5. Dezember 2025
Die Verbindung mag auf den ersten Blick nicht leicht herzustellen sein. Ja, es wirkt sogar wie ein schwierig zu bewerkstelligender Spagat - weil die Dimensionen schlicht andere sind. In Südafrika geht es aktuell um gigantische, siebenstellige Beträge. Dort heißt die Disziplin Freestyle Chess und mündet über eine Grand Slam Tour nun in einem spektakulären Finale. In Deutschland ist alles noch viel, viel kleiner – und heißt offiziell Schach960. Aber irgendwie passt es durchaus, die Brücke zu schlagen, betont Sebastian Siebrecht. Der bekannte deutsche Großmeister ist Turnierchef beim Freestyle Grand Slam. „In einer fantastischen Location“, wie er am Telefon im Gespräch mit dem DSB-Team Öffentlichkeitsarbeit schwärmt, „wir bringen hier den Südafrikanern die Faszination für diese Form des Schachspiels eindrucksvoll näher.“ So wagten sich die Großmeister an einen Tauschach-Wettbewerb, den GM Hans Niemann gewann. GM Vincent Keymer und sein Coach GM Peter Leko waren bei einer Simultan-Veranstaltung. Es gibt Termine mit Schulkindern, Studenten – alles wirkt gigantisch, so wie zuletzt auch in Las Vegas, wo auch NBA-Stars wie Derrick Rose, Rajon Rondo und Quinten Post beim Freestyle-Schach die Werbetrommel rührten. Und ja, sagt Sebastian Siebrecht, „ich freue mich sehr, dass auf diesem Gebiet auch in Deutschland mittlerweile einiges passiert“. Er habe sehr viel Kontakt zu Turnierveranstaltern und Freunden dieser Schachvariante und auch mit großem Interesse verfolgt, dass jüngst die Deutsche 960-Meisterschaft von DSB und Berliner Schachverband im Berliner Olympiastadion ausgerichtet wurde: "Ein toller Spielort, das ist ein Schritt in die richtige Richtung."
Immer wieder taucht bei der Förderung von Schach960 ein Name auf: Dr. Ulrich Zenker. Der Vorsitzende der Deutschen Schachstiftung 960 sagte dem DSB-Team Öffentlichkeitsarbeit: „Ich halte diese Schachvariante für sehr interessant und zukunftsträchtig. Wenn man die Entwicklung der letzten Jahre sieht, gibt es kaum noch einen Weltklassespieler, der das nicht zumindest ausprobiert hat. Mancher favorisiert sie sogar.“ Super-Großmeister wie Magnus Carlsen zum Beispiel, der nur noch selten lange, klassische Partien spielt. Ulrich Zenker, so Siebrecht, sei oft bei den Freestyle-Events vor Ort, in Weissenhaus, oder auch beim Grenke Open – den beiden deutschen Standorten der Turnierserie im vergangenen Jahr. „Der Zeitplan für das neue Jahr steht, wir wollen wieder auf fünf Kontinenten aktiv sein - aber erstmal konzentrieren wir uns auf das Finale.“
Magnus Carlsen (Norwegen), Fabiano Caruana (Vereinigte Staaten), Arjun Erigaisi (Indien), Levon Aronian (Vereinigte Staaten), Hans Niemann (Vereinigte Staaten), Parham Maghsoodloo (Iran), Javokhir Sindarov (Usbekistan) – und die deutsche Nummer eins Vincent Keymer. Das sind die acht Topspielern, die sich gerade vor Ort warmlaufen und ab Montag in Kapstadt um die Krone im Freestyle-Chess spielen – beim Finale der von Jan Henric Büttner ins Leben gerufenen Serie, die ein zweistelliges Millionen-Budget haben soll. Für Keymer könnte das Turnier unter der Sonne Südafrikas eine Art Seelentröster für das verpasste WM-Kandidatenturnier sein – verbunden mit einem finanziellen Trostpflaster. Schon jetzt hat er bei der Turnierreihe 282.000 US-Dollar verdient. Siebrecht indes hat eine klare Botschaft für die deutschen Fans: „Vincent wirkt total gefestigt, hat den World Cup abgehakt. Er wirkt aufgeräumt und lässt sich bestimmt nicht unterkriegen.“ Kurzum: „Er hat hier richtig Spaß.“
Zurück nach Deutschland. Für den Schachgipfel im Sommer 2026 in Dresden hat Ulrich Zenker mit seiner Deutschen Schachstiftung960 ein Preisgeld von 10.000 Euro bereitgestellt – das wertet die Deutsche Meisterschaft im Schach960 deutlich auf. „Für mich ist das die Variante der Zukunft“, sagt Zenker. Seit der jüngsten Präsidiumssitzung hat der DSB auch einen Beauftragten für Schach960: André Martin, Präsident des sächsischen Schachverbandes, wurde vom Präsidium berufen. „Eine gute Sache, dass das jetzt auch offiziell forciert wird“, sagt Sebastian Siebrecht, er sei auch bereits mit André Martin im Austausch. „Wir haben ja auch beim Grenke Open bereits dafür gesorgt, dass das Thema mehr auf der Breitenschach-Eben ankommt“, so Siebrecht, „da hilft es auch, wenn beim DSB das Thema mehr auf die Agenda rückt.“
Martin sieht seine Aufgabe vor allem darin, diese Variante, bei der das Eröffnungen-Pauken wegfällt, „einen organisatorischen Rahmen zu geben damit sie sich weiterverbreitet und wir am Ende mehr neue Mitglieder im DSB begrüßen dürfen“. Martin ist es auch, der als Turnierleiter in Dresden fungieren wird – und weitere Schritte plant: Landesmeisterschaften und eine Ausbildung der Schiedsrichter in Bezug auf Schach960. Als strategische Aufgaben sieht er den Aufbau eines Qualifizierungssystems für die Deutsche Meisterschaft (analog zum Kandidatenturnier im Normalschach) und die Einführung von Schach960 im Jugendschachbereich (in Abstimmung mit der DSJ). Weitere Visionen seien ein funktionierendes Wettkampfsystem (Einzel und Mannschaft) im Schach960 bei den Erwachsenen und in der Jugend, eine Elo für 960 – und Schach 960 als Disziplin der E-Sports-Olympiade.
Aber vorerst richten sich alle Augen nach Südafrika. Ab Montag, 8. Dezember, beginnt auch der sportliche Teil im "Grootbos Private Nature Reserve", wo Fans aber nicht dabei sein können. „Keine Tickets und kein öffentlicher Zugang“ vermelden die Veranstalter. Die Location gäbe es – ebenso wie in Weissenhaus – schlicht nicht her, dass Zuschauer vor Ort sein können, sagt Siebrecht. Hinzu kommt, dass in Südafrika auch der Sicherheitsaspekt stets beachtet werden muss. Hier haben selbst die kleinsten Hotels ihren eigenen Security-Dienst. Um dennoch den Fans Selfies und Autogramm zu ermöglichen, habe man sehr viele öffentliche Termine gemacht – an Schulen, Universitäten, bei lokalen Vereinen. In Kapstadt gibt es ein kostenloses Public Viewing an der V&A Waterfront. Jeden Tag ab 12:30 Uhr wird die offizielle Freestyle-Chess-Übertragung aus Grootbos live vor Ort gezeigt. (mw)
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Angegeben sind die Schach960-Wertungszahlen von freestyle-chess.com.
| Pl. | Spieler | Pkt. | Preisgeld ($) | Weissenhaus 7.-14.2. |
Paris 7.-14.4. |
Karlsruhe 17.-21.4. |
Las Vegas 16.-20.7. |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | 80 | 585.000 | |||||
| 2. | 49 | 385.000 | |||||
| 3. | 40 | 250.000 | |||||
| 4. | 39 | 282.000 | |||||
| 5. | 27 | 243.000 | |||||
| 6. | 24 | 132.000 | |||||
| 7. | 18 | 143.000 | |||||
| 8. | 18 | 35.000 | |||||
| 9. | 15 | 25.000 | |||||
| 9. | 15 | 25.000 | |||||
| 11. | 14 | 90.500 | |||||
| 12. | 14 | 73.000 | |||||
| 13. | 12 | 38.000 | |||||
| 14. | 10 | 20.000 | |||||
| 15. | 8 | 52.500 | |||||
| 16. | 8 | 41.500 | |||||
| 17. | 6 | 45.000 | |||||
| 18. | 6 | 40.500 | |||||
| 19. | 4 | 39.500 | |||||
| 20. | 4 | 31.000 | |||||
| 21. | 2 | 10.500 | |||||
| 22. | 1 | 20.500 | |||||
| 23. | 1 | 9.000 | |||||
| 24. | 1 | 2.500 | |||||
| 25. | 0 | 25.000 | |||||
| 26. | 0 | 14.500 | |||||
| 27. | 0 | 13.000 | |||||
| 28. | 0 | 8.000 | |||||
| 28. | 0 | 8.000 | |||||
| 28. | 0 | 8.000 | |||||
| 31. | 0 | 7.500 | |||||
| 31. | 0 | 7.500 | |||||
| 31. | 0 | 7.500 | |||||
| 34. | 0 | 7.000 | |||||
| 34. | 0 | 7.000 | |||||
| 36. | 0 | 4.000 | |||||
| 37. | 0 | 2.500 | |||||
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// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 36863