Polen gewinnt die IBCA-Weltmeisterschaft - Deutschland belegt Rang 9

14. Juli 2022

Gert Schulz, Thorsten Mueller, Wilfried Bode, Olaf Dobierzin, Frank Schellmann, Gerhard Dyballa, Begleiterin Elisabeth Dyballa, Begleiterin Luise Schellmann

Gert Schulz und Gerhard Dyballa erkämpften Brettmedaillen

Die 9. IBCA-Mannschaftsweltmeisterschaft der Blinden und Sehbehinderten fand vom 28. Juni bis 7. Juli 2022 in Ohrid, Nordmazedonien statt. Wir waren im 4-Sterne-Metropol-Hotel untergebracht, direkt am Ohridsee.

Für dieses Turnier qualifizierten sich die bestplatzierten 16 Teams der letzten Schacholympiade der IBCA. Russland wurde wegen des Überfalls auf die Ukraine vom Turnier ausgeschlossen.

Zunächst wurde in zwei Gruppen im Rundensystem gespielt. Anschließend folgten die Halbfinals und das Finale. Jeder Platz wurde damit ausgespielt. Deutschland wurde auf Setzlistenplatz zwei in der „roten“ Gruppe geführt und spielte in der Aufstellung:

Brett Name Elo
1 Thorsten Mueller 2056
2 Olaf Dobierzin 2007
3 Frank Schellmann 2009
4 Gert Schulz 1931
5 Gerhard Dyballa 1912

Mannschaftsführer (Kapitän) war der Bundestrainer des Deutschen Blinden- und Sehbehinderten-Schachbundes (DBSB) Wilfried Bode.

Vorrunde Gruppe Rot

1. Runde

Br. Deutschland Elo 2½:1½ Israel Elo
1 Thorsten Mueller 2056 ½:½ Alexej Strelzow 2229
2 Olaf Dobierzin 2007 1:0 Yan Radovilsky 2094
3 CM Frank Schellmann 2009 0:1 Adi Akman 2002
4 Gert Schulz 1931 1:0 Yonatan Agmon 1697
Deutschland gegen Isarel in Runde 1. Vorn Thorsten Mueller gegen Alexej Strelzow. Neben Mueller sitzt Olaf Dobierzin und links stehend Bundestrainer Wilfried Bode.

Deutschland bezwang in der 1. Runde Israel mit 2½:1½. Gert Schulz machte mit seinem Gegner kurzen Prozess und gewann schnell. Nach Schellmanns Zeitnotniederlage knüpfte Thorsten Mueller dem spielstarken Alexej Strelzow einen halben Punkt ab. Es stand 1½:1½ und die Zeitnotschlacht auf dem 2. Brett entschied den Mannschaftskampf. In den letzten verbliebenen zwei Minuten gewann Olaf Dobierzin einen Turm und damit auch seine Partie.

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D02

2. Runde

Br. Serbien Elo 1:3 Deutschland Elo
1 FM Pavle Dimic 2356 ½:½ Thorsten Mueller 2056
2 CM Damjan Jandric 2145 0:1 Olaf Dobierzin 2007
3 Stefan Janjic 2144 ½:½ CM Frank Schellmann 2009
4 Mile Bjelanovic 2015 0:1 Gert Schulz 1931

Deutschlands 3:1-Sieg gegen die favorisierte Mannschaft aus Serbien war nicht die größte Sensation der 2. Runde, sondern der ganzen Weltmeisterschaft. Nachdem Frank Schellmann sich mit seinem starken Gegner den Punkt geteilt und Gert Schulz seine Partie gewonnen hatte, stellte Olaf Dobierzin seinen Gegner eine Falle, indem er ihm eine Dame anbot. Nachdem Olafs Dame geschlagen wurde, gab sein Gegner einen Zug vor dem Mattsetzen die Partie auf. Daraufhin einigte sich Thorsten Mueller mit seinem Gegner auf ein Unentschieden.

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D45

3. Runde

Br. Deutschland Elo 2½:1½ Kroatien Elo
1 Thorsten Mueller 2056 1:0 Hinko Cajzler 2081
2 CM Frank Schellmann 2009 0:1 Miso Culjak 1675
3 Gert Schulz 1931 1:0 Novica Drazetic 1605
4 Gerhard Dyballa 1912 ½:½ Kresimir Kljaic 1543

In der 3. Runde wurde Kroatien mit 2½:1½ geschlagen. Weil Serbien die bis dahin führende Mannschaft aus Spanien 4:0 deklassierte, eroberte Deutschland den ersten Gruppenplatz. Gert Schulz gewann seine dritte Partie und Thorsten Mueller stand viel besser. Ich (der Berichterstatter Gerhard Dyballa) bot nach einer Absprache mit unserem Bundestrainer Wilfried Bode in einer unklaren Stellung Remis an, das mein Gegner annahm. Am Ende gab Mueller seinem Gegner keine Chance, sodass Schellmanns Zeitnotniederlage keine Bedeutung für unseren Mannschaftssieg hatte.

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A80

4. Runde

Br. Deutschland Elo 1½:2½ Spanien Elo
1 Thorsten Mueller 2056 0:1 IM Daniel Eduardo Pulvett Marin 2523
2 Olaf Dobierzin 2007 0:1 Gavril Draghici Flutur 2100
3 CM Frank Schellmann 2009 1:0 Jose Manuel Vela Ignacio 2026
4 Gert Schulz 1931 ½:½ Agustin Fernandez Manrique 2022

In der 4. Runde mussten wir unsere erste Niederlage mit 1:3 gegen Spanien hinnehmen. Gert Schulz erreichte nach der Eröffnung eine ausgeglichene Stellung und gab sich mit der Punkteteilung zufrieden. Frank Schellmann erkämpfte den einzigen vollen Punkt. Am 1. Brett spielte Thorsten Mueller gegen den am 1. Rang (Elo 2523) gesetzten ehemaligen Venezolaner Daniel Eduardo Pulvett Marin und unterlag nach einem langen und harten Kampf. Auch Olaf Dobierzin verlor in Zeitnot seine Partie.

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D02

5. Runde

Br. Indien Elo 2:2 Deutschland Elo
1 Kumar Pradhan Soundarya 1782 1:0 Thorsten Mueller 2056
2 Gangolli Kishan 2092 1:0 Olaf Dobierzin 2007
3 K Marimuthu 1626 0:1 Gert Schulz 1931
4 Shah Swapanil 1652 0:1 Gerhard Dyballa 1912
Gerhard Dyballa gegen Shah Swapanil (vorn)

Unser Spitzenbrett hatte vor dem Mannschaftskampf gegen Indien in der 5. Runde bereits morgens große Probleme mit seinen Augen und sah während seiner Partie alles nur verschwommen. Da die Mannschaften schon am Vortag aufgestellt und gemeldet werden mussten, spielte er aber trotzdem. Am 4. Brett kannte ich mich besser als mein indischer Gegner in der Eröffnung aus und verbuchte schon schnell den ersten vollen Punkt auf dem heutigen Punktekonto. Nach den Niederlagen von Thorsten Mueller und Olaf Dobierzin rettete uns Gert Schulz mit seinem verdienten Sieg zum 2:2-Unentschieden.

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D46

6. Runde

Br. Deutschland Elo 1½:2½ Nordmazedonien Elo
1 Olaf Dobierzin 2007 ½:½ Zarko Selkovski 1967
2 CM Frank Schellmann 2009 ½:½ Mile Capanov 1951
3 Gert Schulz 1931 0:1 Zoran Kostadinovski 1913
4 Gerhard Dyballa 1912 ½:½ K.Sande Atanasov 1853
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B42

7. Runde

Br. Italien Elo 3:1 Deutschland Elo
1 Franco Antonini 2082 1:0 Thorsten Mueller 2056
2 Marco Casadei 1987 1:0 Olaf Dobierzin 2007
3 Bersan Vrioni 1934 ½:½ CM Frank Schellmann 2009
4 Giancarlo Badano 1799 ½:½ Gerhard Dyballa 1912

Leider verloren wir unsere Mannschaftskämpfe in der 6. Runde mit 1½:2½ gegen Nordmazedonien und in der in der Schlussrunde der Gruppenphase deutlich mit 1:3 gegen Italien.

Gegen Nordmazedonien erzielten Gerhard Dyballa, Frank Schellmann und Olaf Dobierzin je ein Unentschieden. Gert Schulz verlor seine einzige Partie bei der Weltmeisterschaft. Der Kampf gegen Italien fing mit einem Remis von Frank Schellmann an. Nach den Niederlagen von Olaf Dobierzin und Thorsten Mueller geriet ich zwar gegen den schnell spielenden Giancarlo Badano leicht ins Wanken, rettete aber schließlich ein für den weiteren Verlauf des Turniers wichtiges Remis ins Ziel.

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C01

Damit stand Deutschland nach 7 Runden einen halben Brettpunkt vor Italien auf dem 5. Platz. Die ersten vier Plätze belegten Serbien, Spanien, Indien und Israel. Unsere Gruppe war sehr ausgeglichen. Die nordmazedonische Mannschaft belegte den 7. Gruppenplatz mit 7 Punkten, wie Indien auf dem 4. Platz.

Pl. Mannschaft Land MP BP 1 2 3 4 5 6 7 8
1. Serbien 10 20,0 x 4 2 2 1 4
2. Spanien 10 16,0 0 x 2 3 3 2
3. Indien 8 15,5 2 2 x 2 2
4. Israel 7 15,0 2 1 2 x 2 3
5. Deutschland 7 14,0 3 2 x 1
6. Italien 7 13,5 0 1 2 3 x
7. Nordmazedonien 7 12,0 ½ 2 ½ x
8. Kroatien 0 6,0 ½ ½ ½ 1 ½ x
Ludwig Beutelhoff 2016. Er verstarb am 27. März 2022.

Am Ruhetag vor den Playoffs organisierten die Mazedonier einen kostenlosen Bootsausflug auf dem Ohridsee zum Kloster Sankt Naum. Am Abend kamen Spieler und Funktionäre zusammen, um das Leben von Dr. Ludwig Beutelhoff zu würdigen, dem ehemaligen IBCA-Präsidenten (2005-2017), der im Alter von 74 Jahren verstorben war. Die 2. Vizepräsidentin der IBCA, Frau Diana Tsypina aus Kanada, las eine Ehrung im Namen der IBCA vor, die Dr. Beutelhoff gedachte und seine zahlreichen Errungenschaften beschrieb. Dann teilte u. a. unser Bundestrainer Wilfried Bode mit, wie der Verstorbene sein Leben veränderte. Ehrengast dieser Gedenkfeier war dessen Witwe Christine.

Vorrunde Gruppe Gelb

In der "gelben Gruppe" spielten Polen, Rumänien, Ukraine, Ungarn, Bulgarien, Slowenien, Frankreich und der Kosovo. Polen, Ukraine und Ungarn machten die ersten drei Plätze unter sich aus und deklassierten alle anderen Mannschaften. Polen spielte nur einmal 2:2-Unentschieden gegen die Ukraine und gewann alle anderen Mannschaftskämpfe. Die Ukraine teilte sich die Punkte außer mit Polen auch mit Ungarn.

Pl. Mannschaft Land MP BP 1 2 3 4 5 6 7 8
1. Polen 13 23,0 x 2 4 4
2. Ukraine 12 20,5 2 x 2 3 4
3. Ungarn 11 17,5 ½ 2 x 3 3 4
4. Rumänien 6 13,0 0 1 x 4 2 2
5. Frankreich 6 10,5 ½ 0 1 0 x 3
6. Bulgarien 4 13,5 1 2 x 4 2
7. Slowenien 2 8,5 ½ ½ ½ 0 x 4
8. Kosovo 2 5,5 0 ½ 0 2 1 2 0 x

Halbfinale und Finale

Spiele um Platz 1-4

Nr. Mannschaft Elo - Mannschaft Elo
Halbfinale Polen 2245 2,5:1,5 Spanien 2168
Halbfinale Serbien 2188 3,5:0,5 Ukraine 2136
Platz 3 Ukraine 2136 2,0:2,0 Spanien 2168
Platz 1 Serbien 2188 2,0:2,0 Polen 2245

In den letzten zwei Tagen wurden die Entscheidungsspiele ausgetragen. Im Halbfinale der besten Vier setzte sich Polen gegen Spanien mit 2½:1½ durch, während Serbien die Ukraine mit 3½:½ deklassierte.
Um den Meistertitel kämpften Serbien gegen Polen und um die Bronzemedaille spielten die Ukraine gegen Spanien. Beide hart umkämpften Spiele endeten mit einem 2:2-Unentschieden, sodass die Punkte der Gruppenphase für die Platzierungen von Polen und der Ukraine entscheidend waren.

Brett Polen
Serbien
Ukraine
1 GM Marcin Tazbir FM Pavle Dimic Wladislawv Kolpakow
2 IM Jacek Stachanczyk CM Damjan Jandric Igor Schepeljew
3 IM Piotr Dukaczewski Stefan Janjic WIM Lubow Silzowa-Lisenko
4 Ryszard Suder Mile Bjelanovic Iwan Jazischin
5 Michal Wolanski FM Sretko Avram  
6 Andrzej Migala    
WM-Gold für Polen

Spiele um Platz 5-8

Nr. Mannschaft Elo - Mannschaft Elo
Halbfinale Ungarn 2155 2,0:2,0 Israel 2006
Halbfinale Indien 1788 2,5:1,5 Rumänien 1952
Platz 7 Rumänien 1952 1,0:3,0 Israel 2006
Platz 5 Indien 1788 2,0:2,0 Ungarn 2155

Spiele um Platz 9-12

Nr. Mannschaft Elo - Mannschaft Elo
Halbfinale Frankreich 1747 2,0:2,0 Italien 1951
Halbfinale Deutschland 2001 2,5:1,5 Bulgarien 1887
Platz 11 Bulgarien 1887 3,5:0,5 Frankreich 1747
Platz 9 Italien 1951 2,0:2,0 Deutschland 2001
Br. Deutschland Elo 2½:1½ Bulgarien Elo
1 Thorsten Mueller 2056 ½:½ IM Rasim Nizam 2168
2 CM Frank Schellmann 2009 1:0 Ljubomir Ivanov 1792
3 Gert Schulz 1931 1:0 Todor St. Georgiev 1795
4 Gerhard Dyballa 1912 0:1 Petko Patev 1792

Deutschland bezwang Bulgarien mit 2½:1½. Ich tauschte in einer unklaren Stellung unglücklich die Damen und gab die Partie nach 51 Zügen auf. Gert Schulz und Frank Schellmann gewannen ihre Partien und Thorsten Mueller sicherte mit seinem Unentschieden den Mannschaftssieg.

Unser Gegner um den 9. Platz wurde im Spiel Frankreich gegen Italien ermittelt, das 2:2 endete. Da aber Italien in der Gruppenphase 7 und Frankreich nur 6 Mannschaftspunkte erkämpfte, spielten wir am Tag darauf zum zweiten Mal gegen Italien.

Br. Italien Elo 2:2 Deutschland Elo
1 Franco Antonini 2082 1:0 Thorsten Mueller 2056
2 Marco Casadei 1987 ½:½ Olaf Dobierzin 2007
3 Bersan Vrioni 1934 ½:½ CM Frank Schellmann 2009
4 Giancarlo Badano 1799 0:1 Gert Schulz 1931

Auch Deutschland spielte 2:2 gegen Italien, wobei das Ergebnis der Gruppenphase uns den 9. Platz bescherte. Gert Schulz gewann schnell seine Partie und mit beiden Remisen von Olaf Dobierzin und Frank Schellmann kamen wir zu den nötigen zwei Punkten.

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A46

Spiele um Platz 13-16

Nr. Mannschaft Elo - Mannschaft Elo
Halbfinale Slowenien 1852 3,0:1,0 Kroatien 1796
Halbfinale Nordmazedonien 1921 3,0:1,0 Kosovo 1593
Platz 15 Kroatien 1796 3,5:0,5 Kosovo 1593
Platz 13 Slowenien 1852 2,5:1,5 Nordmazedonien 1921

Endstand

Pl. Mannschaft Land
1. Polen
2. Serbien
3. Ukraine
4. Spanien
5. Ungarn
6. Indien
7. Israel
8. Rumänien
9. Deutschland
10. Italien
11. Bulgarien
12. Frankreich
13. Slowenien
14. Nordmazedonien
15. Kroatien
16. Kosovo

Nach unserem Raketenstart mit 6 Mannschaftspunkten aus 3 Spielen erhofften wir uns natürlich mehr als den 9. Platz.
Bei der Siegerehrung verbesserte sich unsere Laune. Gert Schulz erkämpfte am 4. Brett die Silber- und ich am Ersatzbrett die Bronzemedaille. Der Bundestrainer des DBSB Wilfried Bode bereitete einzeln die Spieler auf die Partien vor, analysierte diese mit ihnen und stand jederzeit mit guten Ratschlägen zur Verfügung. Auch die Begleiter hatten ihren Anteil an unserem Spiel. Luise Schellmann, Manuela Wich und Elisabeth Dyballa betreuten uns herzlich und gingen auf unsere Wünsche und Bedürfnisse ein.

Gerhard Dyballa
Pressewart des DBSB

// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 10968

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