"Viele Spieler konnten ihre Bestform noch nicht erreichen."

07.08.2014 18:02
chess24.com/Paul Truong
Tromsø

Bundestrainer Dorian Rogozenco im Interview

Halbzeit bei der Schacholympiade in Tromsø. Am heutigen Ruhetag haben die Spieler die Möglichkeit ihre Kräfte an den Gestaden des Tromsøysundes oder gar am Nordpolarmeer aufzutanken. Genug Auslauf ist ja vorhanden. Tromsø umfaßt viermal soviel Fläche wie Berlin und ist damit etwa so groß wie das Saarland! Allerdings verlieren sich gerade einmal knapp 71.000 Einwohner im Kernstadtgebiet und auf einigen Inseln.

Bundestrainer Dorian Rogozenco, der gemeinsam mit Wladimir Baklan und Philipp Schlosser die beiden Mannschaften vor Ort betreut, beantwortete uns am freien Tag einige Fragen.

Jonathan Carlstedt: Dorian, Ihr seid jetzt seit gut einer Woche in Tromsø. Wie sind die Eindrücke die Ihr von der Stadt Tromsø und der Organisation des Turniers bekommen habt?

Dorian Rogozenco: Tromsø ist eine kleine schöne Stadt mit wunderbarer Landschaft. Unser Hotel liegt am Wasser und wir können die Berge und den Schnee sehen. In der Stadt ist das Wetter mild und angenehm, so um die 18-19 Grad. Für die meisten von uns sind die weißen Nächte beeindruckend: die ganze Nacht ist es fast so hell wie tagsüber. Andererseits kann das trotz Gardinen manchmal beim Schlafen etwas stören. Die Organisation der Olympiade ist nicht perfekt, aber ich würde sie als völlig in Ordnung bezeichnen: Wir haben ein gutes Hotel und die Veranstalter sind sehr freundlich und hilfsbereit.

Jonathan Carlstedt: Auf Facebook lese ich von verschieden Spielern, die sich über eine gewisse Toilettenproblematik beschweren. Betrifft Euch das auch? Wenn ja, inwiefern stört das die Mannschaft?

Dorian Rogozenco: Ja, das Spiellokal und besonders die Toiletten sind in der Tat weit weg von optimal. Das betrifft alle Mannschaften. Doch von unseren SpielerInnen habe ich keine besonderen Beschwerden darüber gehört: es ist wie es ist.

Sitzend Zoya Schleining, Melanie Ohme, Sarah Hoolt und Tatjana Melamed. Dahinter Elisabeth Pähtz und Dorian Rogozenco.
Elisabeth Pähtz
Dorian Rogozenco im Kreis seiner Olympionikinnen beim Trainingslager in Kienbaum im Juli

Jonathan Carlstedt: Im engeren Kreis seid Ihr 10 Spieler und 3 Trainer. Wie ist die Stimmung in der Delegation?

Dorian Rogozenco: Die Stimmung ist gut.

Jonathan Carlstedt: Zum Schach, wie bewertest Du Eure derzeitige Turniersituation?

Dorian Rogozenco: Klar, es ist nicht was wir erhofft haben. Die letzten zwei Runden liefen schlecht und offensichtlich hat sich unsere Turniersituation dadurch deutlich verschlechtert.

Jonathan Carlstedt: Zu Beginn der Olympiade hast Du die Top Ten als gutes Ergebnis ausgegeben. Steht dieses Ziel noch?

Dorian Rogozenco: Viele Spieler konnten bis jetzt ihre Bestform leider noch nicht erreichen, manche haben sogar mit leichten Gesundheitsproblemen zu tun. Das ehrgeizige Ziel Top Ten zu erreichen, steht aber natürlich immer noch.

Jonathan Carlstedt: Von Weitem sieht es so aus, dass Eure Eröffnungsvorbereitung in der Regel gut funktioniert, trifft das zu? Wie sieht die Vorbereitung auf eine Runde konkret aus?

Dorian Rogozenco: Die Brettaufstellung wird erst an dem Rundentag bekanntgegeben und uns bleiben etwa drei Stunden für die konkrete Vorbereitung. In solchen Situationen spielt der Überraschungseffekt auch eine Rolle. Ich meine jetzt die richtige Auswahl der Eröffnung oder der Variante, was für den Gegner am unangenehmsten ist. Bis jetzt hat es teilweise sehr gut für uns funktioniert, teilweise hätten wir es auch besser treffen können. Meiner Meinung nach sollten wir in den nächsten Runden etwas flexibler sein, was Eröffnungen angeht. Den heutigen Ruhetag nutzen wir auch, um dieses Problem zu lösen.

Jonathan Carlstedt: Du hast selber schon Olympiaden mitgespielt und kannst somit auf einige Erfahrungen bei diesem Turnier als Spieler zurückgreifen. Kannst Du mit diesem Erfahrungsschatz den Spielern helfen?

Dorian Rogozenco: Als Spieler habe ich vier Olympiaden gespielt und es ist klar, dass die eigene Erfahrung mir jetzt sehr hilft. Ich verstehe die Spieler gut und weiß auch wie anstrengend und schwer die Olympiade sein kann. Andererseits es ist ein riesen Unterschied zwischen Spieler und Kapitän/Trainer. Ich versuche mein Bestes zu tun und hoffe den Spielern optimal zu helfen. Hauptsächlich sollen die SpielerInnen ihre Energie komplett auf das Schachbrett fokussieren. Wenn sie das schaffen, ist es für uns alle ein Erfolg.

Jonathan Carlstedt: Was sind aus Deiner Sicht derzeit noch Eure Haupthindernisse ein besseres Ergebnis zu erreichen?

Dorian Rogozenco: Wie schon gesagt, gesundheitlich sind nicht alle komplett fit. Sowohl in der Männermannschaft, als auch bei den Frauen gibt es noch leichte Erkältungen und Magenprobleme. Ansonsten gibt es kaum Hindernisse: Wir sind Sportler und müssen in der Lage sein die Probleme zu bekämpfen und zu lösen.

Jonathan Carlstedt: Ich weiß, dass Daniel und Du, wie auch sicherlich einige andere im Team passionierte Tischtennis- und Billard-Spieler seit. Wie werdet Ihr den freien Tag verbringen bzw. wie verbringt Ihr im Allgemeinen die schachfreie Zeit?

Dorian Rogozenco: Schachfreie Zeit? Hmm, schwere Frage. Wir gehen relativ regelmäßig spazieren - entweder alle zusammen, oder in kleineren Gruppen. Manche SpielerInnen haben es schon geschafft zu wandern und waren von der Landschaft hier absolut begeistert. Manche waren gestern bei der Bermuda-Party. Allerdings, wie ich heute gehört habe, waren sie eher enttäuscht. Ansonsten gibt es kaum Zeit um sich mit anderen Dingen außer Schach zu beschäftigen.

Jonathan Carlstedt: Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

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Frank Hoppe

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