† Siegfried Müller

10. Juli 2026

Siegfried Müller (* 24.01.1948; † 19.06.2026), undatiertes Foto

Präsident des Schachverbandes Sachsen 1998–2004

Am 19. Juni 2026 ist Siegfried Müller verstorben. Mit ihm verliert der sächsische und der deutsche Schachsport einen seiner verdientesten Funktionäre – einen Mann, der über Jahrzehnte hinweg mit Herzblut, Organisationstalent und feinem Humor für das Schach in der Oberlausitz, in Sachsen und weit darüber hinaus gewirkt hat.

Präsident des Schachverbandes Sachsen

Siegfried Müller übernahm 1998 das Amt des Präsidenten des Schachverbandes Sachsen – eigentlich, so heißt es, sollte es nur für ein Jahr sein. Daraus wurde eine Amtszeit bis 2004. In dieser Zeit kümmerte er sich intensiv um die Nachwuchsarbeit, vertrat den Verband bei großen Ereignissen wie dem Auftritt der Polgar-Schwestern in Dresden 1998 und baute die Zusammenarbeit mit den polnischen Schachfreunden aus: Im August 2002 reiste er mit einer sächsischen Delegation zu Gesprächen mit dem Nieder­schlesischen Schachbund nach Polanica Zdrój, um den grenzüberschreitenden Nachwuchsaustausch zu vertiefen – Ergebnis waren unter anderem gegenseitige Einladungen zu Jugendturnieren in Sebnitz und zum Dresdner Porzellan-Cup.

Organisator des DSB-Jubiläums 2002 in Leipzig

Das unbestrittene Highlight seiner Amtszeit war die Organisation und Durchführung der Feierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen des Deutschen Schachbundes im Mai 2002 in Leipzig – jener Stadt, in der der DSB 1877 gegründet worden war und in der 1990 auch die Wiedervereinigung mit dem Deutschen Schachverband der DDR besiegelt worden war. Gemeinsam mit einem eigens gebildeten Jubiläumsausschuss und zahlreichen sächsischen Helferinnen und Helfern gestaltete Müller eine ganze „Schachwoche“: vom Mitropacup über den Bundeskongress bis zum Festakt im Neuen Rathaus, bei dem unter anderem Bundesinnenminister Otto Schily, Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt und der frühere Weltmeister Anatoli Karpow zu Gast waren. Als Präsident des gastgebenden Landesverbandes richtete Müller das Grußwort an die Delegierten des Bundeskongresses und übergab am Ende traditionsgemäß die Glocke des Versammlungsleiters an seinen Amtskollegen aus Brandenburg.

Wer ihn in jenen Tagen erlebte, erinnert sich auch an seinen trockenen Humor: Beim Qualifikationsturnier zur 1. Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft in Dresden tröstete er im Grußwort alle nicht für das Finale in Leipzig qualifizierten Teilnehmer mit den Worten, sie hätten „nur Pech gehabt“ – und bewies beim Turnieraufbau gemeinsam mit den Präsidenten Alfred Schlya (DSB) und Günther Müller (Rheinland-Pfalz), dass auch Schachpräsidenten „etwas von Schach verstehen“.

Weiteres Wirken nach der Präsidentschaft

Auch nach dem großen Jubiläumsjahr blieb Siegfried Müller dem Schach treu ergeben. 2004 gewann er den Dresdner Orland Krug für die Rolle des DSJ-Maskottchens „Chessy“, das seither bei Turnieren in ganz Deutschland Kinder wie Erwachsene begeistert – Premiere hatte die Figur bei der Frauen-Europameisterschaft 2004 in Dresden.

Nach seiner Amtszeit als Präsident wirkte Müller noch viele Jahre als Vizepräsident des Schachverbandes Sachsen (zuletzt beim Verbandstag 2008 im Amt bestätigt) sowie als Mitglied von dessen Struktur- und Lehrkommission; auf Bundesebene brachte er sich unter anderem in der paritätischen Satzungskommission des Deutschen Schachbundes ein. Von 2007 bis 2009 stand er dem SV Görlitz 1990 e. V. als Vorsitzender vor, bis 2015 leitete er den Kreisschachverband Oberlausitz. Als Turnierleiter der Oberlausitzer Seniorenmeisterschaft, Schiedsrichter beim traditionsreichen Osterturnier „Apothekenturnier“ und Staffelleiter im Spielbezirk Dresden blieb er dem organisatorischen Schachleben verbunden – bis zuletzt Mitglied seines Heimatvereins, dem TSV Großschönau.

Abschied

Schach war Siegfried Müllers Leben. Auch als es ihm mit zunehmendem Alter schwerer fiel, nahm er, so oft er konnte, am Trainings- und Vereinsleben in der Oberlausitz teil.

Der Schachverband Sachsen trauert um einen Schachfreund, der über ein Vierteljahrhundert lang Verantwortung übernahm, ohne dabei je die Freude am Spiel und an den Menschen zu verlieren. Unser Mitgefühl gilt seiner Frau Monika Müller und der Familie.

Ruhe in Frieden, lieber Siegfried.

// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 11765

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