2. April 2026
In Zusammenarbeit mit seinem Kooperationspartner, dem Schachzentrum Baden-Baden, hat der DSB ein Kadertraining mit Etienne Bacrot durchgeführt. Der französische Super-Großmeister, einst Schüler von Jossip Dorfman, bereitete zwölf DSB-Talente auf das Grenke-Open vor, das am heutigen Donnerstag beginnt. Seit Montag trainierten die Talente jeweils acht Stunden am Tag, hinzu kam noch ein Blitzturnier und ein Konditionsblitz – mit Sprints zwischen Brett und Uhr. „Das ist zumindest ein kleiner Ausgleich dafür, dass wir hier sonst keine Möglichkeit haben, Sport zu treiben“, sagte Bundesnachwuchstrainer Bernd Vökler, der den Lehrgang in Baden-Baden leitete und gemeinsam mit Bacrot und Ketino Kachiani-Gersinska die Talente trainierte. „Das Programm hier war insgesamt schon sehr hart, vor allem auch mit Blick darauf, dass den Spielern nun vier Doppelrunden bevorstehen“, sagte Vökler und fügte lächelnd hinzu: „Aber die jungen Leute brauchen ja bei einem solch großen Turnier auch eine gewisse Standfestigkeit.“
Ein Trainingscamp – ganz nach dem Geschmack von Marius Deuer, für dessen GM-Titelverleihung der Papierkram mittlerweile erledigt ist. „Ich warte jetzt nur noch auf das nächste FIDE-Council Meeting“, so Deuer, dann müsste er den begehrten Titel haben. Das sei ein „gute Gefühl. Ich bin erleichtert, es geschafft zu haben“. Deuer trainiert in Baden-Baden mit Etienne Bacrot, in einer Gruppe mit Johannes von Mettenheim, Mykola Korchynski und Philipp Klaska. Und das nicht zum ersten Mal. „Der Ablauf hier ist immer ähnlich, immer anstrengend und trotzdem lehrreich“, sagte er – voller Vorfreude auf das Freestyle-Grenke-Open. „Lust und Motivation sind groß. Ich lasse das auf mich zukommen. Es ist mein erstes Freestyle-Turnier am Brett, Vielleicht klappt es ja sogar mit Partien gegen Magnus Carlsen oder Vincent Keymer“, so Deuer: „Die Eröffnungstheorie pausiert jetzt mal, ich will einfach spielen.“ Im Mai geht es dann zum Mitropa-Cup in St. Veit in Österreich. Beim Mitropa-Cup hat er im vergangenen Jahr eine GM-Norm geholt, diesmal wolle er mit Freunden schlicht Deutschland würdig vertreten. Bevor er nach den Abitur-Prüfungen im Sommer ein „Schachjahr“ plant. Ziel: Viel trainieren, starke Turniere spielen, 2600 Elo anpeilen.
Mit ganz anderen Erwartungen ging die 12-Jährige Klara Bayer aus Berlin in den Lehrgang. Sie, die für den SC Zitadelle Spandau spielt, in ihrer Heimatstadt von Hartmut Riedel und Hendrik Möller trainiert wird, und die siebte Klasse am Gymnasium besucht, sagt: „Training macht Spaß.“ Sie selbst kann das Grenke-Open nicht mitspielen, da sie bereits in Berlin bei einem Erwachsenenturnier gemeldet ist – aber das Trainingscamp dürfte ihr auch auf dem weiteren Weg helfen. Denn im Mai steht für sie die Deutsche Jugendmeisterschaft in Willingen auf dem Programm, wo sie Großes vorhat: „Ich überlege noch, ob ich U14w oder U18w spiele – was besser ist zur Vorbereitung auf die Jugend-WM in Montesilvano, Italien.“
Am Lehrgang teilgenommen haben: Jan Schmidt, Klara Bayer, Yunqi Li, Tingrui Shen, Mara Haug, Neil Albrecht, Laertes Neuhoff, Marius Deuer, Daniel Nunez Gregoire, Mykola Korchynski, Johannes von Mettenheim und Philippp Klaska.
Ein Blick aufs Grenke-Open:
Das große Festival findet vom 2. bis 6. April 2026 im Karlsruhe-Congress-Centre statt - und vereint gleich zwei große Open-Turniere unter einem Dach: Das klassische grenke-Chess-Open sowie das grenke-Freestyle-Chess-Open. Start ist heute mit der ersten Runde (18.30 Uhr), es folgen an den vier weiteren Tagen vier Doppelrunden. Viele Topspieler sind am Start, was auch eine Zahl deutlich macht: Vincent Keymer ist lediglich an Platz fünf gesetzt.
Das Freestyle Open dient erstmals als direkte Qualifikation für die FIDE-Freestyle-Chess-World-Championship. Der Sieger des A-Opens qualifiziert sich für die Ausgabe 2027, während die drei besten Frauen einen Platz bei der ersten FIDE-Freestyle-Chess-Women's-World-Championship erhalten.
Das grenke-Chess-Festival wächst 2026 in neue Dimensionen: Turnierdirektor Sven Noppes rechnet mit über 3.600 Teilnehmern. Es ist das größte Open der Welt. Weltklassespieler wie Magnus Carlsen treffen auf ambitionierte Amateure – alle im selben Turniersaal, im selben Wettbewerb, über neun Runden hinweg. Das bewährte Konzept aus dem vergangenen Jahr, mit zwei parallelen Open-Turnieren, bietet die Möglichkeit, bis Runde fünf zwischen klassischem Schach und Freestyle zu wechseln. (mw)
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