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Foto: Stev Bonhage / Deutscher Schachbund

Schiedsrichter - eine Lebensaufgabe.

22. September 2026

Horst Metzing und Christian Krause erhielten die Ehrenauszeichnung der FIDE

Die FIDE ehrt Horst Metzing und Christian Krause, die beide für den deutschen Schachsport enormen Einsatz gezeigt haben - und das auf großer internationaler Bühne.

Die Mail der FIDE kam ein wenig kurzfristig. Am Tag vor der Ehrung. So, dass es den beiden Herren schwer möglich gewesen wäre, rechtzeitig bei der Übergabe des Preises in Samarkand zu sein. Um genau zu sein, hatten sie die Mail am Tag der Ehrung – dem heutigen Dienstag - noch gar nicht gelesen. Und so gelang es der DSB-Öffentlichkeitsarbeit, Horst Metzing und Christian Krause zu überraschen. Übrigens mit höchst unterschiedlichen Reaktionen auf die Ehrung, die den beiden beim FIDE-Schiedsrichter-Kongress, am Rande der Olympiade in Usbekistan, zuteil wurde. Dort wurde ihnen der FIDE-Schiedsrichterpreis 2026 verliehen. „Eine Auszeichnung, die Sie sich für Ihre über 35-jährige Tätigkeit als internationaler Schiedsrichter und Ihren Einsatz bei den wichtigsten Schachturnieren der Welt redlich verdient haben“, schreibt die FIDE.

DSB-Vize Jürgen Klüners: Beeindruckend, was beide geleistet haben

DSB-Vizepräsident Jürgen Klüners, seines Zeichens selbst Schiedsrichter, nahm die Auszeichnung für die beiden mit ins Gepäck für seine Rückreise nach Deutschland. „Ich habe mich sehr gefreut, dass ich bei einer sehr gut besuchten Sitzung der Schiedsrichterkommission der FIDE diese Preise als Vizepräsident Sport entgegennehmen durfte“, sagte Professor Klüners, „bei der Blitz- und Rapid-Weltmeisterschaft 2015 in Berlin hatte ich die Ehre gemeinsam mit Horst Metzing im Schiedsrichterteam zu sein. Christian Krause konnte ich auf mehreren Schach-Olympiaden persönlich treffen, wo er im TAP-Team (zuständig für die Auslosung) tätig war. Diese langjährigen Tätigkeiten als Schiedsrichter sind beeindruckend, zumal wenn man berücksichtigt, dass sie in anderen Bereichen noch mehr geleistet haben.“

Krause: Bei 16 Olympiaden dabei. "Und all die Jahre skandalfrei."

Christian Krause

Bei Christian Krause war die Freude riesig. „Mensch“, sagt er, „ich habe gar nicht gedacht, dass da noch etwas kommt.“ 2018, bei der 43. Olympiade in Batumi, hatte er bereits einen Schiedsrichter-Award bekommen, nun also die nächste Ehrung. „Weil ich all die Jahre skandalfrei geblieben bin“, sagt er und lacht. In Schiedsrichter-Kreisen ist der 84-Jährige ohne Frage eine Legende. Bei 16 Olympiaden war er dabei, oft in der Turnierleitung. Die erste Olympiade: 1980 auf Malta. Damals war er noch gar nicht als Referee lizenziert - und wusste bei der Anreise auf Einladung der Malteser gar nicht, welchen Job er letztlich vor Ort machen würde. Er landete als Schiedsrichter am letzten Damenbrett. „Die Olympiade auf Malta war ein wenig chaotisch“, sagt er, „schlecht durchgeführt.“ Aber wegweisend für ihn.

Denn er selbst hatte auf Malta, wo er zuvor schon einige Turniere spielte, Blut geleckt: Schon drei Jahre später hatte er seine Lizenz als Internationaler Schiedsrichter in der Tasche. Die gilt lebenslang, allein seine deutsche Schiedsrichter-Lizenz hat aktuell keine Gültigkeit mehr. „Das heißt, ich könnte keine Bundesliga pfeifen“, sagt Krause, der noch regelmäßig bei nationalen Turnieren wie dem Schachfestival in Bad Wörishofen als Referee im Einsatz ist, „aber Bundesliga war auch nie mein Ding.“ Das Schiedsrichtern, sagt er, habe ihm sehr viel gegeben, der Schachsport überhaupt.

In Schach-Deutschland kennt man ihn vor allem als einst wichtigsten Mann für die FIDE-Titel und Elo-Zahlen der deutschen Schachspielerinnen und Schachspieler. Bis 2017 war er FIDE-Rating-Officer des DSB. Und das alles neben einer steilen beruflichen Karriere: Krause studierte Mathematik und arbeitete danach als Mathematiker und Systemanalytiker. 1974 schuf er das erste Fingerabdruck-Abgleichprogramm weltweit. Es wurde von der Polizei genutzt, um Teilfingerabdrücke am Tatort mit einer vollständigen Datenbank abzugleichen. 1981 entwickelte er das Programm PROTOS zur Verwaltung von Schachturnieren nach Schweizer System.

Christian Krause spielt seit 1958 Schach. Noch heute absolviert der ehemalige Bundesligaspieler vom SC München 1836, der in Mühldorf wohnt, Mannschaftskämpfe für den SK Töging. „Mir geht es gut, ich bin zufrieden. Was will man mehr?“

Metzing: Schiedsrichter im Nebenjob.

Horst Metzing

Horst Metzing erreichen wir in Kleinmachnow. Das ist nicht selbstverständlich, weil er auch häufiger die gute Nordseeluft in Heide, Holstein, genießt. „Ich würde sagen: 80 Prozent Brandenburg, 20 Prozent Heide. Die Berliner Nähe ist mir schon noch wichtig“, sagt er. Die Ehrung hat ihn ein wenig überrascht, sei doch „die Schiedsrichter-Tätigkeit nur ein Nebenprodukt gewesen“. In einer Schach-Karriere, die seinesgleichen sucht. Horst Metzing war von 1976 bis 2013 Geschäftsführer des Deutschen Schachbundes und von 1998 bis 2010 Generalsekretär der Europäischen Schachunion (ECU). Seit 1984 ist er zudem lizenzierter Internationaler Schiedsrichter und war 1993 stellvertretender Hauptschiedsrichter beim FIDE-Weltmeisterschaftskampf zwischen Anatoli Karpow und Jan Timman. 1997 in Luzern (Schweiz) war er Hauptschiedsrichter bei der Mannschaftsweltmeisterschaft.

Diese beiden Events seien im Grunde seine Highlights gewesen, sagt der 78-Jährige. Die Freude: dezent. Zumindest weniger überschwänglich als bei Christian Krause. „Ich bin ein wenig überrascht.“ Sein letztes großes Turnier sei auch schon zehn Jahre her: Die Blitz-WM 2015 in Berlin. „Meistens bin ich als Schiedsrichter ja nur irgendwo eingesprungen, wenn Not am Mann war“, sagt Horst Metzing, „ich hatte ja so viele andere Aufgaben im Schach. Aber ja, die Tätigkeit als Schiedsrichter war auch interessant.“ (mw)

Die FIDE hebt bei ihrer Ehrung folgende Tätigkeiten hervor:

Christian Krause:

  • Internationaler Schiedsrichter seit 1983
  • Ehemaliger FIDE-Ratingbeauftragter für Deutschland
  • Schiedsrichter bei 16 (!) Schacholympiaden (von 1980 bis 2016; bei 8 Olympiaden Mitglied des TAP (von 1992 bis 2016)
  • Schiedsrichter bei einigen Senioren-Weltmeisterschaften und Europameisterschaften
  • 1981: PROTOS = FIDE-zertifizierte Software zur Organisation von Schweizer Systemturnieren
  • 1992: Vorsitzender der FIDE-Kommission für Paarungssysteme und Programme
  • 1994–2010: Mitglied der FIDE-Regelkommission

Horst Metzing:

  • Internationaler Schiedsrichter seit 1984
  • Ehemaliger Sportdirektor des Deutschen Schachbundes
  • Kortschnoi - Portisch 1983
  • WM-Match Karpow - Timman 1993
  • Mannschafts-WM 1997 Luzern (Hauptschiedsrichter)
  • Schnellschach- und Blitz-WM 2015

// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 37165

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