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WM im Blindenschach: Mirko Eichstaedt schrammt knapp an einer Medaille vorbei

30. September 2025

Dominik Müller und Mirko Eichstaedt mit den Pokalen

Vom 18. bis 28. August 2025 fanden in der Großstadt Rzeszów im südöstlichen Polen am Rande der Karpaten die 17. Einzel-Weltmeisterschaften des internationalen Blindenschachbundes IBCA statt. In den ersten neun Tagen wurde das Turnier mit langer Bedenkzeit ausgetragen, an den letzten beiden Tagen die Schnellschach-Weltmeisterschaft.

Der Deutsche Blinden- und Sehbehinderten-Schachbund (DBSB) war mit fünf Spielern und vier Begleitern angereist. Im Hauptwettbewerb verfehlte Mirko Eichstaedt nur knapp eine Medaille.

Lesen Sie dazu den nachfolgenden Bericht von Frank Schellmann.

Neun Vertreter des DBSB reisten mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln zur 17. IBCA-Einzelweltmeisterschaft nach Rzeszow in Polen. Alle kamen pünktlich an.
Über unseren Gastgeberort ist mir wenig bekannt, er hat aber immerhin fast 200.000 Einwohner. Das Hotel Rzeszow, ein Vier-Sterne-Hotel mit gutem europäischem Standard, war vom Bahnhof gut zu erreichen und sehr gut ausgestattet. Der Veranstalter hatte die Abholung vom Bahnhof bzw. Flughafen gut organisiert, so dass wir genügend Zeit für die Erholung hatten.

Die IBCA hatte beschlossen, die Einzel-WM und Europa-EM nunmehr alle zwei Jahre auszutragen. Im Gegensatz zur vorhergehenden Weltmeisterschaft auf Rhodos (81 Teilnehmer aus 29 Ländern) waren nur 58 Teilnehmer aus 22 Ländern angetreten, was wahrscheinlich auf die kurz vorher durchgeführte IBCA-Olympiade in Serbien zurückzuführen ist. Erfreulich war die Anwesenheit von usbekischen und indischen Spielerinnen und Spielern, die leider keine Einreise nach Serbien zur Olympiade erhalten hatten. Die Bedenkzeit beträgt mittlerweile bei der IBCA standardmäßig zwei Stunden plus 30 Sekunden für jeden ausgeführten Zug.

Einzel-Weltmeisterschaft

Am 18. August begann das Turnier nach einer kurzen Eröffnung um 15 Uhr mit der 1. Runde. Von Beginn an erwartete man einen Zweikampf zwischen dem polnischen GM Marcin Tazbir und dem spanischen IM Daniel Pulvett Marin, aber bereits in der 3. Runde gab Tazbir einen halben Punkt ab, so dass das Turnier spannender zu werden schien.

Dominik Müller verlor in der 2. Runde gegen Dawid Falkowski, und Mirko Eichstaedt zog in Runde 3 überraschenderweise gegen Michal Wolanski den Kürzeren. Danach lief es für beide Spieler besser, und sie belegten am Ende des Turniers Platz 7 und Platz 4 und wurden mit Pokalen ausgezeichnet. Mirko gelang es, in der letzten Runde gegen IM Piotr Dukaczewski mit den schwarzen Steinen zu gewinnen, was ihm Hoffnungen auf den 3. Platz machte. Doch der ehemalige Weltmeister aus Montenegro IM Predrag Nikac gewann seine letzte Partie auch und überholte Mirko in der Zweitwertung.

Bereits in der zweiten Runde traf Thorsten Mueller auf GM Tazbir und Frank Schellmann auf IM Pulvett Marin. Sie verloren erwartungsgemäß. Kurioserweise vollzog sich gleiches Prozedere mit vertauschten Farben bei der nachfolgenden Schnellschach-Weltmeisterschaft.

Unsere anderen beiden Teilnehmer Thorsten Mueller und Uwe Hahnewald waren mit ihren Leistungen zufrieden und erreichten Platz 12 mit 5,5 Punkten und Platz 19 mit 5 Punkten.

Frank Schellmann fand nicht so richtig ins Turnier, erarbeitete sich immer wieder gute Positionen, nutzte diese aber dann nicht. Am Ende sprang Platz 29 mit 4,5 Zählern heraus.

In Runde 7 trafen die beiden Favoriten aufeinander. Sie einigten sich schnell auf ein Remis, wodurch der Spanier IM Pulvett Marin seinen Vorsprung sicherte und erstmals den Weltmeistertitel errang, Zweiter wurde GM Tazbir.

Endstand

Pl. Titel Name Land Elo Pkt. Buch
1 IM Daniel Eduardo Pulvett Marin 2483 7,0 46,0
2 GM Marcin Tazbir 2529 6,5 46,0
3 IM Predrag Nikac 2231 6,5 46,0
4 CM Mirko Eichstaedt 2205 6,5 45,5
5 FM Mihail-Dacian Pribeanu 2140 6,5 43,5
6 Marcin Chojnowski 1935 6,5 40,0
7 Dominik Müller 2247 6,0 42,0
8 IM Piotr Dukaczewski 2164 5,5 45,0
9 David Fernandez Lago 2080 5,5 44,5
10 Gangolli Kishan 2026 5,5 43,5
11 IM Jacek Stachanczyk 2122 5,5 43,0
12 Thorsten Mueller 1976 5,5 41,5
13 Axadxon Kimsanboyev 1993 5,5 41,0
14 Nurgisa Kuanyshuly 1767 5,5 39,5
15 B Joshi Aryan 1968 5,5 39,0
16 Emilia Egeman 1933 5,5 33,5
17 Michal Racis 2104 5,0 44,0
18 Mihai Dima 1962 5,0 40,5
19 Uwe Hahnewald 1933 5,0 39,5
20 Victor Abiad Parra 1930 5,0 39,5
21 Kuanishbek Jumadullayev 2082 5,0 39,5
22 Dawid Falkowski 1971 5,0 38,5
23 Andrzej Migala 1884 5,0 38,5
24 Marco Casadei 2011 5,0 37,5
25 FM Jorgen Magnusson 2237 4,5 44,0
26 Michal Wolanski 1990 4,5 43,5
27 Julia Salamon 1954 4,5 42,5
28 Emilia Tryjanska 1828 4,5 39,0
29 CM Frank Schellmann 1972 4,5 38,0
30 Stefan Melnik 1797 4,5 37,0
31 Erlan Nurhayev 1831 4,5 36,5
32 Bersan Vrioni 1950 4,5 36,0
33 Gary Hogan 1737 4,5 35,5
34 Ionel Morariu 1933 4,5 34,0
35 Sabokhat Ikromalieva 1574 4,5 32,5
36 Miguel Arnedo Vigueras 1857 4,0 40,0
37 Ignacy Lukasiewicz 1793 4,0 39,5
38 Olivier Deville 1833 4,0 39,0
39 Ilkhom Gulamov 1910 4,0 38,0
40 Josef Polnar 1777 4,0 37,5
41 Amrillo Abdullayev 1914 4,0 37,0
42 Piotr Kulpinski 1827 4,0 36,5
43 Miroslav Madjeric 1719 4,0 33,5
44 Novica Drazetic 1751 4,0 32,5
45 Jozef Horbal 1829 3,5 38,5
46 Esmeralda Sanchez Ruiz 1733 3,5 35,0
47 Fabian Spionkowski 1823 3,5 34,5
48 Aleksandr Zhakov 1686 3,5 33,0
49 Aliya Muratova 1471 3,5 30,5
50 Ilinka Dilkova 1606 3,0 33,0
51 Brandan Read - 3,0 32,5
52 Tatana Polnarova 1737 3,0 31,5
53 Ivana Horbalova 1528 3,0 27,5
54 Jean Lherbon De Lussats MNC 1529 2,0 30,0
55 Raykhona Sharofova 1446 2,0 28,5
56 Mahendra Galani 1593 0,0 28,0
57 Xhafer Berisha 1650 0,0 5,0
58 Ermek Mukashev - 0,0 5,0

Partien von Mirco Eichstaedt

-
A30

IBCA-Kongress und 1. Schnellschach-Weltmeisterschaft

Am 23. August fand der IBCA-Kongress mit Neuwahlen nach der 6. Runde, die bereits 10 Uhr begann, statt. Jorgen Magnusson wurde als IBCA-Präsident bestätigt, Thorsten Mueller bleibt weiterhin Schatzmeister der IBCA.

Am Sonntag bot der Veranstalter eine dreistündige Stadtführung durch Rzeszow an. Die Reiseleiterin Karolina führte durch die Innenstadt bis zum Schloss Rzeszow. Dieses gehörte der Familie Lubormirski und wurde um 1600 errichtet. Vor 1447 befand sich dort eine Burg. Ansonsten gab es Wissenswertes zur Geschichte Rzeszows und zu einigen Denkmälern und Kirchen der Stadt. Geschlossen wurde der Rundgang an einer über 300 Jahre alten Platane.

Während der Aufenthalt von Familie Eichstaedt und Uwe Hahnewald in Rzeszow am 26. August zu Ende war und diese am nächsten Tag auf gleiche Art und Weise die Heimreise antraten, blieben Thorsten Mueller, Dominik Müller und Frank Schellmann noch zwei Tage weiter vor Ort zur 1. IBCA-Schnellschach-Weltmeisterschaft. Im Gegensatz zum klassischen Turnier war hier eine Bedenkzeit von 25 Minuten plus 15 Sekunden je Zug angesetzt. Es war zugelassen, im gegenseitigen Einvernehmen an einem Brett zu spielen. Es waren 47 Teilnehmer angetreten, zumeist Teilnehmer aus dem klassischen Turnier, eigens dafür angereist waren fünf ungarische Spieler und ein Israeli.

Dieses neue Format im Blinden- und Sehbehindertenbereich sollte weiter optimiert werden, um allen Bedürfnissen gerechter zu werden. Sieger wurde GM Tazbir vor IM Pulvett Marin und IM Nikac. Dominik Müller landete als bester Deutscher auch hier auf Platz 7.

Endstand

Pl. Titel Name Land Elo Pkt. Buch
1 GM Marcin Tazbir 2459 7,5 49,0
2 IM Daniel Eduardo Pulvett Marin 2503 7,0 46,0
3 IM Predrag Nikac 2254 6,5 46,0
4 IM Jacek Stachanczyk 2082 6,5 45,5
5 Axadxon Kimsanboyev 1801 6,5 42,0
6 FM Jorgen Magnusson 2259 6,5 41,0
7 Dominik Müller 2247 6,0 49,5
8 Gangolli Kishan 2042 6,0 44,5
9 B Joshi Aryan 1867 6,0 41,0
10 FM Zoltan Istvan Zambo 2248 5,5 46,5
11 Dawid Falkowski 1872 5,5 41,5
12 IM Piotr Dukaczewski 2036 5,5 40,5
13 David Fernandez Lago 1936 5,5 39,0
14 FM Mihail-Dacian Pribeanu 2101 5,0 45,0
15 Julia Salamon 1879 5,0 40,5
16 Marco Casadei 2019 5,0 40,0
17 Thorsten Mueller 1976 5,0 39,5
18 Michal Racis 1826 5,0 38,0
19 Emilia Egeman 1824 5,0 36,5
20 Erlan Nurhayev 1727 5,0 36,0
21 Victor Abiad Parra 1915 5,0 36,0
22 Esmeralda Sanchez Ruiz 1733 5,0 31,0
23 Andrzej Migala 2007 4,5 43,5
24 Kuanishbek Jumadullayev 1960 4,5 42,0
25 Miguel Arnedo Vigueras 1871 4,5 37,0
26 Adi Akman 1933 4,0 43,5
27 Szilveszter Csuri 1991 4,0 40,0
28 Ionel Morariu 1933 4,0 39,5
29 Samuel Attila Szilagyi 1929 4,0 38,5
30 Nurgisa Kuanyshuly 1758 4,0 35,0
31 Jozef Horbal 1800 4,0 34,5
32 Ignacy Lukasiewicz 1697 4,0 34,5
33 Istvan Elo 1895 4,0 34,5
34 Mihai Dima 1859 4,0 33,0
35 CM Frank Schellmann 1972 3,5 38,5
36 Fabian Spionkowski 1763 3,5 36,0
37 Ilkhom Gulamov 1910 3,5 35,0
38 Miroslav Madjeric 1719 3,5 34,5
39 Novica Drazetic 1751 3,5 33,5
40 Amrillo Abdullayev 1941 3,5 32,5
41 Piotr Kulpinski 1827 3,0 37,0
42 Aliya Muratova 1471 3,0 31,0
43 Roni Dominik Filep 1743 3,0 28,5
44 Sabokhat Ikromalieva 1574 3,0 28,0
45 Raykhona Sharofova 1437 2,5 32,5
46 Marcin Chojnowski 2080 2,0 29,5
47 Ivana Horbalova 1559 1,5 28,0

Die Sieger im klassischen als auch im Schnellschach erhielten große Pokale. Wie die Sieger das logistische Problem bei der Heimreise mit gleich zwei Pokalen gelöst haben, bleibt jedoch für uns ein Rätsel.

Rzeszow war ein würdiger Gastgeber. Die Spielbedingungen waren sehr gut. Für unsere drei Festbretter war immer jemand zur Stelle, wenn beispielsweise Kabel getappt werden mussten. Es gab immer Kaffee, Tee, Saft und Wasser während der Runden. Das Essen war abwechslungsreich. Insbesondere das Frühstücksbuffet war sehr vielfältig.

Dank an den Veranstalter und an unsere Begleitpersonen, die immer zur Stelle waren, wenn sie gebraucht wurden.

Frank Schellmann
Spielleiter des Deutschen Blinden- und Sehbehinderten-Schachbundes (DBSB)

// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 11655

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