In Goa sind Vincent Keymer, Matthias Blübaum, Frederik Svane, Rasmus Svane und Alexander Donchenko weiter - Niclas Huschenbeth und Dmitrij Kollars fliegen heim. "Das ist ein bisschen bitter."
Für den ersten deutschen Großmeister, Niclas Huschenbeth, war es schon am Mittwoch vorbei. Am Donnerstag ereilte dann auch GM Dmitrij Kollars das Aus. Er musste im Tie-Break gegen GM Munirethinam Pranesh in der zweiten Rapid-Partie aufgeben. „Wirklich schade, aber so ist das nun einmal in diesem Format“, sagt Niclas Huschenbeth nach seiner Niederlage, „es war eine schöne Zeit hier, insgesamt habe ich gut gespielt, habe mich gut gefühlt – und dann hatte ich diesen einen Schwächeanfall im Kopf.“ Dem Berliner, der am morgigen Freitag zurückfliegt, bleibt nur noch, den anderen DSB-Akteuren die Daumen zu drücken, mit denen er im indischen Goa viel unternommen hat (gemeinsam Essen, Fitnessstudio) weiterhin viel Erfolg zu wünschen. „Es freut mich, dass es für so viele Deutsche so gut läuft“, sagte Huschenbeth, der letztlich seine erste Runde als Favorit souverän gemeistert hatte, dann auch noch GM Nodirbek Yakubboev einen zähen Kampf lieferte - und letztlich ein wenig mit dem ersten Spiel in Runde zwei haderte: „Es lief gut für mich mit Weiß, ich stand besser - und habe aber leider nicht mehr als ein Remis herausgeholt. Und mit Schwarz mache ich dann einen entscheidenden Rechenfehler.“ Und so ist das eben beim World Cup, diesem gnadenlosen und top besetzten Turnier – dieser eine Fehler kann teuer werden.
"In diesem Format kann man sich so einen Fehler nicht erlauben, da gibt es kein Zurück mehr"
Der 2689-Elo-Gegner lauerte in der zweiten Partie auf diesen einen Fauxpas von Huschenbeth. „Ich hatte einen schwachen Moment, in dem ich mich sehr stark verrechnet habe – dann war es vorbei. In diesem Format kann man sich so einen Fehler nicht erlauben, da gibt es kein Zurück mehr, das ist dann ist unverzeihlich“, so Huschenbeth, „das ist ein bisschen bitter.“
Dieser eine Moment, der in einem K.o.-Turnier das Aus bedeuten kann – darüber sprach in Goa auch GM Vincent Keymer, der laut aktueller Live-Elo-Wertung (2773) die Nummer vier der Welt und Nummer eins im Turnier ist. Dieses Turnierformat mit Hin- und Rückpartie, einem möglichen Tiebreak mit Schnellschach und Blitz – das sei „sehr nervenaufreibend“, sagt Keymer, der sich selbst ein wenig ärgerte, es in der ersten Partie gegen GM Vladislav Kovalev unnötig spannend gemacht zu haben. Er übersah den einfacheren Weg, hatte aber Glück, dass sein Kontrahent kein Kapital daraus schlagen konnte. Da müsse er künftig extrem auf der Hut sein, jeden Fehler vermeiden. „Es ist eben nicht wie in einem normalen Turnier, da kann man eine Niederlage ausgleichen“, so Keymer, „hier bedeutet eine Niederlage im klassischen Schach, dass man vermutlich ausscheidet.“
Glücksbringer hin oder her: Das Wichtigste sei Frische, sagt Keymer.
Ob man sich darauf speziell mental vorbereiten kann? Nicht wirklich. Für ihn sei es vor allem darum gegangen, fit nach Indien zu reisen. „Das Wichtigste ist gut vorbereitet und frisch zu sein, denn wenn es gut läuft, hast Du ein sehr langes Turnier vor Dir.“ Was natürlich alles Keymer-Fans hoffen, die in Goa nun auch die Geschichte hinter jenem auffälligen Ring erfuhren, den er seit dem Frühjahr trägt. Er habe ihn sich im Mai gekauft, seitdem seine Elozahl von 2720 auf knapp 2780 gesteigert. Er trage ihn nun immer, es sei sein Glücksbringer. Der ihn auch in Goa ins Halbfinale tragen soll – für den Kampf um eines der drei noch zu vergebenden Tickets für das Kandidatenturnier. Einstweilen trifft er nun in der nächsten Runde auf GM Munirethinam Pranesh, der GM Dmitrij Kollars aus dem Rennen warf. Andernfalls wäre es zum ersten deutsch-deutschen Duell in Goa gekommen. Mit GM Matthias Blübaum (gegen GM Ahmed Adly), GM Alexander Donchenko (gegen GM David Antón Guijarro) und GM Frederik Svane (gegen GM Ediz Gürel) kamen drei weitere Deutsche mit jeweils einem Sieg und einem Remis in die nächste Runde. GM Rasmus Svane hingegen sorgt für echten Nervenkitzel. Nach einem spannenden Duell setzt er sich in der letzten Partie des Tages im Armageddon gegen GM Rauf Mamedov durch. Svane hatte in der sogenannten Sudden-Death-Runde weiß und vier Minuten plus zwei Sekunden Inkrement auf der Uhr, wohingegen sein Gegner nur mit drei Minuten plus zwei Sekunden Inkrement spielte. Hätte Svane diese Partie nicht gewonnen, wäre Mamedov weitergekommen. Durch den spektakulären Sieg in dieser Partie zieht er in die nächste Runde ein. Dort wartet nun der US-Amerikaner Awonder Liang. (mw)