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Foto: Stev Bonhage / Deutscher Schachbund

Wenn die Tochter dem Papa gratuliert: "Ohne ihn wäre ich heute nicht das was ich bin."

4. September 2026

Thomas Pähtz mit seiner Tochter Elisabeth bei der DSAM 2024 in Potsdam

Ein großer Großmeister des deutschen Schachs: Thomas Pähtz wird 70. Und nicht nur Tochter Elisabeth findet passende Worte. "Er liebt und lebt Schach."

Ein ganz Großer des deutschen Schachsports feiert heute seinen 70. Geburtstag: Thomas Pähtz. Nicht nur, weil er bei der DSAM als Gastgroßmeister häufig als sehr nahbar zu erleben war: Ein Großmeister mit Aura – und zum Anfassen. Wir lassen einige Menschen zu Wort kommen, die ihn sehr gut kennen.

"Generationen von Newcomern begleitet."

Und wer (neben Gattin Anna) kennt ihn wohl besser als seine Tochter Elisabeth Pähtz? Die einzige deutsche Spielerin mit GM-Titel bringt es - auch im Namen ihres Bruders Thomas, der 2001 Deutscher Jugendmeister wurde und heute als Professor für Physik in China arbeitet - gegenüber der DSB-Öffentlichkeitsarbeit so auf den Punkt, warum ihr Papa natürlich der beste Papa der Welt ist: „Er hat für uns seine Karriere geopfert. Ohne ihn wäre ich heute nicht das was ich bin. Er sah immer uns vor seiner eigenen Person – und das ist nicht selbstverständlich.“

Bernd Vökler, der Bundesnachwuchstrainer, spielte viele Jahre mit dem Jubilar in einem Verein, beim Erfurter Schachklub: „Thomas Pähtz war einer der besten Spieler der DDR und Erfurts Spitzenspieler. Er hat mich im Jahre 1986 zu Erfurt in die Mannschaft geholt. Dafür bin ich ihm bis heute dankbar. Zwei Jahre später erzielten wir gemeinsam mit dem Gewinn der DDR Sonderliga den ersten Meistertitel. Am Beginn der Neunziger arbeiteten wir in der Ausbildung der jungen Erfurter Generation als Trainer zusammen. Dabei sind mehrere Deutsche Jugendmeister und als Glanzstück Elisabeth Pähtz durch unsere Schule gegangen. Thomas mit seiner schachlichen Expertise hat danach noch Generationen von Newcomern, unter anderem Christian Glöckler auf ihrem Weg begleitet.“

Carsten Schmidt, der DSB-Geschäftsführer, sagt: „Ich habe immer sehr geschätzt und genossen, dass er sich nie verbogen hat und immer bereit war, für Gerechtigkeit zu kämpfen. Er ist für mich ein Vorbild.“

Über Thomas Pähtz

Thomas Pähtz

Thomas Pähtz wurde am 4. September 1956 in Erfurt geboren, in eine Schachfamilie: Auch sein älterer Bruder Wolfgang und seine Schwester Hannelore Kube spielten erfolgreich Schach. Er galt als Naturtalent, gewann Schüler- und Jugendmeisterschaften der DDR und wurde 1974 als 17-Jähriger bei seiner ersten Männermeisterschaft auf Anhieb Sechster. 1982 folgte der FIDE-Meister-Titel und 1984 der IM-Titel; seine höchste Elo-Zahl erreichte er im Juli 1988 mit 2515.

Allein der Leistungssportbeschluss von 1969 verhinderte, dass er auch international noch erfolgreicher wurde. Schach wurde in der DDR – als nicht medaillenträchtig genug - nicht mehr gefördert und so nahm die DDR bis 1988 auch nicht an Schacholympiaden teil. Erst bei der Olympiade 1988 war auch die DDR wieder am Start - Thomas Pähtz kam so in Thessaloniki zu seiner einzigen Teilnahme am wichtigsten Team-Wettbewerb im Schachsport.

Seine wichtigsten Erfolge als Spieler:

  • dreimal Co-Sieger deutscher Meisterschaften – 1988 (DDR, mit Lutz Espig), 1990 (DDR, mit Raj Tischbierek) und 1993 gesamtdeutsch mit Thomas Luther
  • Schacholympiade 1988 in Thessaloniki für die DDR-Auswahl (drei Einsätze, +0 =2 −1)
  • Mannschaftstitel in der DDR (1973, 1983, 1988, 1991) mit der Schachgemeinschaft Leipzig, mit Mikroelektronik Erfurt und mit dem SV Erfurt-West, dazu Meisterschaften in Österreich und fünfmal in Luxemburg mit Gambit Bonnevoie
  • Er spielte in der Bundesliga für SF Dortmund-Brackel, den SV Erfurt-West (heute Erfurter SK, für den er dann erneut spielte), PSV Duisburg (mit Europapokal-Teilnahme), den Ilmenauer SV und den TSV Bindlach-Aktionär.

Und bald zieht er zu Tochter und Enkelin nach Brandenburg...

Die aktive Karriere beendete er früh und wurde Trainer; er leitet die Schachschule Kerspleben. Bereits ab 1991 entwickelte er die ersten Top-Talente auf Leistungsniveau – berühmt ist die Erfurter Trainingsgruppe mit seinen Kindern Thomas und Elisabeth sowie IM Ferenc Langheinrich und Dr. Thomas Hänsel. Aber seine beste Schülerin wurde seine eigene Tochter Elisabeth. Mit der Gründung der Erfurter Jugend-Trainingsgruppe begann auch ihre beispiellos erfolgreiche Leistungssport-Karriere. Damals war sie sechs Jahre alt. Bereits 1994 gewann Elisabeth Pähtz mit ihrem Vater als Trainer ihre erste Jugendmeisterschaft. Seit Jahrzehnten ist sie die beste deutsche Spielerin – auch ein Verdienst ihres Vaters, zu dem stets ein enges Verhältnis bestand. Und bald schon soll die Familie wieder vereint sein: Thomas Pähtz wird Thüringen verlassen und nach Brandenburg umziehen. In Bestensee bauen Jung und Alt gerade ein Haus, dann ist er auch seiner kleinen Enkelin Lavinia noch näher.

Sein bekanntester Schüler ist heute Christian Glöckler: Bei der Hybrid-Jugend-EM 2021 in Apolda wurde Pähtz ihm als Trainer zugeordnet und wurde anschließend sein erster Heimtrainer. 2023 wurde Glöckler Deutscher Meister U12 und Doppel-Europameister im Blitz- und Schnellschach, im März 2025 mit 13 Jahren und vier Monaten Internationaler Meister. Im Juli 2026 gewann er das Masters-Open in Biel und machte seine erste GM-Norm. Pähtz über ihn: „Einen wie ihn habe ich noch nie trainiert.“

Wie sagt es Bernd Vökler so schön: „Thomas Pähtz liebt und lebt Schach. Herzlichen Glückwunsch!“ Der Deutsche Schachbund schließt sich der großen Schar der Gratulanten gerne an. (mw)

// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 11791

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