19. August 2025
Startschuss für die Inklusion. Das Inklusionsfestival „Württembergischer Schachsommer“ läuft – und wie! Mit der Internationalen Offenen Deutschen Frauen-Meisterschaft, dem 7. Tigersprung-Turnier für Kids und der Offenen Württembergischen Meisterschaft U25 ging es am Montag los. Heute nun kam der Start der Deutschen Behinderten-Meisterschaft dazu, im Schachchinesisch ODBEM genannt – ein Turnier, das bereits nach den ersten Zügen den Inklusionsbeauftragten des DSB, Gert Schulz, zum Schwärmen brachte: „Ich bin begeistert. Eine tolle Atmosphäre, so wie ich mir das gewünscht habe.“ Die verschiedenen Turniere finden in einer Sporthalle statt – für Schulz auch eine Form der Inklusion: „Wenn wir Behinderte neben den Großmeistern spielen, man miteinander ins Gespräch kommt – dann ist das einfach wunderbar. Das sorgt für einen besonderen Geist dieser Veranstaltung.“
Die größte Überraschung des Tages war für Turnierdirektor GM Artur Jussupow, „dass die beiden offenen Turniere – das Tigersprung-Turnier und die U25-Meisterschaft – von außergewöhnlich zähen Kämpfen geprägt waren. Viele Partien dauerten ungewöhnlich lange und verlangten den Kindern und Jugendlichen alles ab“. Bei den Frauen setzten sich die Favoritinnen durch. „Die Überraschung war, dass es hier keine Überraschung gab“, sagte Jussupow mit einem Lächeln. Bei der Behinderten-Meisterschaft freute sich Schulz über viele Remisen zum Start. „Und das waren ausgekämpfte Punkteteilungen, keine taktischen“, sagte er. Für ihn ein klares Indiz für ein ausgeglichenes Teilnehmerfeld, das viel Spannung erwarten lässt. Die ersten Probleme wurden erstmal weggelächelt – auch wenn sie teilweise kurios waren. Nur eine Geschichte mal erzählt: Ein Teilnehmer aus dem hohen Norden brauchte für seine Anreise zwei Tage – er landete zuerst im falschen Ruit…dann befand ihn die Polizei bei einer Kontrolle im Zug doch für etwas verwirrt, nahm ihn mit, unterbrach so die Fahrt. Eine Nacht verbrachte der arme Mann am Bahnhof, er verlor sein Gepäck mit wichtigem medizinischen Inhalt – aber saß am Dienstag pünktlich am Brett. „Tja“, sagte Schulz, „bei einem solchen Turnier, das halt nun einmal kein normales Turnier ist, sind unsere Helfer halt auch in anderen Bereichen gefragt.“
Heute fanden sechs Turniere des Festivals parallel statt. Neben der 2. Offene Deutschen Behinderten-Einzelmeisterschaft auch das Turnier für Begleiter „Freunde der Inklusion“ sowie das 2. Kortschnoi-Memorial. Besonders im Kortschnoi-Memorial wurde hart gekämpft: Zeitnot brachte manche Partie völlig durcheinander. Zu den wichtigen Siegern zum Auftakt zählten GM Michal Krasenkow (Polen), GM Aleksander Graf (Deutschland), IM Dr. Georg Braun (Deutschland) und IM Gabriel Gähwieler (Schweiz).
In der Frauen-Meisterschaft, der IODFEM, führen nach zwei Runden mit jeweils zwei Punkten WGM Olga Babij, WFM Helena Neumann, WFM Tetyana Kostak (alle Deutschland) sowie WIM Elena Krasenkowa, die eine wichtige Partie gegen eine der Favoritinnen, WGM Carmen Voicu-Jagodzinsky, für sich entscheiden konnte.
Auch bei der zweiten Deutschen Meisterschaft für Menschen mit Behinderungen gab es erste spannende Ergebnisse. Besonders erwähnenswert ist das Unentschieden zwischen Alexander Meinhard und Mark Vlad, den wir vor seiner ersten Teilnahme in Augsburg mit diesem Text portraitiert hatten.
„Für uns als Organisatoren ist jedoch eines wichtiger als alle Ergebnisse: Dass sich alle Teilnehmenden und Gäste wohlfühlen“, sagte Artur Jussupow, der mit seiner Frau WFM Nadja Jussupow „das Herz dieses Festivals ist“, wie Gert Schulz es formuliert: „Was die beiden im Sinne der Inklusion leisten – einfach Wahnsinn.“ In der Sportschule Ruit können nach monatelanger Vorbereitung unter der Regie der Jussupows Menschen mit und ohne Behinderung Seite an Seite Schach spielen.
Einige Schnappschüsse aus dem Turniersaal während der laufenden Runden von Jussupow und dem Pressemann des Württembergischen Schachverbandes, Karlheinz Vogel, vermitteln einen Eindruck von der Atmosphäre auf einem barrierefreien Gelände. (mw)
// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 36745