23. Juli 2025
Die Frage nach der Schreibweise seines Namens ist rasch geklärt. Sachar Jefymenko? Oder Zakhar Iefymenko? Im Netz finden sich gleich mehrere Versionen. „Am korrektesten ist es, meinen Namen wie im Rating-Fide zu verwenden“, sagt GM Zahar Efimenko, „das ist der Name, unter dem ich in der Schachwelt bekannt bin.“ Der Trainerjob – für Efimenko Berufung. Er hat sich für Schach und gegen das Berufsfeld des Juristen entschieden. Fünf Jahre lang hatte er in der Ukraine Rechtswissenschaften studiert. Er sagt: „Ich denke, ein Trainer wird immer wichtiger. Die Informationsmenge wächst ständig, und es ist schwierig, sie allein zu bewältigen. Es muss jemanden geben, der Richtlinien für die nächste Partie erstellt.“ Künftig wird er als Bundestrainer den DSB-Frauen den Weg durch die komplexe Welt des Schachsports weisen. Zuvor stellte er sich den Fragen von Matthias Wolf vom DSB-Team Öffentlichkeitsarbeit.
Herr Efimenko, was reizt Sie am Amt des Frauen-Bundestrainers?
In letzter Zeit war ich als Trainer sehr aktiv – die Tätigkeit macht mir einfach sehr viel Freude. Und ich kenne ja beide Sichtweisen: Spieler und Trainer. Ich habe selbst viele Male für die ukrainische Nationalmannschaft gespielt und sogar die Schacholympiade 2010 mit dem Team gewonnen. Daher möchte ich meine Erfahrungen gerne mit der deutschen Schachmannschaft der Frauen teilen.
Was möchten Sie mit den DSB-Frauen erreichen?
Im Moment ist die Konkurrenz im Frauenschach sehr groß. Viele Länder haben ernsthafte Anstrengungen in dieser Richtung unternommen, wollen das Frauenschach fördern - und sie haben teilweise sehr große Fortschritte gemacht. Daher denke ich, dass es ein erfolgreiches Ergebnis wäre, wenn die deutsche Mannschaft im Endergebnis unter den Top Ten landen kann. Dafür wäre es aber wichtig, dass wir mit den stärksten Spielerinnen an der kommenden Europameisterschaft in Batumi teilnehmen können. Ich sehe ein gutes Potenzial im deutschen Frauenschach.
Wie haben Sie das gemeinsame Online-Training mit den Nationalspielerinnen empfunden?
Die erste Trainingseinheit mit der deutschen Mannschaft hat bei mir viele positive Eindrücke hinterlassen. Viele Spielerinnen haben sich nicht nur beteiligt, sondern intensiv eingebracht. Wenn es zum Beispiel darum ging, schnell Lösung zu finden – da hatte ich als Trainer die Wahl unter vielen Angeboten. Ich denke, das war ein sehr interessanter, lebendiger und nützlicher Trainingsprozess, den wir da gemeinsam erlebt haben.
Wird es vor der EM noch ein Trainingslager geben?
Ja, vor der Europameisterschaft ist ein gemeinsames Trainingslager geplant. Ich denke, dass wir dort eine gute Arbeitsatmosphäre schaffen können. Solche Veranstaltungen verbessern die Moral, den Teamgeist - und erhöhen die Motivation. Das kann uns dann letztlich in Georgien nur erfolgreicher machen.
Nach den jüngsten Ergebnissen von DSB-Spielerinnen, wie der Einzel-EM im Frühjahr auf Rhodos, war oft die Rede von einer Krise im deutschen Frauenschach.
Ich denke, dass eine angebliche Krise jetzt nicht nur im deutschen Frauenschach ein großes Thema ist, sondern auch in anderen Ländern. Zum Beispiel kann die Ukraine in letzter Zeit nicht ihre stärkste Mannschaft für wichtige Meisterschaften zusammenstellen. Ich habe dazu meine klare Meinung: Es ist sehr wichtig, dem Jugendschach mehr Aufmerksamkeit zu schenken - um frühzeitig Talente für die Nationalmannschaft zu finden. Da setzen einige Nationen an.
Wie meinen Sie das?
Schach ist zwar kein Fußball, aber auf jeden Fall haben 20-Jährige einen Vorteil an Energie und Motivation gegenüber 40-Jährigen. Das ist nun einmal ein Fakt. Was auch oft vergessen wird im Frauenschach: Dass viele Spielerinnen der Nationalmannschaft neben dem Schach einen festen Job haben, denn die Lebenshaltungskosten in Deutschland sind sehr hoch, und es ist fast unmöglich, sich nur mit Hilfe des Schachs zu finanzieren. Es gibt Länder, in denen die Spielerinnen nicht zur Arbeit oder Universität gehen - und jeden Tag sechs bis acht Stunden an ihrem Schach arbeiten können. Natürlich ist es sehr schwierig, mit solchen Ländern zu konkurrieren. So gesehen tun wir vielen deutschen Schachspielerinnen Unrecht, wenn wir sie auf dieser Basis mit anderen vergleichen. Das heißt aber nicht, dass wir nicht erfolgreich sein können – wir müssen nur andere Wege finden.
Apropos neue Wege. Sie sind aus der Ukraine geflüchtet. In einem Artikel habe ich gelesen, Sie hätte anfangs überlegt, als Soldat an die Front zu gehen. Warum kam es nicht dazu?
Im Mai 2022 bin ich mit meiner Familie von der Ukraine nach Delmenhorst gezogen. Ich spiele ja seit 22 Jahren für Werder Bremen – über diesen Kontakt hat sich das ergeben. Ich muss sagen: Nach dem Militärangriff Russlands auf die Ukraine am 24. Februar 2022 waren viele Einwohner geschockt. Ich auch. Ich war voller Wut und Ärger. Und ich war auch bereit, mein Land zu verteidigen. Aber in den ersten Monaten gab es mehr als genug Leute, die kämpfen wollten – aber keine Waffen. Das Hauptproblem war der Mangel an Waffen zur Verteidigung. Deshalb kam es letztlich nicht dazu, dass ich Soldat wurde.
Ist eine Rückkehr in die Ukraine überhaupt ein Thema für Sie?
Leider dauert der Krieg nun schon mehr als drei Jahre an - und in dieser Zeit sind viele Menschen gestorben und viele Menschen sind kriegsversehrt. Zurzeit ist die Lage in der Ukraine katastrophal. Die Wirtschaft des Landes befindet sich in einer tiefen Krise, viele Fabriken und zivilisierte Häuser sind zerstört. Aus diesem Grund ist Delmenhorst zu unserer zweiten Heimat geworden und ich habe nicht vor, in die Ukraine zurückzukehren. Ich tue mein Bestes, um mich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. In drei Jahren habe ich drei Sprachkurse in Deutsch besucht. Mein letzter C1-Kurs - also fachkundige Sprachkenntnisse - fand an der VHS in Delmenhorst statt und war sehr schwierig. Ich interessiere mich auch für Traditionen und deutsche Gesetze.
Haben Sie noch Verwandte in der Ukraine?
Ja, meine Eltern leben in der Ukraine. Sie sind bereits im Rentenalter und daher nicht bereit, noch einmal woanders ganz von vorne anzufangen. Wir kommunizieren oft über soziale Netzwerke und bleiben in Kontakt. Im Allgemeinen ist die Einwanderung ein sehr komplizierter Prozess, das habe ich in den drei Jahren, die ich in Deutschland lebe, selbst erlebt.
Seit 2003 spielt er für den SV Werder Bremen.
// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 36732