10. Juni 2026
Am Ende hatte er noch eine Botschaft für alle Mitglieder des Deutschen Schachbundes. „Wir haben verstanden und sehen das auch als klare Aufgabe“, sagte Paul Meyer-Dunker, „dass das, was in den letzten Monaten passiert ist, sicherlich nicht die Art und Weise ist, wie das deutsche Schach repräsentiert werden soll. So wird es nicht weitergehen, das wird jetzt anders werden.“ Er wolle, dass alle Schachfreunde und -freundinnen „auf den Deutschen Schachbund blicken und sich denken: Das passt schon.“ Mehr sei gar nicht nötig. Und damit zum zweiten Teil des Interviews mit dem neuen Präsidenten des DSB, das Matthias Wolf und Finn Engesser geführt haben. Heute tauchen wir auch tiefer in den sportlichen Bereich ein. Einige Aussagen gibt es hier zum Nachlesen – aber alle Antworten gibt es nur im großen Video-Interview.
Über den Schachgipfel Dresden: „Ich bin erst mal sehr froh, dass wir da einen guten Planungsstand übernommen haben. Der formelle Akt, dieser Förderbescheid, der steht halt noch aus, ist aber jetzt auch erstmal kein Drama, weil wir da eben einen Partner haben, der sehr klar gesagt hat mit der Stadt, dass sie das unterstützen.
Über die Berichterstattung der Sächsischen Zeitung, der DSB habe Ausgaben "schöngerechnet" - um höhere Zuschüsse von der Stadt zu bekommen: "Ehrlich gesagt, ist das völliger Mumpitz. Ich find es aber auch schade, dass man das nicht einfach so klar und offen transparent kommuniziert hat, als das aufkam. Also die öffentlichen Äußerungen, die da vom Deutschen Schachbund vorher kam, waren Sachen wie: Mit anonymen Hinweisen will man sich gar nicht auseinandersetzen und rechtliche Schritte einleiten. Das hätte man einfach erklären können. Es war so, dass es eine Diskussion darüber gab, welche Ausgaben und welche Einnahmen in den Förderantrag müssen. Es ist so, dass es häufig Ausgaben gibt, die nicht förderfähig sind und dementsprechend, wenn man sie reinschreibt, auch nicht hilfreich für den Antrag sind. Zum Beispiel: Preisgelder sind laut vielen Förderregularien von Bund, Ländern, Kommunen nicht förderfähig. Und da ging es dann darum, wenn wir die Ausgaben nicht in den Antrag schreiben, wäre es dann nicht auch sinnvoll, dass die Einnahmen, die eins zu eins für die Preisgelder da sind, auch mit reinkommen? Kann man das, darf man das, soll man das? Wir haben Sponsoringgelder, die dafür da sind, die Preisgelder bei den Deutschen Meisterschaften zu bezahlen. Das war die Diskussion, um die es ging, ein völlig legitimer Diskussionsvorgang. Jetzt ist es so, dass es dabei ja nicht geblieben ist. Es gibt diese Mail, die anonym weitergeleitet wurde - und man ist dann auf die Stadt Dresden zugegangen und hat gefragt: Wie seht ihr das denn, sollen wir das reinschreiben, sollen wir das weglassen? Und da wurde dann so verblieben, wir schreiben alle Ausgaben, alle Einnahmen rein, ob förderfähig oder nicht. Dementsprechend wurde dann auch Mitte März noch vom alten Präsidium ein entsprechender Förderantrag an die Stadt Dresden gestellt. Und auf der Basis wurde bisher immer gesagt, dass alles gut ist. Und das ist ein völlig legitimer Vorgang. Es ist völlig haltlos, was dort publiziert wurde. Und es ist schade, dass man das nicht früher deutlicher kommuniziert hat."
Über die Olympiade 2026 in Samarkand: "Wir haben zwei Nationalmannschaften, die hervorragend aufgestellt sind. Ich glaube, es gibt viele, die beneiden uns zum Beispiel um den Teamgeist bei den Männern. Das ist jetzt was, was ich in letzter Zeit öfter gehört hab, dass die Jungs ja nicht nur alle sehr stark sind, sondern dass sie auch unheimlich gut zusammenhalten und zusammenarbeiten. Wir haben natürlich mit Vincent Keymer ein absolutes Zugpferd an Brett eins, der absolute Weltspitze ist und da mit jedem konkurrieren kann. Und dementsprechend macht das natürlich sehr Spaß auf so ein Ereignis zu blicken, weil man gute Chancen hat. Bei den Frauen haben wir auch eine Lage, die gut ist. Die haben bei der Team-EM eine Medaille geholt. Das gab es so auch noch nicht. Wir haben mit Dinara Wagner und Elisabeth Pähtz eine Nummer 1 und Nummer 2, die sehr stark sind und die an einem guten Tag auch jedem was abringen können. Wir haben hinten Leute, die auch auf einem guten Level sind - und dementsprechend freue ich mich auch da."
Über eine Rückkehr von Elisabeth Pähtz: "Also ich habe Elisabeth ganz klar gesagt, dass ich mir natürlich wünsche, dass sie dabei ist und dass wir als Deutscher Schachbund auch alles tun, um sie in ihrer Situation als junge Mutter zu unterstützen. Jetzt ist es sowohl unsere Pflicht als auch unsere große Freude, das zu tun und dementsprechend setze ich sehr darauf, dass unsere Frauennationalmannschaft da gut verstärkt wird an der Stelle - und dann auch noch konkurrenzfähiger ist."
Über die Diskussionen beim Bundeskongress, worauf der DSB den größten Fokus legen sollte: Amateursport, Leistungssport, Jugendarbeit: „Ich kann solchen Diskussionen nicht so viel abgewinnen, weil man kann ja das eine tun und das andere trotzdem nicht lassen. Und wir sollten als Deutscher Schachbund mit 100.000 Mitgliedern, 2.300 Vereinen, in der Geschäftsstelle mit vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sowie 17 sehr schlagkräftigen Landesverbänden, in der Lage sein zu sagen, dass wir unsere stärksten Spielerinnen und Spieler im Leistungssport gut fördern können - und trotzdem daran arbeiten, gute Angebote für unsere Mitglieder an der Basis fürs Breitenschach zu schaffen und auch unsere Jugend maximal möglich zu fördern. Wir sind da überall in der Pflicht zu agieren. Es gibt verschiedene Baustellen bei verschiedenen Themen. Wenn wir zum Beispiel darüber reden, wie wir mehr in die Breite kommen, dann ist, glaube ich, das Thema, wie wir es schaffen, uns mehr an mehr Schulen zu etablieren, ein ganz, ganz großes Thema. Denn wenn wir die Mitgliederpyramide von unten denken, dann fängt es nun mal ganz unten an. Davon haben sowohl die Vereine was, davon hat aber auch der Leistungssport am Ende was."
Über die DSAM: „Wir haben mit der Turnierserie ein großartiges Aushängeschild. Das müssen wir noch mehr stärken. Im Prinzip haben wir auch tolles Produkt, was wir da anbieten können, um es mal sehr untypisch für unseren Schachbund zu sagen. Wo wir mehr gucken müssen, wie wir noch auf die Städte, auf die Kommunen zugehen, auf potenzielle Partnerinnen und Partner zugehen, um daraus mehr zu machen. Oder auch noch mal gucken, wie wir da noch mehr in die Berichterstattung kommen, weil ich glaub eigentlich in vielen Städten sind diese DSAM-Turniere ein tolles Ereignis, was auch noch mehr Berichterstattung verdient. Also da können wir an allen Ecken noch mehr machen.“
Über die Talente: „Der Jugendbereich ist eine riesige Baustelle aus meiner Sicht. Weil wir natürlich gucken müssen, wie wir mit den Mitteln, die wir haben, das Bestmögliche rausholen. Wir haben ganz, ganz viele tolle Talente, man muss aber auch sagen, dass wir eben nicht Indien oder Usbekistan sind, wo der Staat ohne Ende Geld reinpumpt. So, und wenn man da von der Menge des Geldes her nicht konkurrieren kann, muss man schauen, wie man konkurrenzfähig sein will, wie man das Geld so effizient wie möglich einsetzt. Ich hab das Gefühl, dass sich in der Vergangenheit im deutschen Schach zu viel darum gedreht wird, wie kriegen wir den nächsten Großmeister, die nächste Frauengroßmeisterin - was zwar schön ist und das sollte man auf keinen Fall kleinreden, das sind großartige Achievements für jeden und jede, die das schafft. Aber im Sinne des Deutschen Schachbundes und des Deutschen Schachs ist das nicht zwingend das, was einen auf die nächste Stufe hebt. Weil die Nationalmannschaft beginnt ab 2625 Elo, bei den Frauen ist es genauso ungefähr mit 300 Elo-Punkten weniger - und da braucht man im Prinzip nicht noch einen Großmeister mit 2550, sondern wir müssen daran arbeiten, wie wir eben noch mehr Weltklasse-Großmeister hervorbringen, die dann auch in der Nationalmannschaft um internationale Erfolge spielen können. Am Ende des Tages werden wir nicht daran gemessen, wie viele Großmeister in Deutschland es gibt, sondern wie sehr wir um internationale Erfolge mitspielen können. Und deswegen müssen wir da auch schauen, wie wir unsere Mittel effizienter in einer wirklich sinnvollen Leistungssportförderung unterbringen können, damit die stärksten Leute die bestmöglichen Leistungen erzielen können.“
Über Mädchen- und Frauenschach: Da gibt es ganz, ganz viele Gründe, warum das sehr wichtig ist, dass wir da besser werden. Wenn wir uns die Mitgliederzahlen des Deutschen Schachbundes und die Mitgliederentwicklung und die Kurven anschauen, dann ist da ein riesiges Potenzial. Wir haben einen ganz, ganz kleinen Bruchteil Mädchen und Frauen bei uns im deutschen Schach - und wenn wir es schaffen, diesen Anteil auch nur im geringen Maße zu erhöhen, ist das eine große Mitgliedersteigerung. Außerdem wäre es, glaube ich, auch für die Frauen und Mädchen im Schach sehr schön, wenn sie mit mehr anderen Mädchen und Frauen zusammenspielen können und teilweise nicht die einzige Frau in einem riesigen Open mit ganz vielen Männern und Jungs sind. Das trägt auch dazu bei, dass es für die, die schon da sind, angenehmer wird. Dann haben wir natürlich auch mehr ein größeres Talentreservoir, aus dem wir schöpfen können und wo wir dann es einfacher haben, stärkere Spielerinnen hervorzubringen und bessere Leistungen zu erzielen. Und ja, ich finde ganz persönlich, dass Strukturen häufig davon profitiert haben, wenn verschiedene Perspektiven da sind. Und dazu gehört eben auch, dass die Perspektiven von Frauen und Mädchen, von Lebensrealitäten von Frauen und Mädchen, mehr eine Rolle spielen.“ (mw)
// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 37051