7. April 2026
Der Titelverteidiger ist nicht am Start. Er hat Wichtigeres zu tun. So wie viele andere auch. Matthias Blübaum, der als einziger Spieler schon zwei Mal Europameister wurde (2022 und 2025), spielt gerade das Kandidatenturnier. Andere deutsche Großmeister gaben dem grenke Open den Vorzug, mit seinen opulenten Preisgeldern im Freestyle-Turnier – Vincent Keymer holte sich sogar den Turniersieg. Oder die Spieler haben schlicht andere Verpflichtungen. Und so kann Alexander Donchenko mit Fug und Recht behaupten: „Jetzt bin ich der einzige Spieler aus der deutschen Spitze bei der EM.“ Für ihn war es keine Option, „den Nachtbus zu nehmen“, um das Grenke und die EM in Katowice unter einen Hut zu bringen: „Dafür ist mir die EM viel zu wichtig. Schließlich geht es hier um ein Turnier, bei dem ich mich für den World Cup qualifizieren kann.“ In Polen an Nummer sieben gesetzt, könnte Donchenko nun auf europäischer Bühne den Blübaum machen.
Ein wenig ärgerte sich aber Donchenko schon. Wäre es doch für den europäischen Verband ECU mutmaßlich ein Leichtes gewesen, sein Turnier einen Tag später beginnen zu lassen. Und das grenke Open, so viel ist ja bekannt, steht halt immer an Ostern an. „Natürlich hätte ich auch gerne das Grenke gespielt“, sagt Donchenko, der am Anfang sogar in Karlsruhe noch recht kurzfristig für die Kommentierung einsprang, aber da das Turnier erst am Montag endete, habe es „keinen vernünftigen Weg“ gegeben, halbwegs ausgeruht zur ersten Runde am heutigen Dienstag um 15 Uhr am Brett zu sitzen: „Das hat einfach nicht funktioniert. Es gab auch keine passenden Flüge. So ist es nun einmal ungünstig gelaufen.“
Die Wertigkeit der EM steht dabei aber außer Frage: In Polen steht das erste Turnier des Jahres zum WM-Zyklus an – es geht um die ersten World-Cup-Qualifikationsplätze für 2027. Dafür muss man unter die ersten 20 kommen – um schonmal sicher dabei zu sein. Und an den World Cup hat Donchenko nun wirklich sehr gute Erinnerungen. In Goa war er der beste deutsche Spieler, scheiterte erst im Viertelfinale. Ein Grund, warum er derzeit mit sich und seiner Schachwelt rundum zufrieden ist, wie er im Chesstiger-Schachtalk verraten hat.
„Für die Spieler, die nicht über ihre Elozahl oder nationale Freiplätze zum World Cup kommen, ist die EM im Grunde der logische Schritt für das Ziel World Cup“, so Donchenko. Er meint die große Schar der Großmeister unter 2700 Elo, die solche Elf-Runden-Turniere im Schweizer System als echte Chance begreifen. Donchenko ist mit 2642 Elo unter den Top Ten der Titelanwärter.
Dahinter tummeln sich aus DSB-Sicht vielversprechende Talente. Leonardo Costa zum Beispiel, immerhin unter den Top 50, aber auch Hussain Besou. Der frisch gebackene IM, der nur noch auf die offizielle Erteilung des Titels wartet, ist recht weit hinten im Tableau angesiedelt, aber voller Tatendrang: „Ich denke, dass ich mich auf so einer Bühne sehr gut weiterentwickeln kann“, sagt er, der mittelfristig den GM-Titel anpeilt. „Dass er diese Herausforderung in Polen annimmt, zeigt wie selbstbewusst Hussain geworden ist“, sagt Bundesnachwuchstrainer Bernd Vökler: „Er ist sehr ehrgeizig und durchlebt aktuell eine sehr gute Phase.“ (mw)
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