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Foto: Stev Bonhage / Deutscher Schachbund

Wir trauern um Anni Laakmann

20. Oktober 2025

Gisela Fischdick und Anni Laakmann (© Buch Otto Borik "Schacholympiade Buenos Aires '78", Walter-Rau-Verlag)

Anni Laakmann – eine der prägenden Figuren des westdeutschen Frauenschachs – stirbt mit 88 Jahren

Erst vor einer Woche blickten wir im Rahmen der Team-EM 2025 in Batumi auf den historischen Erfolg der deutschen Frauenmannschaft bei der Schacholympiade 1978 in Buenos Aires zurück – und damit auch auf die Leistung von Anni Laakmann, die damals als erfahrenste Spielerin im Team eine zentrale Rolle spielte. Nun müssen wir mit großer Trauer mitteilen, dass Anni Laakmann am 18.09.2025 im Alter von 88 Jahren verstorben ist.

Erfolge von Anni Laakmann

Anni Laakmanns Schachkarriere begann vergleichsweise spät: Sie lernte das Schachspielen erst mit 29 Jahren. Doch bereits vier Jahre später, 1970, wurde sie Meisterin von Württemberg-Hohenzollern – der Auftakt zu einer beeindruckenden Laufbahn. In den folgenden Jahren gewann sie viermal in Folge die Deutsche Damenmeisterschaft:

  • 1970 in Lauterbach (Hessen)
  • 1972 in Burg (Dithmarschen)
  • 1974 in Kassel (Hessen)
  • 1976 in Brilon (Nordrhein-Westfalen)

Insgesamt sechsmal vertrat sie die Bundesrepublik Deutschland bei den Schacholympiaden der Frauen – von 1972 in Skopje bis 1982 in Luzern. 1978 in Buenos Aires gehörte sie zum Team, das mit einer historischen Leistung die Bronzemedaille gewann – ein Erfolg, der bis zur Team-EM 2025 in Batumi einzigartig blieb. Ihre internationale Klasse unterstrich sie auch beim Nordic Chess Cup 1973, wo sie eine Goldmedaille für das beste Ergebnis am Damenbrett errang.

Neben ihren sportlichen Erfolgen engagierte sich Anni Laakmann auch abseits des Turniersaals: Schon in den 1970er-Jahren unterrichtete sie Schulschach und war maßgeblich an der Organisation von Jugendturnieren im Raum Stuttgart beteiligt. Vielen jungen Spielerinnen und Spielern hat sie ihre Begeisterung für das Schachspiel weitergegeben. Für ihre Verdienste um den Schachsport wurde sie unter anderem mit der Silbernen Ehrennadel des Schachverbands Württemberg ausgezeichnet. Auch der Deutsche Schachbund verlieh ihr 1982 die Silberne Ehrennadel als Mitglied der erfolgreichen Olympiamannschaft. Anni Laakmann war Berufsköchin und lebte zuletzt in Stuttgart. Sie war langjähriges Mitglied beim Mönchfelder SV 1967, dem sie bis ins hohe Alter verbunden blieb.

Unser Mitgefühl gilt ihrer Familie, ihren Freunden sowie allen Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern. Wir werden Anni Laakmann in dankbarer Erinnerung behalten.

Historischer Rückblick: Buenos Aires 1978

Logo der Schacholympiade 1978

47 Jahre mussten wir auf eine Medaille bei einem großen Mannschaftswettbewerb der Frauen warten. Vor Batumi 2025 gelang das zuletzt einer deutschen Frauenmannschaft im Jahr 1978!

Bei der Schacholympiade vom 25. Oktober bis 12. November 1978 in Buenos Aires (Argentinien) wurde an drei Brettern gespielt. Die BRD spielte mit Anni Laakmann (* 05.01.1937; heute 88 Jahre alt), Gisela Fischdick (* 05.11.1955; heute 69), Barbara Hund (* 10.10.1959; heute 66) und Hannelore Weichert (* 08.12.1942; † unbekannt). Eine Mannschaft aus der DDR war nicht am Start, weil Schach nicht mehr zu den förderungswürdigen Sportarten zählte und Reisen in das nichtsozialistische Ausland nicht mehr vorgesehen waren.

Die 32 Mannschaften wurden auf vier Gruppen aufgeteilt. Die BRD wurde in ihrer Vorrundengruppe Zweiter hinter Ungarn und erreichte die Finalrunde A, wo sie hinter der UdSSR und Ungarn sensationell Bronze holten. In seinem Buch zur Schacholympiade schrieb Otto Borik, der damals auch als Spieler dabei war: "Die deutsche Mannschaft, die zu Beginn der Finalrunde immer noch als 'Outsider' angesehen wurde, schob sich durch große kämpferische Leistung langsam nach vorne. Dabei wuchs die Unterstützung durch das Männerteam von Runde zu Runde. Man half bei den Vorbereitungen auf den nächsten Gegner und bei der Analyse der abgebrochenen Partien. Es hatte den Anschein, daß dies bei den anderen Mannschaften nicht üblich war, denn die Analysen der deutschen Mannschaft erwiesen sich meistens als besser. Der Erfolg wurde zum Schluß auch gemeinsam gefeiert!"

  • Anni Laakmann kam damals als mehrfache BRD-Meisterin nach Buenos Aires. Sie war die erfahrenste Spielerin im Team. Laakmann lebte in Stuttgart und war Küchenmeisterin von Beruf. Laakmann ist immer noch Mitglied beim Mönchfelder SV, hat aber seit 2002 keine gewertete Partie mehr gespielt.
  • Gisela Fischdick aus Bielefeld studierte Biologie und Chemie und hatte Ornithologie als Hobby. Neben Barbara Hund galt sie als das größte Talent im westdeutschen Schach. Sie ist heute beim Düsseldorfer SK aktiv und spielte zuletzt Senioren-Europameisterschaften mit.
  • Barbara Hund studierte Mathematik und lebte in Leverkusen. Ihre ganze Familie spielte Schach: Vater, Mutter und alle vier Töchter. Sie erzielte das zweitbeste Einzelergebnis am dritten Brett mit 9½ aus 12. Hund gehört heute dem SK Zähringen in Freiburg an und ist noch sehr aktiv.
  • Hannelore Weichert (geb. Jörger) aus Frankfurt/Main war ausgebildete Konzertpianistin, übte diesen Beruf aber nicht mehr aus. Ihr Vater Hans-Georg Jörger war ein erfolgreicher Fechter, der in seiner Sportart 1936 in Berlin Bronze bei Olympia gewann. Weichert heiratete später noch einmal und beendete ihre Schachkarriere 1989 bei der FTG Frankfurt. Sie ist inzwischen verstorben, der genaue Zeitpunkt ist unbekannt.

Trainer und Betreuer der Frauen war DSB-Honorartrainer Sergiu Samarian, ein gebürtiger Rumäne.

1982 erhielten die vier Spielerinnen für ihren Erfolg die Silberne Ehrennadel des Deutschen Schachbundes.

Für Barbara Hund, damals 19 Jahre alt, war es die erste große Reise über den Atlantik. Sie kann sich noch sehr gut daran erinnern und sie war damals "völlig überwältigt". Zu Gisela Fischdick hat sie noch Kontakt.

// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 36817

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