1. Juni 2026
Nach so einer sensationellen Saison muss auch der Deutsche Schachbund mal beim Bürgermeister nachfragen. Das drängt sich regelrecht auf. Also schreibt Matthias Baaß, Stadtoberhaupt im südhessischen Viernheim, an die DSB-Öffentlichkeitsarbeit: „Mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft und des Deutschen Mannschaftspokals hat der Schachclub Viernheim Vereinsgeschichte geschrieben. Dieses erste Double ist das Ergebnis herausragender sportlicher Leistungen, aber auch einer kontinuierlichen und engagierten Vereinsarbeit, die seit vielen Jahren Spitzen- und Breitensport erfolgreich miteinander verbindet. Der Schachclub ist ein hervorragender Botschafter für unsere Stadt und trägt den Namen Viernheim weit über die Region hinaus.“ Keine Frage: Mehr Lob und Stolz geht kaum.
Und ja, sie haben das wieder richtig ernst genommen, getreu der Devise ihres Vereinschefs Stefan Martin: „Es ist ein Titel – und wir streben nach Titeln.“ Auch wenn es keine Millionen zu gewinnen gibt, wie zum Beispiel im DFB-Pokal, im Fußball. Am Wochenende war der SC Viernheim mit drei Großmeistern zum „Final Four“ der Deutschen Pokal-Mannschaftsmeisterschaft in Erkenschwick angetreten. Auf Nummer sicher gehen, oder das Risiko zumindest minimieren – so lautete die Marschroute. Zumal, so Stefan Martin, bei nur vier Spielern immer etwas schiefgehen könne. Der Aufwand lohnte sich. Im Finale wurde der gastgebende Aufsteiger SV Erkenschwick mit 3:1 bezwungen – und Viernheim, frisch gebackener Deutscher Meister, holte sich zum ersten Mal in der Vereinegeschichte das Double. Deutscher Meister und Pokalsieger in einer Saison.
Der Verein hatte den Pokal-Fluch erst 2025 brechen können. Zuvor war man mehrfach beim Kampf um die heiß ersehnte Trophäe gescheitert - holte sich im letzten Jahr dann aber den Pott gegen den großen Rivalen OSG Baden-Baden. Der war in diesem Jahr wieder mit dabei, nominell aber längst nicht so gut besetzt wie der SC Viernheim, der im Halbfinale am Samstag die Schachfreunde Berlin 03 mit 3:1 aus dem Weg geräumt hatte. Erkenschwick hatte Baden-Baden mit 2,5:1,5 niedergerungen.
Beim Finale im ehemaligen Sitzungssaal des Rathauses in Oer-Erkenschwick gewannen die Großmeister Jan-Krzysztof Duda, Shakhriyar Mamedyarov und Parham Maghsoodloo ihre Partien. Nur Marco Dobrikov musste sich geschlagen geben.
Nun hoffen die Viernheimer, die sich aktuell als „sportliches Aushängeschilder“ der 35.000-Einwohner-Stadt sehen, auf einen neuerlichen Empfang auf dem Rathausbalkon. Vereinspräsident Stefan Martin sagte, die Stadt habe nach dem Gewinn der Meisterschaft von einer sofortigen Einladung abgesehen, da ja ein möglicher Doublegewinn im Raum stand. Jetzt ist der doppelte Erfolg perfekt. Das Warten könnte sich gelohnt haben. (mw)
| Br. | SV Erkenschwick 1923 | Elo | 2½:1½ | OSG Baden-Baden | Elo |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | GM Toms Kantans | 2560 | 1:0 | IM Frederick Waldhausen Gordon | 2450 |
| 2 | GM Nikita Meshkovs | 2540 | ½:½ | IM Bennet Hagner | 2447 |
| 3 | FM Mykola Korchynskyi | 2433 | ½:½ | IM Niklas Schmider | 2392 |
| 4 | IM Arthur de Winter | 2455 | ½:½ | FM Timur Kocharin | 2333 |
| Br. | SF Berlin | Elo | 1:3 | SC Viernheim | Elo |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | IM Marius Fromm | 2440 | 0:1 | GM Shakhriyar Mamedyarov | 2717 |
| 2 | IM Emil Schmidek | 2453 | 0:1 | GM Jan-Krzysztof Duda | 2739 |
| 3 | IM Magnus Ermitsch | 2414 | 0:1 | GM Parham Maghsoodloo | 2710 |
| 4 | FM Johannes Florstedt | 2389 | 1:0 | IM Marco Dobrikov | 2373 |
| Br. | SC Viernheim | Elo | 3:1 | SV Erkenschwick 1923 | Elo |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | GM Jan-Krzysztof Duda | 2739 | 1:0 | GM Toms Kantans | 2560 |
| 2 | GM Shakhriyar Mamedyarov | 2717 | 1:0 | IM Arthur de Winter | 2455 |
| 3 | GM Parham Maghsoodloo | 2710 | 1:0 | FM Mykola Korchynskyi | 2433 |
| 4 | IM Marco Dobrikov | 2373 | 0:1 | GM Nikita Meshkovs | 2540 |
| Br. | SF Berlin | Elo | 2:2 (4:6) | OSG Baden-Baden | Elo |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | FM Johannes Florstedt | 2389 | 0:1 | IM Bennet Hagner | 2447 |
| 2 | IM Marius Fromm | 2440 | 1:0 | IM Frederick Waldhausen Gordon | 2450 |
| 3 | IM Emil Schmidek | 2453 | 0:1 | FM Timur Kocharin | 2333 |
| 4 | IM Magnus Ermitsch | 2414 | 1:0 | IM Niklas Schmider | 2392 |
// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 37039