28. August 2026
Die Grand Chess Tour 2026 ist Geschichte und für Vincent Keymer war seine erste Saison als fester Tour-Teilnehmer ein bemerkenswerter Erfolg. Beim Finalturnier in Saint Louis musste sich der deutsche Großmeister im Spiel um Platz drei Wesley So mit 12:18 geschlagen geben und beendete das Finale damit auf Rang vier. Den Gesamtsieg holte sich Praggnanandhaa Rameshbabu, der im großen Finale gegen Titelverteidiger Fabiano Caruana einen sensationellen Sechs-Punkte-Rückstand aufholte und am Ende mit 15:13 die Nase vorn hatte.
Für Keymer war 2026 in mehrfacher Hinsicht ein besonderes Jahr: Erstmals gehörte er zum festen Teilnehmerkreis der Grand Chess Tour und musste sich nicht mehr über eine Wildcard für einzelne Turniere qualifizieren. Sein Debüt als regulärer Teilnehmer nutzte er gleich eindrucksvoll – beim Super Chess Classic im rumänischen Bukarest im Mai gewann er sein erstes klassisches Turnier auf der Tour, nachdem er sich in der Schlussrunde gegen Jorden van Foreest durchsetzte. Es folgten solide Ergebnisse in Zagreb und schließlich eine nervenaufreibende Qualifikation für das Finale beim Sinquefield Cup, wo ihm ein Remis in der letzten Runde reichte, um sich mit einem halben Punkt Vorsprung vor dem usbekischen WM-Herausforderer Javokhir Sindarov den vierten und letzten Finalplatz zu sichern.
DSB-Präsident Paul Meyer-Dunker hatte die Qualifikation als starkes Signal für die gesamte Nationalmannschaft gewertet – schließlich steht nur wenige Wochen nach dem Tourfinale mit der Schacholympiade in Samarkand (15. bis 28. September) der nächste große Auftritt für Keymer und das deutsche Team an.
Im Kampf um den dritten Platz traf Keymer in Saint Louis auf Wesley So. Nach zwei remis endenden klassischen Partien entschied Keymer die Bonus-Blitzpartie am Mittwoch für sich und ging mit einer 8:6-Führung in den entscheidenden Finaltag. Dort drehte sich das Bild jedoch: So gewann die erste Schnellschachpartie und glich damit den Gesamtstand aus. Keymer konterte in der zweiten Schnellpartie mit einem bemerkenswerten Kraftakt – nach 122 Zügen setzte er sich in einem Endspiel durch, in dem er Turm, zwei Leichtfiguren und einen Bauern gegen Sos Dame ins Feld führte, während sein US-amerikanischer Gegner wiederholt auf Patt-Tricks setzte und fast nur noch von der Zeitgutschrift lebte.
In den vier folgenden Blitzpartien konnte Keymer daran allerdings nicht mehr anknüpfen. Nachdem er in der ersten Blitzpartie eine gewonnene Stellung mit einem entscheidenden Fehler aus der Hand gab, gewann So alle vier Blitzduelle in Folge und sicherte sich damit den dritten Platz mit einem klaren 18:12-Gesamtsieg. Für Keymer bedeutete das Rang vier im Finalturnier und ein Preisgeld von 50.000 US-Dollar.
Auch abseits der Endplatzierung war Keymers erste volle Tour-Saison ein voller Erfolg: In der Gesamtwertung der Grand Chess Tour 2026 belegte er mit Preisgeldern und Bonuszahlungen von insgesamt 270.187 US-Dollar den vierten Platz – hinter Praggnanandhaa (404.354 US-Dollar), Caruana (297.958 US-Dollar) und So (280.625 US-Dollar), aber deutlich vor dem Rest des Feldes, darunter Sindarov, Vachier-Lagrave, Giri und van Foreest. Es ist die bislang finanziell erfolgreichste Saison seiner Karriere.
Der Gesamtsieg beim Finalturnier ging an Praggnanandhaa Rameshbabu, der sich damit erstmals die Tour-Trophäe sichern konnte. Nachdem Caruana die erste klassische Partie gewonnen und die zweite nach 95 Zügen remis gehalten hatte, führte der Titelverteidiger vor dem letzten Finaltag mit sechs Punkten. Praggnanandhaa gewann jedoch beide Schnellschachpartien und verteidigte den knappen Vorsprung anschließend erfolgreich in den vier Blitzpartien. Für den Sieg erhielt der Inder, aktuell Nummer acht der Weltrangliste, ein Preisgeld von 200.000 US-Dollar; beide Finalisten sicherten sich zudem eine automatische Einladung zur kommenden Tour-Saison.
Mit Platz vier im Finale und Platz vier in der Gesamtwertung beendet Vincent Keymer seine erste Saison als fester Teilnehmer der Grand Chess Tour auf einem beachtlichen Niveau – gegen ein Feld, das unter anderem mehrere Top-Ten-Spieler der Weltrangliste umfasste. Nun richtet sich der Blick nach vorn: Bereits Mitte September tritt Keymer mit der deutschen Nationalmannschaft bei der Schacholympiade in Samarkand an, ehe im kommenden Jahr die nächste Grand-Chess-Tour-Saison wartet.
Quelle Turnierdaten und Preisgelder: Grand Chess Tour, Saint Louis Chess Club
// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 37121