Vom Tegernsee nach Berlin - zum zweiten Triumph?

10. November 2025

Das Foto der ersten 13 Plätze: v.l.n.r. Christian Kausch, Peter Rie, GM Sandipan Chanda (9.), GM Leonardo Costa (10.), GM Luis Engel (2.), GM Abdimalik Abdisalimov (4.), GM Valentin Dragnev (11.), GM M. Amin Tabatabaei (1.), GM Brewington Hardaway (5.), GM Christian Bauer (12.), GM Szymon Gumularz (3.), GM Jiri Stocek (13.), GM Krishnan Sasikiran (7.), GM N R Visakh (6.), GM Sebastian Siebrecht, GM Cem Kaan Gokerkan (8.), Christine Zierer

Der in der Schachszene nicht unumstrittene Amin Tabatabaei ist beim U25-Open auf der Jagd nach dem nächsten Preisgeld

Vom Tegernsee direkt nach Berlin. Am Wochenende meldete sich der iranische Großmeister Seyyed Mohammad Amin Tabatabaei, kurz Amin Tabatabaei, für das U-25 Open im Rapid- und Blitzschach im Olympiastadion an, dass der SV Königsjäger Süd-West in Kooperation mit dem Berliner Schachverband und dem DSB vom kommenden Freitag (bis Sonntag) im Olympiastadion ausrichtet. Klar, das hohe Preisgeld lockt. „Unser erster 2600plus-Spieler“, freute sich Turnierchef Jonathan Born. Um genau zu sein, wird der 24-Jährige mit 2681 Elo geratet – und ist damit der klare Favorit für Berlin. Mit 2700 Elo steht Tabatabaei sogar aktuell auf Rang 33 der Live-Weltrangliste. Das hat er seinem Sieg bei den Offenen Internationalen Bayerischen Meisterschaften am Tegernsee zu verdanken. Mit einem Punkt Abstand vor dem Feld triumphierte der Wertungsfavorit. Es war seine erste Teilnahme am Tegernsee – und gleich der erste Titel für den Mann, der in der Schachszene nicht unumstritten ist.

Der Berliner Turnierfavorit trat schon zwei Mal gegen einen Israeli nicht an - weil er plötzlich krank wurde

Im März hatte sich die Ethik- und Disziplinarkommission der FIDE mit ihm und dem Syrer Aghiad Mero beschäftigt - wegen politisch motivierter Spielverweigerung. Letzterer wurde verwarnt, Amin Tabatabaei freigesprochen. Es ging um das Fernbleiben der beiden von der achten Runde bei der Rapid-Team-WM im Sommer 2024 in Astana, als ihr Team gegen den israelischen Klub Ashdod hätte antreten sollen. Als das Match gegen den israelischen Club anstand, war Tabatabaei krank geworden. Das wirkte für viele zu offensichtlich, auch der Deutsche Schachbund formulierte damals klar seine Haltung – zumal Tabatabaei damals wie heute für den FC Bayern München in der Bundesliga antritt. Das Medienecho war damals gewaltig, zumal: 2022 war er schon einmal nicht gegen einen Israeli angetreten. Aber mittlerweile gilt er – zumindest offiziell durch die FIDE – in diesem Fall als reingewaschen.

Die Kommission sah es im Fall Mero als erwiesen an, dass er nicht antrat, weil er sich aufgrund syrischer Gesetze außerstande sah, gegen Israelis zu spielen. Auch wenn Mero betonte, unter politischem Zwang gehandelt zu haben, wertet die Kommission dies als Boykott und damit als Verstoß gegen Artikel 11.5.d des FIDE-Ethikkodex. Da er sich so offen erklärte, blieb es bei einer Verwarnung. Im Fall Amin Tabatabaei legte der Großmeister ein ärztliches Attest vor. Zweifel blieben, vor allem aufgrund der Kurzfristigkeit der Abmeldung – aber in dubio pro reo.

Jonathan Born sagt, man "habe das Problem zum Glück zur Zeit nicht, da wir keine Spieler aus beiden Nationen haben". Mittlerweile ist die Teilnehmerzahl übrigens bei stattlichen180 – und die Turniere sind hochklassig besetzt.

Alle Informationen zum U25-Open findet Ihr unter u25chess.com

Gut besetzte Deutsche 960-Meisterschaft: Fridman, Mons, Rabiega dabei

Viele freie Plätze gibt es hingegen noch für die ebenfalls im Olympiastadion stattfindende 2. Deutsche 960-Meisterschaft von Berliner Schachverband und DSB, wobei das Teilnehmerfeld hier auch schon drei prominente Großmeister aufweist: Daniel Fridman, Leon Mons und Robert Rabiega.

Anmeldungen sind unter möglich. Die Ausschreibungen findet Ihr hier:

Bei den Internationalen Offenen Bayerischen Meisterschaften liegen Engel und Costa nur einen Zähler hinter dem Sieger

Zurück zum Tegernsee: Turniersieger Amin Tabatabaei hate seinen Sieg schon am Vortag eingetütet – und demonstrierte am Schlusstag einmal mehr seine Stärke. Gegen GM Dominik Horvath war nach 23 Zügen die Messe schon gelesen. Dahinter teilten sich gleich zehn Spieler mit sieben Punkten den zweiten Rang, angeführt vom Wertungsbesten GM Luis Engel, dahinter GM Szymon Gumularz. Unter den Top Ten waren nur Großmeister, DSB-Talent Leonardo Costa landete auf Rang zehn.

Den Frauenpreis gewann mit 6,5 Punkten WGM Liya Kurmangalieva aus Kasachstan. Sie wiederholte, was ihr schon im vergangenen Jahr gelungen war: eine IM-Norm, ihre zweite. FM John Heinrich vom SV Lengefeld gewann den Preis in der U2400-Kategorie und dank seiner 2455-Performance noch dazu eine IM-Norm. Den Siegerpreis der Ü-60-Jährigen bekam von Turnierleiter GM Sebastian Siebrecht FM letztlich Martin Forchert. (mw)

// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 36835

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