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Schachfreunde und Weggefährten nahmen Abschied von Fritz Baumbach

28. Juli 2025

Familiengrab mit Bildnis von Fritz Baumbach

Am 24. April 2025 verstarb mit Friedrich "Fritz" Baumbach einer der bekanntesten Fernschachspieler der Welt, der 1988 als zweiter Deutscher nach Horst Rittner (1971) Weltmeister im Fernschach wurde - zu einer Zeit, als Computer im Fernschach noch keine Rolle spielten. Seine hohe Spielstärke im Nahschach (DDR-Meister 1970) und seine analytischen Fähigkeiten verhalfen ihm zu diesen Erfolg.

Fritz Baumbach, der von 1993 bis 2010 Präsident des Deutschen Fernschachbundes war, wurde am 25. Juli auf dem Auferstehungsfriedhof in Berlin-Weißensee, Indira-Gandhi-Straße 110 beigesetzt. Die Trauerfeier fand in engstem familiären Rahmen statt. Doch auch seine Vereinskameraden und Weggefährten hatten nur wenige Stunden später die Möglichkeit Fritz ihre letzte Ehre zu erweisen. Sein letzter Verein, der Schachclub Friesen Lichtenberg, hatte die Trauerfeier organisiert und rund zwanzig Freunde verabschiedeten sich von Fritz:

Trauergesellschaft, links Marko Schmidt

Neben dem Vorsitzendes des SC Friesen Lichtenberg, Marko Schmidt, waren u.a. erschienen: GM Raj Tischbierek, Fernschach-GM Dr. Matthias Kribben, Uwe und Heidrun Bade, Stefan Lüdtge, Georg Billing, Dieter Eisenträger, Dr. Lutz Kühnemund, Fernschach-GM Horst Handel (er war mit Fritz im Bronze-DDR-Team bei der 1995 beendeten Fernschach-Olympiade), Luca Mankel, Ralf Rennoch, Wolfgang Junge, Karl-Heinz Ollek, Frank Binding, Ulrich Fitzke, Danilo Scholta und einige andere Freunde.

Marko Schmidt hielt eine Rede am Grab von Fritz:

Danke, dass ihr alle gekommen seid. Ich denke, das hätte den Fritz gefreut. Die Sonne kommt raus, seine alten Weggefährten sind hier. Wenn ihr mir erlaubt, würde ich es mit ein paar Worten versuchen ihn zu würdigen, obwohl es natürlich deutlich ältere Freunde gibt, die ihn besser kannten.

Seine Erfolge - ungezählt, in der Mannschaft und im Einzel. DDR-Jugendmeister, DDR-Meister, Weltmeister, Olympiasieger und viele Anekdoten. Die bekannteste sicherlich die mit der letzten Medaille für die DDR im Fernschach. Meine Lieblingsanekdote ist aber die mit dem Briefkasten, wo er eine Fernschachkarte schon eingeworfen hatte, und dann in der Nacht nochmal ins Grübeln kam, ob es denn wirklich der richtige Zug ist. Er fing den Postboten ab, um ihm die Karte abzunehmen, was dieser auch gemacht hat.
Wenn ich mich recht erinnere, hat er den gleichen Zug dann trotzdem abgegeben. Ich selbst spiele keinen Fernschach, aber ich denke mal, gerade in der Vorcomputerzeit hatte man so noch eine Sicherung.

Fritz hat sehr oft und mit Stolz erzählt, dass er, als er nach Berlin kam, streng genommen nur in einen Schachverein Mitglied war. Das Ganze fing an bei Lichtenberg 47, er wechselte dann einmal, ich glaube zu Oberschöneweide. Über mehrere Umbenennungen und Fusionen landete er 1997 letzten Endes wieder am Anfang, beim Nachfolger der SG Lichtenberg 47, beim SC Friesen Lichtenberg. Er traf dort auch alte Weggefährten mit Helmut Kuzaj und Dieter Lentschu, mit denen er in der Jugendmannschaft, ich glaube 1951 war es, den DDR-Meistertitel errungen hatten. Dazu gehörte auch noch Olaf Thal, der kam später auch wieder zu Friesen zurück. Der Kreis hatte sich geschlossen.

Ich erzählte meinem Vater, dass jetzt in meinem Verein ein Weltmeister spielt: Fritz Baumbach. Mein Vater verfügte über ein sehr breites Sportwissen, aber allzu viele Schachspieler zu der damaligen Zeit hätte er vermutlich nicht nennen können. Aber Fritz Baumbach war ihm ein Begriff: "Was der Fritz Baumbach spielt in Deinem Krauterverein?!"
Ja, so war es. Da kreuzten sich unsere Wege. Am Anfang stand ich hinter seinem Brett, bei zahllosen Oberligakämpfen oder auch beim Mannschaft-Pokalfinale, das Friesen einmal erreicht hatte. Aber in den späteren Jahren, er spielte sehr gerne unser Vereinspokalturnier mit, kreuzten sich einmal unsere Wege. Das war eine sehr kurze Partie, die auch nicht zu Unrecht als verschollen gilt. Aber sie wurde gespielt. Und vor fünf Jahren, würde ich denken, in der Vor-Corona-Zeit, führte uns die Personalnot einmal in einer Mannschaft zusammen: Berliner Mannschaftspokal, Spiel um Platz 3. Hier natürlich Fritz am Spitzenbrett und ich am letzten Brett 4. Eine neue Flügelzange ist nicht entstanden, zusammen holten wir einen halben Punkt.

Sein letztes großes Turnier, das haben sicherlich alle gelesen, war das Nestorenturnier des DSB in Undeloh. Über diesen Turniersieg war er sehr, sehr stolz. Das hat ihm wirklich viel bedeutet. Er hat in unserem Verein noch zwei Wochen vor seinem Tod darüber einen Vortrag gehalten. Ich kam leider zu spät. Und das war überhaupt nicht abzusehen, dass das sein letzter Auftritt sein würde. Aber so war es dann leider.

Ja, und letzte Woche ist auch noch einer seiner ältesten Weggefährten, Hermann Brameyer verstorben. Von daher würde ich euch bitten, eine große Gedenkminute abzuhalten, und dann kann sich jeder selbst am Grab verabschieden.

Persönliche Worte von Uwe Bade

Uwe Bade

Uwe Bade, Internationaler Meister im Fernschach und Internationaler Schiedsrichter im Nahschach, sprach noch einige persönliche Worte am Grab seines Freundes:

Ich war Mitglied im Sportclub Motor Berlin. Einer meiner Sportkameraden war Dr. Fritz Baumbach. 70 Jahre Sportfreundschaft in einem Verein, mit kurzen Unterbrechungen, Studium und so weiter. Fritz, ich danke dir für die vielen Stunden, die wir zusammen verbracht haben.

Fritz Baumbach (* 08.09.1935; † 24.04.2025)

// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 11632

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