse vorzustellen.

Was reizt dich persönlich, genau solche Events auf die Beine zu stellen und durchzuführen?

Wann kann man behaupten, einen Sport gefunden zu haben und in einem Land etabliert zu haben? Das kann man nicht oft behaupten. Deswegen ist das natürlich super interessant, die Events zu planen und die Struktur aufzubauen. Finde ich super interessant. Letztendlich war der Sport eine Nische. zuerst war er bekannt in der Region, danach europaweit und mittlerweile schon weltweit bekannt. Chess.com hat die letzte Weltmeisterschaft gehostet, nur mal so am Rande, also es wird immer größer. Und dass man auch ein Teil davon ist, dass dieser interessante Sport immer etablierter wird - das motiviert natürlich sowas zu organisieren

Und jetzt nochmal um auf den Schachgipfel zu sprechen zu kommen, was würdest du jemandem sagen, der beim Schachgipfel ist und gerade überlegt, soll ich mal zum Schachboxen gehen oder nicht. Was könntest du den Leuten mit auf den Weg geben, wieso sollte man einfach mal vorbeischauen?

Man kann sich mal ein Bild machen, ein bisschen körperlich werden, weil Schach ist ein Kopfsport. Dazu kann man sich bewegen und ein paar Fragen stellen und einfach mal in die Pratze reinhauen. Man sieht, dass es auch Alternativen zum klassischen Schach gibt. Siehe Freestyle-Chess, das ist auch jetzt etabliert. Schachboxen etabliert sich gerade, auch die Szene ist im weiteren Ausbau in verschiedenen Richtungen und Schachboxen ist halt eine davon.

Und als letzte Frage noch, was ist für dich live spannender, Schachmatt oder K. o.?

Also aufgrund der Tatsache, dass ich seit dem Ende der 90er schon boxe, ist natürlich ein K. o. super, aber es ist halt nicht garantiert und daher und aufgrund der Tatsache, dass wir natürlich jetzt auch zum Schachgipfel eingeladen wurden, ist Schach natürlich super interessant im Sinne von, wenn man in der Boxrunde vielleicht hinten lag als guter Schachspieler und es dann in der nächsten Runde auf dem Brett doch noch gewinnt. Diese ultimative Spannung ist beim Schachboxen schon sehr cool. Die meisten Kämpfe werden auf dem Schachbrett gewonnen und daher ist natürlich ein verlorener Boxkampf und dann eine gewonnene Schachrunde sehr interessant.

Und jetzt noch mal zur Frage was ist für dich live spannender Schachmatt oder K. o.? 

Ein K. o. ist super. Wenn jemand K. o. geht, dann ist das natürlich Entertainment pur!

Alina Fichte-Rath im Interview: "Diese Gegensätze, dass jemand sowohl schlau als auch sportlich sein muss, das ist einfach das, was es für Leute so interessant macht."

Alina, was geht dir durch den Kopf, wenn du vom Boxring direkt ans Schachbrett gehst?

Also bei mir ist es ja so, im Boxring schalte ich ja ehrlicherweise total ab und dann beim Schach aber auch. Beim Schach, denke ich daran, dass ich schnell spielen will, und dass ich gewinnen will. Einfach die ganz normalen Gedanken, die ich auch beim Blitzschach habe - einfach gut und schnell spielen.

Gibt es bei dir beim Schach oder im Boxen diesen einen Moment, wo es für dich am Intensivsten ist? 

Sobald es in den Boxring geht. Das ist einfach dieser Erfahrungsunterschied. Ich habe beim Schach natürlich viel, viel mehr Erfahrung, deswegen bin ich beim Schach auch nicht aufgeregt. Aber dadurch, dass ich beim Boxen viel weniger Erfahrung habe, ist es für mich natürlich ein intensiveres Erlebnis.

Warum funktioniert diese Kombination aus Schach und Boxen deiner Meinung nach überhaupt?

Eben weil sie so gegensätzlich ist. Wenn man sich mal überlegt, welches Bild hat man von einem Schachspieler und was von einem Boxer hat. Ich meine, wenn wir uns mal die Struktur beim Schach angucken, denken wir, Schachspieler sind ja meistens die unsportlichen Rentner und so weiter und bei einem Boxer denkst du, der ist super sportlich, aber halt dumm. Diese Gegensätze, dass jemand sowohl schlau als auch sportlich sein muss, das ist einfach das, was es für Leute so interessant macht.

Was lernt man im Schachboxen über sich selbst, was man in keiner anderen Sportart so über sich lernen kann? 

Zum einen Disziplin, weil du hast zwei Sportarten und musst in beiden gut sein. Dann auch noch dieses "nie aufgeben", weil es kann ja immer sein, dass die erste Runde Schach schlecht lief und dann ist es so, du kommst von der Boxrunde und auf einmal zur nächsten Schachrunde und es ist auf einmal wieder alles möglich. Das macht es halt auch so spannend.

Gibt es diesen einen Moment, wo du merkst, dass sich der Kampf jetzt entscheidet? Wo du merkst, ich muss jetzt auf dem Schachbrett richtig drücken, um da das Spiel zu entscheiden? Oder das Gleiche auch im Boxkampf, gibt es da solche Schlüsselmomente?

Ja, aber das ist manchmal gar nicht so einfach, weil das Problem ist ja auch, dadurch, dass du immer diesen Zeitaspekt hast. Wenn ich zum Beispiel weiß, meine Gegnerin hat 3 Minuten 30 auf der Uhr und die Schachrunde geht aber nur 3 Minuten, dann weiß ich, egal wie sehr ich drücke beim Schach, sie kommt in die nächste Boxrunde. Also das ist es halt manchmal gar nicht so einfach zu entscheiden. Aber ja, wenn ich wüsste, sie hat jetzt, 2 Minuten 50, dann würd ich natürlich noch, noch schneller spielen, damit ich sage, ich verbrauche nicht mehr als 10 Sekunden und gewinne über die Zeit.

Schachboxen ist ja trotzdem noch eine Nischensportart. Du hast bestimmt auch häufiger mitbekommen, dass Leute die Sportart zum ersten Mal sehen, richtig?

Eigentlich immer. Leute, die das erste Mal Schachboxen sehen, sagen meistens: "Das gibt es wirklich?"

Ja, das gibt es wirklich.  Wenn ich dann irgendwo bin und von Schachboxen erzähle, dann werde ich immer gefragt, was ist denn das? Wie kann ich mir das vorstellen? Das ist eigentlich die Standardfrage. Die Leute meinen es ja auch nicht böse. Sie haben es halt nie gehört und dann erklärt man das halt und meistens finden die Leute das auch super interessant, eben weil es halt so gegensätzlich ist.

Du weißt jetzt auch, wie es ist, ganz oben zu stehen in der Sportart. Du bist dreimal Weltmeisterin geworden. Was würdest du sagen, kann auf dem Niveau einen Schachboxkampf entscheiden?

Das Problem ist, es sind halt zwei Sportarten. Also du kannst es eigentlich nicht machen, dass du sagst, du bist in einer Sportart super gut und in der anderen super schlecht. Ich habe es zum Beispiel gesehen, meine Hauptgegnerin, die Amina, Sie ist eine Boxerin. Sie spielt nicht gut Schach, aber sie ist clever genug, um zu sagen, sie lässt die Zeit ablaufen. Das heißt, du musst im Boxen ein gewisses Level haben, dass du nicht in der ersten Runde k. o. gehst und das ist es halt einfach, weil wenn du so schlecht im Schach bist, dass du auf Schäfermatt reinfällst, hilft dir das halt auch nicht, dass du ein Profiboxer bist. Also du musst halt beides in einem gewissen Level können - minimum.

Glaubst du auch, dass Schachboxen das Bild von Schach an sich verändert hat oder verändern kann?

Also wir haben es erlebt bei den Schachbox-Events. Die Leute, die da waren, waren meistens weder Schachspieler noch Boxer. Du hast einfach gesehen, das hat eine ganz andere Zielgruppe angesprochen. Zum Einen, weil es ein viel, viel schnelleres Format ist und zum Anderen ist viel, viel mehr möglich. Ich meine, wir wissen halt bei Magnus Carlsen, wenn er einen Bauer mehr hat, gewinnt er das. Da brauchen wir gar nicht weiter gucken. Das wissen wir auch beim Blitzen, der gewinnt das. Beim Schachboxen ist so viel möglich nach der Boxrunde. das bringt eine ganz andere Spannung und dadurch sprechen wir auch ganz andere Zielgruppen an.

Also würdest du auch sagen, dass das für Leute, die jetzt noch nicht viel mit Boxen am Hut haben, aber Schachspielen, trotzdem interessant ist? Also auch für totale Anfänger?

Auf jeden Fall. Ich meine klar, wenn du einen Sport lernst, bist du immer irgendwo Anfänger, aber auch beim Schachboxen hast du ja zumindestens den Vorteil, dass du wenigstens Schach spielen kannst. Boxen kann man auch lernen. Also sollte man vielleicht sowieso lernen. Aus Selbstverteidigungsgründen ist das ja auch nicht verkehrt.

Wo steht Schachboxen deiner Meinung nach gerade? 

Schwierig, also es gibt Länder, da hat Schachboxen ein ganz anderes Standing als bei uns in Deutschland. Bestes Beispiel sind Indien oder Russland. In Russland wird es als offizielle Sportart anerkannt. In Indien ist es so, da werden sie, wenn sie Weltmeister werden, von irgendwelchen Politikern am Flughafen abgeholt. Hier interessiert es ehrlicherweise niemanden. Es ist einfach zu unbekannt und hat kein Standing. Also auch die Franzosen sind viel viel weiter. Es gibt es viel mehr Clubs und sie haben viel viel mehr Turniere. In Deutschland ist es halt einfach schwierig. Es geht ja schon damit los, wenn du irgendwo in einer anderen Stadt einen Club aufmachen willst, gibt es die ganzen Hürden. Das geht damit los, dass du eine Trainingshalle brauchst. Das ist so schwierig, irgendwo Trainingszeiten zu bekommen. Und dann noch die deutsche Bürokratie, da brauchen wir gar nicht drüber reden...

Wieso sollte man sich Schachboxen auch mal live anschauen? 

Es ist die Stimmung! Ich kann es nicht anders beschreiben. Die Stimmung ist ganz anders als beim Schach oder beim Boxen. Es ist viel entspannter und es ist aber auch viel interessanter, weil einfach so viel passieren kann. Also ich kann nur vom ersten Schachboxturnier, was ich mir angeguckt habe, erzählen. Für mich als Schachspielerin, wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Da hat einer versucht, Schäfermatt zu setzen. Er hat den Läufer aber nicht nach c4, sondern nach b5 gestellt. Er hat aber trotzdem die Dame auf f7 reingehauen, quasi geopfert. Der hat am Ende noch im Schach gewonnen. Also es waren beides sehr, sehr gute Boxer. Aber dann hat sein Gegner dann irgendwann noch die Dame eingestellt. Das kann man sich so gar nicht vorstellen, weil man diese Intensität vom Boxen nicht versteht als Schachspieler, weil spätestens wenn man das das erste Mal hatte, dann merkt man einfach: Nach so einer Boxrunde sinkt die Elo doll ab.

Was hat dich dann bei den letzten Weltmeisterschaften, wo du auch gewonnen hast, doch einen Ticken besser gemacht als deine Gegnerinnen? Kannst du uns da irgendein Geheimnis verraten?

Es ist schwierig... Nicht aufgeben, egal wie doll man gehauen wird.

Und als kurze letzte Frage, eher Schachmatt oder eher K. O.?

Schachmatt, natürlich. Als Schachspielerin bleibt eigentlich nichts anderes übrig und ich meine, man hat es ja auch gesehen: Bei den ersten beiden Weltmeisterschaften, brauchte ich ja gar nicht boxen, was ich eigentlich sehr schade fand, weil ich hab mich aufs Boxen vorbereitet. Und dann komme ich an und spiel zweieinhalb Minuten Schach und denk mir so, hm, das war so eigentlich nicht geplant.

// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 36944

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