WM in Berlin: Besucheransturm

11.10.2015 09:16
Frank Hoppe
Warten auf den Einlaß in den Turniersaal mit den Spielern

Weltmeisterschaften im Schnell- und Blitzschach vom 9. - 14. Oktober 2015

Das erschöpfte Kontingent bei den kostengünstigeren Wochentickets deutete schon darauf hin, das es voll werden würde. Wobei wir natürlich nicht wissen, mit welcher Kapazität die ausrichtende Agon Limited kalkuliert hat, zumal ja auch noch die regulären Wochentickets verkauft werden sollen. In der Zeit vor 14 Uhr wurde es jedenfalls voller und voller und die Schlange vor dem Einlaß zum Turniersaal immer länger. Erst nach 14 Uhr, als die Spieler bereits ihre ersten Züge machten, öffnete die Security die Schleuse und das gemeine Schachvolk strömte herein.

Nicht viel besser als den Besuchern erging es den Journalisten. Aber letztendlich sind das ja auch nur Besucher mit etwas großzügigeren Rechten (z.B. kostenloser Eintritt), denn so etwas wie einen Journalistenausweis gibt es ja in Deutschland nicht. Jeder kann sich Journalist nennen, egal ob er für eine Zeitung schreibt, für eine Internetseite oder einfach nur für den Hausgebrauch - oder was einem sonst noch so einfällt. So traf ich im kleinen Pressezentrum auch einen Schachfreund aus München, der sich nur wegen seines Vereinskollegen GM Michael Bezold als Medienvertreter akkreditierte und seine Kamera mit sich herumschleppte.

Der Münchner Kollege war jedenfalls zum Zeitpunkt der Ansprachen vor der ersten Runde auch auf der falschen Seite der Türen - nämlich da wo die Besucher auf Zutritt warteten. Genau wie Georgios Souleidis, der zwar schon mal "drin" war, seine Sachen aber noch im Pressezentrum ablegen wollte. Auch ihm wurde die Rückkehr in den Saal verwehrt. Besser erging es da schon André Schulz von ChessBase, der einfach im Saal blieb. Dabei hatte auch er nur eine Karte (neudeutsch "Badge") um den Hals baumeln, auf dem "Press" stand. Okay, es gab auch noch "VIP Press", womit z.B. ein Fotograf des Veranstalters zwischen den Spielertischen wandeln durfte. Er machte wohl Bilder für die FIDE-Turnierseite.

Frank Hoppe
Andrang vor der Bühne

Tips für Besucher

Ganz ganz wichtig für Besucher, die ein paar Stunden bleiben wollen: Proviant mitbringen! Der Veranstalter hat zwar eine Berliner Cateringfirma mit der Beköstigung beauftragt, aber die ist nur für das Wohl der Spieler verantwortlich. Für die findet eine Rund-um-Versorgung statt, mit allem was das Schlaffarenland bietet. Im Pressezentrum stehen zudem noch ein paar Wasserflaschen rum. Das war's auch schon. Ansonsten null, nothing.

Wie das Catering für die Spieler aussieht, bekamen Journalisten und Gäste beim Pressefrühstück des Deutschen Schachbundes gestern um kurz nach 11 Uhr, zu spüren. Sie durften sich nach der Fragestunde (Videomitschnitt liegt vor, aber noch nicht online) mit Moderator Frank Neumann, Präsident Herbert Bastian und den Spielern Filiz Osmanodja und Georg Meier noch an den Köstlichkeiten laben. Bevor aus dem Separée mit der Imbißecke dann eine Imbiß-Lounge für die Spieler wurde.

Zurück zu den Tips. Wer das Gedränge im Spielsaal meiden möchte - hier war es besonders in den Runden 1 und 2 proppevoll - und auch keinen Stuhl bei der Kommentierung durch GM Jan Gustafsson und diverse Gäste (u.a. Peter Swidler) gefunden hat, sollte ein Sitzkissen dabei haben. Um sich nicht auf den nackten Fußboden setzen zu müssen.

Frank Hoppe
Liveübertragung und -kommentierung durch Jan Gustafsson

Nach 5 Runden vorn: Sergej Karjakin

Der bestplazierte Deutsche, GM Georg Meier, trug gestern mit dazu bei, das der Schnellschach-Weltranglistensiebte Sergej Karjakin mit 4½ Punkten allein die Tabellenspitze ziert. In Runde 5 verlor Meier ziemlich eindeutig mit Weiß gegen den russischen Weltklassespieler. Erfreulich für die Besucher dabei: Meier durfte auf der Bühne mit den Brettern eins bis vier sitzen. Das durfte vor ihm in Runde zwei nur noch ein einziger weiterer Deutscher: Dennis Wagner. Der Schachprinz saß dabei keinem Geringeren als dem Weltmeister aller Klassen Magnus Carlsen gegenüber! Sicher ein unvergeßliches Erlebnis für den 18-jährigen Jungnationalspieler.
Carlsen wurde übrigens auf der Bühne "festgetackert". Er ist der Titelverteidiger, weshalb ihm ein fester Platz dort oben gebührt. Das war auch dringend nötig, denn der Norweger startete mit einer Punkteteilung gegen den iranischen GM Ehsan Ghaem Maghami in das Turnier.

Die anderen 25 Deutschen findet man im Gegensatz zu Meier eher in der unteren Hälfte der Tabelle. Unter ihnen auch den Berliner IM Ilja Schneider, der eigens für die WM privat wieder einen Blog gestartet hat. Nach 1½ aus 5 spricht er dort von "Rumpelstart" und "Entjungferung". Sehr lesenswert!

verblitztinberlin

Pl. Nr. Name Land Elo Pkt. Wtg1 Wtg2 Wtg3
1. 5 GM Sergej Karjakin 2805 4,5 2676 13,5 0,0
2. 108 GM Gujrathi Vidit Santosh 2534 4,0 2772 15,0 0,0
3. 71 GM Rustam Kasimdschanow 2619 4,0 2738 12,0 0,0
4. 36 GM Juri Kriworutschko 2694 4,0 2721 14,0 0,0
5. 76 GM Predrag Nikolic 2606 4,0 2712 15,0 0,0
6. 51 GM Anton Korobow 2664 4,0 2708 12,0 0,0
7. 49 GM Daniil Dubov 2667 4,0 2678 12,5 0,0
8. 1 GM Magnus Carlsen 2847 4,0 2663 12,5 0,0
9. 9 GM Schachrijar Mamedjarow 2784 4,0 2635 13,5 0,0
10. 15 GM Truong Son Nguyen Ngoc 2743 4,0 2635 12,5 0,0
11. 20 GM Jewgenij Tomaschevskij 2731 4,0 2634 12,5 0,0
12. 8 GM Jan Nepomniaschtschi 2789 4,0 2631 12,5 0,0
13. 34 GM Sergej Schigalko 2698 4,0 2627 13,0 0,0
14. 14 GM Peter Leko 2747 4,0 2623 12,0 0,0
15. 27 GM Radoslaw Wojtaszek 2711 4,0 2612 10,5 0,0
16. 38 GM Wladimir Onischuk 2692 4,0 2588 12,0 0,0
17. 29 GM Gadir Guseinov 2705 4,0 2573 12,5 0,0
...
29. 40 GM Georg Meier 2686 3,5 2613 13,0 0,0
49. 126 GM Daniel Hausrath 2499 3,0 2649 11,0 0,0
74. 125 GM Witali Kunin 2501 2,5 2650 11,0 0,0
106. 123 IM Rasmus Svane 2505 2,0 2671 11,5 0,0
107. 133 GM Dennis Wagner 2459 2,0 2661 11,5 0,0
109. 105 GM René Stern 2539 2,0 2654 9,0 0,0
110. 135 IM Tobias Hirneise 2453 2,0 2653 12,0 0,0
115. 79 GM Falko Bindrich 2594 2,0 2582 12,0 0,0
124. 129 IM Dr. Christian Seel 2474 2,0 2514 9,0 0,0
126. 102 GM Matthias Blübaum 2543 1,5 2714 11,5 0,0
127. 103 GM Alexander Naumann 2543 1,5 2702 11,0 0,0
128. 109 GM Florian Handke 2530 1,5 2682 13,0 0,0
129. 121 GM Michael Bezold 2509 1,5 2665 12,0 0,0
130. 119 GM Michael Richter 2513 1,5 2658 11,0 0,0
134. 145 IM Martin Breutigam 2380 1,5 2605 10,5 0,0
139. 127 IM Ilja Schneider 2493 1,5 2553 9,5 0,0
140. 146 FM Martin Brüdigam 2379 1,5 2540 9,5 0,0
142. 142 GM Rainer Polzin 2416 1,0 2618 9,5 0,0
145. 139 IM Dennes Abel 2441 1,0 2580 10,0 0,0
146. 140 GM Jakob Meister 2437 1,0 2561 9,0 0,0
148. 141 FM Johannes Carow 2430 1,0 2559 9,5 0,0
153. 144 Alexander Hilverda 2384 0,5 2551 7,5 0,0
154. 151 IM Jonathan Carlstedt 2305 0,5 2544 10,0 0,0
155. 137 IM Lars Thiede 2446 0,5 2529 8,5 0,0
156. 154 WIM Filiz Osmanodja 2206 0,5 2508 8,0 0,0
157. 156 Raphael Lagunow 2164 0,5 2440 7,5 0,0

Insgesamt 158 Spieler. Jakob Meister stieg kurzfristig in das Turnier ein. Raphael Lagunow ebenfalls, aber erst in Runde drei. Mehr Deutsche wurden von der FIDE nicht zugelassen.

// Archiv: DSB-Nachrichten - Allgemein (Startseite) // ID 20334

Sie müssen sich anmelden, wenn Sie diesen Artikel kommentieren wollen.

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.
×