26. Januar 2026
Es wird zweifellos ein Highlight im Rahmen des Deutschen Schachgipfels im Juli. Das Schach960-Festival und die Deutsche Meisterschaft (17. - 19.07.2026) in dieser modernen Schach-Variante. Gemeinsam mit André Martin, dem DSB-Beauftragten für Schach960, will Ulrich Zenker, der Gründer der Schach960-Stiftung, in Dresden Fischer-Random-Schach voranbringen. Beim Schachgipfel lockt ein attraktives Preisgeld – Anmeldungen sind bereits möglich. Auch, nachdem der Weltverband FIDE die Variante offiziell anerkannt hat, geht der FIDE-Meister und Facharzt für Urologie aus Grafing bei München von einem weiteren Schub für Schach960 aus. Das DSB-Team Öffentlichkeitsarbeit hat Zenker interviewt. (mw)
Herr Zenker, Sie sind der Vorsitzende der Schach960-Stiftung. Wer und was verbirgt sich genau hinter der Stiftung? Was ist das Stiftungsziel?
Die Deutsche Schach960-Stiftung gibt es seit 2017. Sie ist eine von den Finanzbehörden anerkannte gemeinnützige Stiftung. Stiftungszweck ist, kurz zusammengefasst, die Förderung und Verbreitung von Schach960 im deutschsprachigen Raum. Juristisch gesehen ist eine Stiftung eine Einrichtung, die dauerhaft Vermögen verwaltet und die Erträge daraus, sowie die zufließenden Spenden, dem vom Stiftungsgründer festgelegten Stiftungszweck zukommen lässt. Ich würde tatsächlich daher eher von einem Stiftungszweck sprechen, nicht von einem Ziel. Die Stiftung wurde von mir gegründet und sie wird vom Stiftungsrat, der derzeit aus fünf Mitgliedern besteht, geleitet. Tatsächlich kommen alle zu verteilenden Gelder dem Schach960 zugute - die Stiftungsratsmitglieder verdienen wirklich nichts daran.
In einem Video auf Ihrer Seite schwärmen Sie regelrecht. Ich zitiere mal: „Das Spiel der Könige, seit Jahrtausenden gespielt – jetzt neu erfunden.“ Lassen Sie uns teilhaben an Ihrer Euphorie…
Sie haben das Image-Video auf der Homepage angesehen! Das freut mich sehr...
… Sie verkünden im Video: Die Zukunft beginnt. Ist Fischer-Random die Zukunft des Schachs?
Die Anerkennung von Chess960 durch die FIDE als offizielle Variante des Schachspiels ist aus meiner Sicht vergleichbar mit den umfangreichen Regeländerungen, die das klassische Schach im 15. Jahrhundert erfahren hat. Damals wurde zum Beispiel die Rochade eingeführt, der Doppelschritt des Bauern, das En-passant-Schlagen und die Zugmöglichkeiten der Dame wurden stark erweitert. Das alles hat, wie wir erleben, zu einer unglaublichen Steigerung der Attraktivität des Spiels geführt. Jetzt – im 21. Jahrhundert - haben wir 960 verschiedene Möglichkeiten, eine Schachpartie zu beginnen. Es steht für mich außer Frage, dass in einigen Jahrzehnten oder Jahrhunderten Schach960 die vorrangig gespielte Version des Schachs, zumindest des Turnierschachs, sein wird. Es ist Pionierarbeit, die aktuell von allen, die sich um die Verbreitung von Schach960 bemühen, geleistet wird. Pionierarbeit für die zukünftigen Generationen von Schachspielern.…Das alles, finde ich, ist im Image-Video sehr gut dargestellt.
Welche Vorteile hat diese Variante? Selbst Topspieler wie Magnus Carlsen sagen, sie lieben diese Variante mittlerweile deutlich mehr als klassisches Schach.
Der größte Vorteil ist natürlich, dass man keine konkreten Eröffnungsvarianten mehr lernen muss. Das gibt dem Turnierspieler, der viel Zeit ins Schach steckt, einen großen Rückgewinn an Freizeit. Zeit, die er zum Beispiel vor oder während eines Turniers für die Vorbereitung auf den nächsten Gegner investiert hat, kann er nun nutzen, um auch einmal entspannt eine Stadtbesichtigung oder etwas Ähnliches zu erleben. Ein weiterer Vorteil ist, dass man sicher sein kann, dass sich der Gegner nicht konkret auf einen vorbereitet hat. Ich habe es im klassischen Schach beispielsweise immer als Nachteil empfunden, dass sich ein Gegner gut auf mich vorbereiten kann, weil viele meiner Partien in den bekannten Datenbanken gespeichert sind – umgekehrt gilt das aber nicht unbedingt, etwa wenn mein Gegner aus einem fernen Land kommt, in dem viele seiner Schachpartien nicht so gut dokumentiert werden wie hierzulande. Und ein weiterer, nicht zu unterschätzender Vorteil ist, dass man lernt, mit ungewohnten Stellungsbildern umzugehen, was zweifellos nützlich ist, wenn in einer klassischen Partie mal eine komplizierte Stellung entstanden ist.
Für wen ist Schach960 besonders geeignet? Für schwächere Spieler, die in der Eröffnungstheorie nie so sicher sind? Und was kann die Variante Topspielern geben, um vielleicht ihre Kenntnisse zu verfeinern?
Grundsätzlich ist es nie zu spät, auch das Schach960 noch kennen zu lernen. Es scheint eine irrationale Angst - eine Angst vor dem Versagen oder vor einer peinlichen Niederlage vielleicht - unter vielen Spielern zu bestehen, die sie davon abhält, mit Schach960 zu beginnen. Aber diese Furcht ist völlig unbegründet. Selbst Routiniers, die jahrzehntelanges Eröffnungstraining mitbringen, werden sich an die anfangs neuen Stellungsbilder rasch gewöhnen und dann davon profitieren, dass sie ja auch jahrzehntelange Mittel- und Endspielpraxis haben. Es scheint mir, dass Spieler, die zum einen ein gutes Gespür für die Aktivität der Figuren haben, zum anderen sich aber auch gut mit Bauernstrukturen auskennen, am meisten von Schach960 profitieren. Ich denke, das gilt für Spieler aller Spielklassen gleichermaßen, auch für Großmeister.
Im Freestyle-Bereich wird demnächst in Weissenhaus der erste Weltmeister gekürt, die Serie von Henrik Büttner bietet hohe Preisgelder – inwiefern ist das die Zukunft des Schachs?
Inoffizielle Chess960-Weltmeisterschaften gab es schon Anfang dieses Jahrhunderts im Rahmen der Chess Classic Mainz. Die offiziellen Chess960-Weltmeisterschaften begannen 2019; aktueller Weltmeister ist Hikaru Nakamura, der den Titel 2022 gewann. Demnächst wird der nächste Weltmeister ermittelt. Ob auch in Zukunft so viel Geld ins Schach fließen wird wie es derzeit passiert, vermag ich nicht zu sagen. Solange der Gaming Boom im Internet anhält, wird das wohl auch dem Schach zugutekommen. Schade nur, dass nur der Spitzensport in den Genuss dieses Geldregens kommt.
Stehen Sie im Austausch mit dem Freestyle-Investor Henrik Büttner? Ist da irgendwann eine Zusammenarbeit denkbar? Freestyle-Turnierdirektor Sebastian Siebrecht hat jedenfalls deutsche Initiativen begrüßt, wie kürzlich die Deutsche Schach960-Meisterschaft im Berliner Olympiastadion zu spielen – oder auch Ihr Turnier beim Schachgipfel.
Ich habe Jan Henrik Büttner 2024 in Weissenhaus kennengelernt und ihm die Schach960-Stiftung vorgestellt. Er hat klar zu erkennen gegeben, dass für ihn die Förderung des Spitzensports oberste Priorität hat. Das verstehe ich und kann es auch gut akzeptieren. Mit den Erträgen und Spenden der Stiftung, das habe ich in der Stiftungssatzung so festgelegt, soll der Breitensport unterstützt werden. Dass mir das sehr wichtig ist, sieht man zum Beispiel an den relativ niedrigen Startgeldern und den vielen Ratingpreisen für mittelstarke Spielergruppen, die wir mit dem Schach960-Festival bieten.
Sie haben sich entschieden, beim Schachgipfel groß einzusteigen. Sie stellen als Stiftung ein Preisgeld von 10 000 Euro. Was versprechen Sie sich davon? Könnte Dresden Schach960 einen neuen Schub geben? Es gibt nicht nur die 3. Deutsche Meisterschaft in Schach960 beim Gipfel, sondern eben auch das von Ihnen angesprochene Schach960-Festival. Was steckt dahinter?
Das Internationale Schachfestival der Stiftung wird 2026 zum siebten Mal ausgetragen. Erfreulicherweise hat die Stiftung ein paar treue Spender, die den Preisfonds, der übrigens schon vom ersten Turnier an der gleiche ist, sicherstellen. Erstmalig findet das Turnier in Sachsen statt, bisherige Austragungsorte waren Bad Aibling, Berlin und Kiel – und natürlich wird das der Entwicklung von Schach960, speziell in Sachsen, guttun. Und dass das Turnier erstmalig in den Schachgipfel des Deutschen Schachbundes eingegliedert ist und sich der Sieger dann auch Deutscher Meister nennen darf, wird auf jeden Fall auch zu einer höheren Wahrnehmung von Schach960 in der deutschen Schachgemeinde führen.
Wie werden Sie diese Schachvariante in Dresden abseits der Bretter präsentieren?
Dazu verweise ich gerne auf meinen YouTube-Kanal, auf dem ich Schach960 präsentiere – in Form von Trainingsvideos, Berichten über Schach960-Turniere und Taktiktraining für Schach960. Seit 2017 sind mittlerweile schon weit über 400 Videos entstanden. Für Spieler, die ernsthaft an Schach960 interessiert sind und es erlernen wollen, dürfte dies ein riesengroßer Fundus an Lehrmaterial sein. Aber Achtung: Es sind nahezu ausnahmslos tiefgründige, fundierte Analysen von Schach960-Partien – keine seichte Unterhaltung, wie man es von vielen Videos auf YouTube kennt.
Schach960, in diesem Fall unter dem Begriff Freestyle - das grenke Schachfestival widmet sich auch 2026 wieder dieser Variante in Karlsruhe zurück – das grenke Freestyle Chess Open erhält dabei erstmals den Status eines Qualifikationsturniers für die FIDE Freestyle Chess Weltmeisterschaft. Vom 2. bis 6. April 2026 (Ostern) wird das Kongresszentrum in Karlsruhe einmal mehr zum Treffpunkt der internationalen Schachszene. Das Schachzentrum Baden-Baden richtet zusammen mit den beiden Partnern grenke AG und Freestyle Chess von Jan Henric Büttner die beiden Hauptturniere mit voraussichtlich etwa 3.000 Teilnehmern aus. Mit dabei sind der mehrfache Weltmeister Magnus Carlsen sowie Deutschlands Nummer eins Vincent Keymer. Das grenke Chess Festival 2026 umfasst erneut zwei gleichwertige Turniere: das grenke Freestyle Chess Open und das grenke Chess Open für klassisches Schach. Beide Wettbewerbe werden parallel, unter einem Dach und mit identischen Rahmenbedingungen ausgetragen. Ein Wechsel vom grenke Chess Open zum grenke Freestyle Chess Open istbis zur fünften Runde möglich – ein zentrales Merkmal des Karlsruher Formats. Das grenke Freestyle Chess Open ist das erste offene Turnier, das Qualifikationsplätze für die Weltmeisterschaft im Freestyle-Schach vergibt. Der Sieger des A-Opens qualifiziert sich für die FIDE Freestyle Chess Weltmeisterschaft 2027. Zusätzlich erhalten die drei bestplatzierten Frauen im A-Open Startplätze für die FIDE Freestyle Chess Frauenweltmeisterschaft 2026. Das grenke Freestyle Chess Open ist mit einem Gesamtpreisfonds von 215.000 Euro dotiert, davon 205.250 Euro im A-Open. Der Sieger erhält 60.000 Euro sowie das WM-Ticket. Die Anmeldung ist ab sofort über die Turnierwebseite möglich.
Unterdessen hat der DSB-Beauftragte für Schach960, der einige Visionen zu dieser Variannte hat, eine echte Neuerung zu verkünden: Die DSJ wird ein Schach960-Turnier in das Rahmenprogramm der Jugend-Einzelmeisterschaften in Willingen im Sommer aufnehmen. Der erste Schritt zu offiziellen Jugendmeisterschaften.(mw)
// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 36916