4. September 2025
Am 27. September kehren die Täter an den Tatort zurück. Der Düsseldorfer SK spielt beim SV Deggendorf. Der Meister der Schach-Bundesliga eröffnet die neue Saison also dort, wo er den Titel holte – damals, bei einer fulminanten Zentralen Endrunde im April. Mal ganz abgesehen davon, dass das Düsseldorfer Team in dieser Saison deutlich weniger prominent und indisch besetzt daherkommen wird, weil der Geldgeber seinen Titeldurst gestillt hat, darf sich die Liga aber jetzt schon auf ein echtes Highlight freuen: Das große Finale der Schachbundesliga kehrt in die Hauptstadt zurück, an wirklich imposanter Stelle: Vom 24. bis 26. April 2026 findet im Willy-Brandt-Haus in Berlin-Kreuzberg die zentrale Endrunde der Saison 2025/26 statt. An drei Spieltagen fallen dort die Entscheidungen um Meisterschaft und Abstieg. Ausrichter sind die Schachfreunde Berlin 1903 gemeinsam mit dem Berliner Schachverband. Die Frauen mit ihrer Bundesliga werden diesmal nicht bei der Endrunde dabei sein.
Ein komplexes Thema. Bekannt ist, dass der amtierende Meister SC Bad Königshofen mit seinem rührigen Vorsitzenden Jürgen Müller Bereitschaft signalisiert hat, eine Zentrale Endrunde der Frauenbundesliga auszurichten - wie bereits 2024. Die Liga startet am 20. September und hat ihre letzten beiden Spieltage auf den 18. und 19. April terminiert. „Wir würden es machen, aber wollen nicht noch Geld mitbringen“, sagte Jürgen Müller süffisant. Soll heißen: Derzeit wird mit dem Schachbund noch über die Höhe der Unterdeckungszusage für das dann im großen Kursaal stattfindende Turnier verhandelt. Bad Königshofen, betont Müller, habe ja bereits bewiesen, dass man Endrunde könne: „Wir wissen, was wir draufhaben. Und der DSB weiß es auch.“ Nun lautet also die aktuelle Situation laut DSB-Präsidentin Ingrid Lauterbach für das Saisonfinale: „Bad Königshofen oder dezentral.“ Dass man nicht gemeinsam mit der offenen Bundesliga in Berlin spielt, hat laut den Ausrichtern logistische Gründe – jenseits der in Schachkreisen gerne geführten ideologischen Diskussion, ob die Frauen nicht doch lieber unter sich bleiben, weil sonst zu sehr der Fokus auf den männlichen Top-Stars der Bundesliga liegt. Fakt ist laut Paul Meyer Dunker, dem Präsidenten des Berliner Verbandes: „Im Willy-Brandt-Haus ist nicht genügend Platz, um zwei Bundesligen parallel auszutragen.“ Der Präsident der Bundesliga, Markus Schäfer, bedauert das: „Perspektivisch darf sehr gerne wieder gemeinsam mit der Frauenbundesliga gespielt werden.“ Die gemeinsame Endrunde mit der Frauenbundesliga in Deggendorf 2025 sei ein voller Erfolg gewesen. Kurzum: Es war ein Schachfest.
Berlin hat bereits 2021 die Endrunde ausgerichtet. Aber damals noch nicht in einem bundesweit bekannten Spiellokal – wenn dieser Begriff denn überhaupt angemessen ist für das Willy-Brandt-Haus, dem Sitz der SPD-Parteizentrale. Der Namensgeber des Hauses wird den Spielern, in staatsmännischer Pose als Kunstdenkmal, über die Schulter schauen. Schäfer formuliert es so: „Ein großartiges Spiellokal.“
Die Endrunde ist eine von zwei großen Veranstaltungen des organisierten Schachs im kommenden Jahr. Neben dem Schachgipfel (16. bis 26. Juli 2026) in Dresden, bei dem zwölf Deutsche Meisterschaften ausgetragen werden, markiert die zentrale Endrunde in Berlin den zweiten sportlichen Höhepunkt des Schachjahres. Zahlreiche Weltklassespieler und einige Dutzend Großmeister werden in Berlin um die Mannschaftsmeisterschaft oder gegen den Abstieg aus der stärksten Liga der Welt kämpfen.
Für den Berliner Schachverband hat die Endrunde besondere Bedeutung: Sie fällt exakt mit dem 125-jährigen Jubiläum des Landesverbands zusammen. Am 26. April 1901 gegründet, wird der Verband das Jubiläum im Rahmen der Endrunde feiern – gemeinsam mit dem Bundesligisten Schachfreunde Berlin, der als Mitorganisator auftritt. Beide hatten sich gemeinsam um die Ausrichtung beworben und den Zuschlag erhalten. Aus dem Veranstaltungsreigen zum Jubiläum des Berliner Verbands wird die dreitägige Bundesliga-Zentralveranstaltung herausragen.
Geplant ist nicht nur Bundesliga-Schach. „Wir bereiten aktuell weitere Turniere und Veranstaltungen im Rahmen des Bundesliga-Wochenendes vor. Die Bandbreite reicht von verschiedenen Angeboten wie Jugendturnieren bis zur 125-Jahr-Feier des Berliner Schachverbandes “, sagt Paul Meyer-Dunker, Präsident des Berliner Schachverbands. Ziel sei ein umfangreiches Rahmenprogramm für Besucher.
So ist auch die Rückkehr des traditionsreichen Lasker-Blitzturniers geplant, das bei früheren Endrunden für große Teilnehmerfelder sorgte. Das Lasker-Blitzturnier soll auch als offene Landesblitzmeisterschaft von Niedersachsen firmieren. Das Format würde zusätzliche Gäste anziehen und Besuchern Gelegenheit geben, selbst zu spielen. Ob es sich in den straffen Zeitplan des dreitägigen Finales einbinden lässt, ist noch offen. Über seinen Präsidenten Michael S. Langer, der die Bundesliga ehrenamtlich in Marketingfragen berät, ist der Niedersächsische Schachverband (NSV) aber in jedem Fall in die Endrunde organisatorisch eingebunden. Schäfer: „Drei starke Partner – Schachfreunde Berlin, Berliner Schachverband, NSV – machen diese Veranstaltung gemeinsam mit der Schachbundesliga möglich.“ Nur nebenbei: Für Meyer-Dunker, den BSV-Präsidenten, ist die Veranstaltung eine letzte Wegmarke auf seinem erfolgreichen Weg zu einem dynamischen und sehr lebendigen Verband. Meyer-Dunker wird, wie langfristig angekündigt, kurz darauf bei den Neuwahlen nicht mehr antreten.
Sportlich verspricht das Wochenende jedenfalls Hochspannung. Am Samstag, 25. April, kommt es zur voraussichtlich zentralen Begegnung im Meisterschaftsrennen, wenn Rekordmeister OSG Baden-Baden auf den Vizemeister SC Viernheim trifft – die beiden nominell mit Abstand stärksten Mannschaften der Liga. Auch im Kampf um den Klassenerhalt ist ein enges Rennen zu erwarten, das wahrscheinlich wie zuletzt erst am Schlusstag entschieden wird.
Schäfer zeigt sich mit Blick auf die Zukunft optimistisch: „Ich bin zuversichtlich, dass wir auch künftig viele Spieljahre mit einer Zentralen Endrunde abschließen.“ Für 2027 gebe es bereits Interesse „von einem Verein, der 2027 sein hundertjähriges Bestehen feiert“. (mw)
// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 36748