28. August 2026
Wenn es um Inklusion geht, um seine Sache, ist Gert Schulz ein Kämpfer. So freut sich der Inklusionsreferent des Deutschen Schachbundes zwar einerseits, dass vom 10. bis 17. September in Samarkand auch die dritte Olympiade für Schachspieler und -spielerinnen mit Behinderung stattfinden wird, zu der auch der DSB ein Team entsendet – aber andererseits ärgert ihn, dass sich die Para-Olympiade nur drei Tage mit der 46. Olympiade der internationalen Schachstars überschneidet: „Warum nur so kurz? Das hätte man besser machen können.“ Ebenso vermisst er, wie früher, internationale Teams mit Gehörlosen, Blinden und Körperbehinderten, die an der regulären Olympiade teilnehmen. „Ich hätte gerne beides gehabt, die eigene Olympiade für Behinderte – und diese Teilnahme der internationalen Auswahlteams im anderen Feld. Das wäre dann wirklich gelebte Inklusion.“ Was er nun im Zusammenhang mit der FIDE kritisiert, will er auf DSB-Ebene künftig vorantreiben. Der wichtige Schritt in diese Richtung war die Gründung des Vereins „Förderkreis Inklusion im DSB“. Der hielt am Mittwoch seine erste, konstituierende Präsidiumssitzung ab.
Erster Vorsitzender ist Gert Schulz, an seiner Seite sind Leander Lehnert als Vizepräsident Öffentlichkeitsarbeit und Maria Schmidt als Vizepräsidentin Finanzen. Die Berlinerin hat beruflich und privat sehr viel Erfahrung im Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigung. „Dieser Verein“, sagt Maria Schmidt, „ist sehr, sehr wichtig. Damit auch im Schachsport die Behinderten noch mehr wahrgenommen und unterstützt werden.“ Der Verein sei „eine wichtige Stimme im Kampf um mehr Inklusion“.
Um die ist es ja noch nicht sonderlich gut bestellt, betont Gert Schulz. Wenngleich Schach als mithin der inklusivste Sport überhaupt gilt, mangelt es nach wie vor an barrierefreien Spiellokalen und Turniersälen: „Wir hinken da unseren eigenen Zielen, die wir uns als Verband schon 2019 gegeben haben, weit hinterher.“ Der Mangel an Barrierefreiheit auch im Schachsport hindere ihn zum Beispiel öfter an einer Teilnahme, hat kürzlich der neue Deutsche Meister der Schachspieler mit Behinderung, Michael Becker, gesagt: „Ich sage oft Turniere ab, weil sie nicht barrierefrei sind.“ Hier wolle der neue Förderverein immer wieder auf Missstände hinweisen und Verbesserungen einfordern.
Ein Hindernis seien auch oft die Kosten, betont Gert Schulz: Viele Behinderte standen nicht so lange im Erwerbsleben, hätten nicht so viel Geld. Hier will der neue Verein auch ansetzen. Denn in der Satzung heißt es wörtlich: „Zweck des Vereins ist die Förderung des Schachsports und zwar insbesondere die Pflege und Förderung des Schachs der Menschen mit Behinderung. Der Satzungszweck wird insbesondere verwirklicht durch die Förderung von Maßnahmen, Projekten und Veranstaltungen zur Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Schachsport sowie durch finanzielle Unterstützung von hilfsbedürftigen Schachspielerinnen und Schachspielern mit Behinderung zu den Kosten für die Teilnahme an Schachturnieren und die Ausrichtung von Turnieren.“ Dies müsse möglich sein unabhängig davon, wie zum jeweiligen Zeitpunkt die finanzielle Lage des Verbandes sei, so Schulz: „Wir wollen eine enge Anbindung an den DSB, sehr viel Austausch und Kooperation mit dem Verband – aber auch ein gewisses Maß an finanzieller Unabhängigkeit.“ DSB-Geschäftsführer Carsten Schmidt sagt, man freue sich auf die Zusammenarbeit, der neue Förderkreis könne „auch dem DSB sicherlich an der ein oder anderen Stelle die Augen öffnen, wo wir für unsere Spielerinnen und Spieler mit Behinderung noch mehr tun können“.
Mit den Inhalten des neuen Vereins können sich bereits sehr viele Schachspieler und -spielerinnen identifizieren. 31 Gründungsmitglieder hatte der Verein am 20. Juli in Dresden, darunter auch DSB-Präsident Paul Meyer-Dunker, DSB-Vize Jannik Kiesel und Carsten Schmidt. Mitglied des Vereins kann jede natürliche oder juristische Person werden, außerdem jede Personenvereinigung. Schon mit 30 Euro Jahresbeitrag ist man dabei.
Mittlerweile liegt die Mitgliederzahl bereits bei 46, Gert Schulz wirbt weiterhin darum, dass der Förderkreis Inklusion noch größer wird. „Wir wollen eine Art Wissenspool für Inklusion im Schach sein“, sagt er, „Anlaufstelle für alle, die Fragen zum Thema haben. Wir werden helfen.“ Derzeit ist der neue Öffentlichkeitsmann im Präsidium, Leander Lehnert, der von Beruf Fotograf ist, mit dem Aufbau einer Webseite und dem Entwerfen eines Logos beschäftigt. Im Hintergrund laufen die bürokratischen Abläufe wie die Einrichtung eines Kontos (in wenigen Tagen erledigt) und die Eintragung ins Vereinsregister in Berlin. Der Notartermin ist am 29. September. (mw)
Wer will im Förderkreis Inklusion dabei sein? Interessenten wenden sich per Mail an Gert Schulz unter inklusion@schachbund.com
Wer die Arbeit des Förderkreises Inklusion im DSB unterstützen möchte, kann dies gerne mit einer Spende tun. Bitte verwendet dafür folgende Kontoverbindung:
Kontoinhaber: FOERDERKREIS INKLUSION IM
IBAN: DE46 8306 5408 0007 0251 22
BIC: GENO DEF1 SLR
Wichtig: Bitte den Namen des Kontoinhabers bei der Überweisung genau in dieser Schreibweise angeben: „FOERDERKREIS INKLUSION IM“.
// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 37119