31. Juli 2025
Am 24. Juli 2025 wurde einem Mann, der für das Breitenschach lebt, eine Ehre zuteil, die nicht viele Menschen in ihrem Leben erhalten. Walter Pungartnik, der auch "Mister Breitenschach" genannt wird und von 2011 bis 2015 Referent für Freizeit- und Breitensport im DSB war, wurde in einer feierlichen Ehrung das Bundesverdienstkreuz verliehen. Die Übergabe fand im Beisein des Oberbürgermeisters Uwe Skrzypek, dem Präsidenten des Schachverbandes Württemberg Carsten Karthaus und vieler weiterer Freunde in der Peterskirche in Vaihingen an der Enz statt. Urkunde und Orden wurden von der Staatssekretärin Sandra Boser an den 84-jährigen Pungartnik übergeben.
In ihrer Laudatio nannte Boser den Geehrten einen "Pionier des Breitenschachs, einen Begriff, den man heute fast automatisch mit Ihrem Namen verbindet."
Der gebürtige Österreicher Walter Pungartnik, 1940 in der Steiermark geboren, verlegte 1961 seinen Wohnsitz nach Deutschland und nahm elf Jahre später die deutsche Staatsbürgerschaft an. Boser: "Es folgten Jahrzehnte voller Tatkraft, Begeisterung und einer fast schon strategischen Ausdauer für den Schachsport, wie man sie sonst nur von besonders zähen Endspielen kennt. [...] Damals, als andere noch diskutierten, ob Schach überhaupt ein Sport ist, da haben Sie schon ganze Familien zur Teilnahme an Meisterschaften eingeladen. Sie haben Politikerinnen und Politiker an die Bretter und Kinderaugen zum Leuchten gebracht, wenn sie ihren ersten Bauern zogen."
Von 1978 bis 1997 war Pungartnik Vorsitzender der Schachvereinigung Vaihingen - und blieb es fast zwei Jahrzehnte. Er engagierte sich im Schachverband Württemberg als Breitenschachreferent und Vizepräsident, zwei Funktionen, die er viele Jahrzehnte bis 2021 ausübte. Er tat es schweren Herzens, denn er trat von allen Funktionen zurück, um sich um seine kranke Frau zu kümmern. Vier Jahre pflegte er sie, bis sie vor zwei Wochen kurz vor der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes verstarb.
2011 kam Pungartnik etwas überraschend zu einer neuen Aufgabe auf höchster Ebene. Beim Bundeskongress in Bonn kandidierte Ralf Schreiber unverhofft nicht mehr als Referent für Freizeit- und Breitensport. In der Versammlung fand sich kein Nachfolger, aber dafür hatte jemand die Telefonnummer von Walter in seinen Kontakten. Pungartnik ließ sich überreden, um das Referat nicht unbesetzt zu lassen - und wurde in Abwesenheit gewählt. Sein reicher Erfahrungsschatz prädestinierten ihn für die Arbeit als DSB-Referent. In seinen vier Amtsjahren führte er die Projekte von Schreiber weiter und baute die Zusammenarbeit mit den Vereinen aus.
Der Deutsche Schachbund ehrte Walter Pungartnik 2021 für sein Lebenswerk, einer Auszeichnung, die vor ihm erst zwei andere Schachfreunde erhalten hatten. Mit dem Bundesverdienstkreuz schließt sich nun der Kreis und auch der Deutsche Schachbund möchte sich all den Gratulanten anschließen. Staatssekretärin Boser:
Sie haben nicht nur Figuren gezogen, Sie haben Menschen bewegt. Und deshalb, in aller Form, mit allem Respekt, aus tiefsten Herzen: Danke, Walter Pungartnik! Sie sind ein Vorbild. Ein Ehrenmann. Ein Leuchtturm in der Welt des Ehrenamts. Und es ist mir eine große Ehre, Ihnen eine der höchsten Anerkennungen, die die Bundesrepublik für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht, zu überreichen. Herzlichen Glückwunsch!
// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 11635