24. April 2026
Zwei Vereine – mitten im Abstiegskampf der Bundesliga. Und beide noch mit Chancen, es bei der Zentralen Endrunde noch ans rettende Ufer zu schaffen. Darauf hatten sie vor der Saison gehofft. Wohl wissend, dass mehr kaum drin ist für sie, die sich keine teuren Stars leisten können. Zwei Vereine, die auch Wert darauflegen, mit einheimischen Spielern das große Ziel zu schaffen. Die Rede ist von zwei alten Bundesliga-Bekannten, die im vergangenen Jahr zurückgekehrt sind: den Schachfreunden Berlin 03 (früher Schachfreunde Neukölln) und dem MSA Zugzwang München (früher Münchner Schachclub Zugzwang 82). Zwei Bio-Bundesligisten, aus regionalem Anbau, mit nachhaltigem Konzept. Das Kontrastprogramm in einer Liga der Legionäre, wo an vielen Spieltagen zwei Drittel der Spieler aus dem Ausland kommen, teilweise teuer eingeflogen werden.
Die DSB-Öffentlichkeitsarbeit hat mit Gerald Hertneck, dem Münchner Großmeister und Teamchef, sowie Rainer Polzin, dem Berliner Mannschaftsführer und zweiten Vorsitzenden, gesprochen. In einem sind sich die beiden einig: Die Struktur einiger Mannschaften sehen sie kritisch.
Vorneweg: Die DSB-Öffentlichkeitsarbeit hat zum Beispiel versucht, hinter das Geheimnis des bärenstarken dritten Aufsteigers Schachfreunde Wolfhagen zu kommen, der auf Rang drei in die letzten drei Runden geht. Ganz ohne Hintergedanken, denn auf den ersten Blick wirkt es sehr spannend, dass hier vor allem ukrainische Top-Spieler für einen Bundesligisten am Brett sitzen. Man hätte über so viel sprechen können, auch über den barbarischen Krieg in der Heimat, der zweifellos einen Ukrainer nicht unbelastet Schach spielen lässt. Frag nach bei Igor Kovalenko vom SC Viernheim, der dazu sehr offen gesprochen hat. Unter anderem, wie sehr ihm seine Schachfreunde aus Viernheim und das Schachspiel generell stets geholfen haben, auch in schweren Tagen an der Front. „Danke für das Vertrauen, die Freundschaft und dass man mir zutraut, noch helfen zu können“, hat er gesagt.
Kontrastprogramm Wolfhagen: Mehrere Mails der DSB-Öffentlichkeitsarbeit an den Verein werden über Wochen nicht beantwortet. Irgendwann geht einer zumindest mal ans Telefon, kurzer Smalltalk – doch auch diese Kontaktaufnahme bleibt eine Sackgasse, und das Versprechen auf Infos und Interviewkontakte unerfüllt. Mag sein, dass mancher in Wolfhagen lieber weniger als mehr preisgeben will, misstrauisch ist. Aber: So wird eben weiter gemutmaßt über „einen ukrainischen Sponsor“ hier und „eine Balkan-Connection“ dort, dass es Bundesliga-Standorte so ganz ohne Jugendarbeit und Spielabend geben soll, wie es ein Bundesliga-Vereinschef formuliert. Irgendwie schade. Und noch bitterer für die Liga, in der nachweislich die meisten Vereine auch auf Breitensport-Ebene einen tollen Job machen: Das Projekt Wolfhagen aber war so wenig nachhaltig, dass das Team sich am Ende der Saison aus der Liga zurückziehen wird. Und das schadet der gesamten Bundesliga.
Polzin und Hertneck haben zu solchen Fällen eine klare Meinung. Sie gehen einen anderen Weg. Das sei eine Philosophiefrage: Wie will ich die Bundesliga (er)leben? Auch „genießen“, trotz des „knallharten Abstiegskampfes“, wie Hertneck die Lage beschreibt.
„Grundsätzlich: Jeder soll es machen, wie er will. Aber: Ich finde das nicht gut und es stört mich schon“, sagt Polzin, und er nennt explizit keinen Vereinsnamen, „wenn Bundesligisten, die vorher als Verein im Prinzip kaum existent waren, nicht einmal einen Spielabend haben, sich mit jeder Menge Geld für die Runden Spieler holen, die keine Bindung zum Verein haben.“ Er sagt, ein solcher Verein mit „beliebiger Mannschaft“, und es habe davon im Laufe der Bundesligageschichte viele gegeben, sei für ihn „völlig seelenlos“. Er könne gar nicht verstehen, wie man auf so eine Weise das Bundesliga-Erlebnis überhaupt genießen könne wie seine Berliner: „Bundesliga? Darauf haben bei uns alle richtig Bock.“
In Berlin würden sich alle Bundesligaspieler kennen, sagt Polzin. Man sehe sich beim Spielabend, es bestünden langjährige Freundschaften – die auch über das Vereinsleben gepflegt werden. „Einige trainieren ständig gemeinsam, manche kennen sich seit Kindheitstagen“, so Polzin. Man setze ganz bewusst auf Berliner – und Akteure aus dem nahen Polen. „Ich finde es gut, wenn die Spieler eines Vereins noch halbwegs in der Region verortet sind oder zumindest eine Beziehung zum Verein haben.“ So wie bei den Schachfreunden aus Berlin Emil Schmidek, Maxim Vavulin, Rafael Luganow, Ilja Schneider, Markus Ermitsch, Leonid Sawlin oder auch Marius Fromm, wenngleich der seine Wurzeln in Mecklenburg-Vorpommern hat. Dazu Rainer Polzin und Lars Thiede, zwei Urgesteine des Clubs, die in dieser Saison für Notfälle auf der Meldeliste standen. Die Talente sollten Erfahrung sammeln.
Einen großen Sponsor gäbe es nicht, man finde ihn in einer Stadt wie Berlin mit großem Sportangebot schlicht nicht, sagt Polzin. Jedoch finanzieren einige Vereinsmitglieder das Abenteuer Bundesliga. „Ich würde mich sehr freuen, wenn die Schachfreunde in der Liga bleiben“, sagt denn auch Paul Meyer-Dunker, Präsident des Berliner Schachverbandes: „Einfach auch, weil ich einem Modell mit so vielen einheimischen Spielern den Erfolg besonders gönne.“
Und nun? Wie geht er ins Finale furioso in der eigenen Stadt? Zwischen Organisation der Endrunde und Abstiegskampf? „Wir sind total zufrieden mit diesem Saisonverlauf“, sagt Polzin, „hätte man mir vor der Saison gesagt, dass wir am Ende noch alle Chancen haben – ich hätte sofort unterschrieben.“ Als größten Konkurrenten im Rennen zum Lichtschalter im Tabellenkeller sieht er nun – ausgerechnet Zugzwang, und natürlich den SC Heimbach-Weis-Neuwied, der noch gegen drei Top-Teams spielen muss.
Die Münchner praktizieren ein ähnliches Modell wie Berlin – mit einem Unterschied: Mit dem Immobilien-Unternehmer Roman Krulich gibt es ein einzelnes unter den rund 100 Vereinsmitgliedern, das die Bundesliga finanziert. „Du brauchst Fünfzig- bis Sechzigtausend Euro für eine Saison“, sagt Hertneck, „ganz ohne Honorare geht es nicht, auch wenn die bei uns bescheiden ausfallen. Und ein wenig Komfort gönnen wir uns auch: Einzel- statt Doppelzimmer bei Auswärtsfahrten.“ Das Münchner Ensemble wurde vom umtriebigen Teamchef Hertneck („Die Bundesliga ist ein großer Organisationsaufwand. Ich habe gerade 425 Mails zum Thema MSA im Postfach“) vor der Saison klug verstärkt: Durch den Jung-Großmeister Leonardo Costa und Vitaly Kunin. Zugzwang setzt mit Costa, Pawel Eljanov, Stefan Kindermann und Hertneck (die beiden Urgesteine spielen seit 1994 erste oder zweite Bundesliga) auch auf vier Spieler aus der Stadt München, dem S-Bahn-Einzugsgebiet (Stefan Bromberger), Rosenheim (Robert Zysk), vereinstreue Akteure wie Erasmus Gerigk und dazu auf einige Österreicher. „Es stört mich total, auch mit Blick auf das wichtige Thema Talentförderung“, sagte der ehemalige DSB-Referent für Leistungssport, „wenn andere ihre Mannschaften mit Spielern aus dem Ausland vollstopfen. Das sehe ich in gewisser Weise als unfair gegenüber den Mannschaften an, die die Bundesliga auch nutzen, um deutschen Spielern viel Spielzeit auf hohem Niveau zu geben.“ Wenn Teams ohne einen einzigen deutschen Akteur auskommen würden, halte er dies unter diesem Aspekt für „moralisch fragwürdig“.
Er selbst staune über seine eigene Saison, habe sie so nicht erwartet. „Vor zwei Jahren habe ich sechs Partien in der Bundesliga hintereinander verloren“, sagt er und lacht: „Da habe ich nicht so viel erwartet und frage mich: Warum läuft es jetzt so gut?“ Klar, er habe öfter auch mal Glückgehabt und gegen potentielle Ersatzleute gespielt, aber grundsätzlich staune er über sich selbst und habe jede Menge Spaß: „Die Bundesliga ist all die Energie, die ich reinstecke, auch wert.“
Wenn man sie nachhaltig spielt. (mw)
| Pl. | Mannschaft | MP | BP | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | SC Viernheim | 24 | 68 | x | 5½ | 5 | 5 | 4½ | 6½ | 4½ | 7 | 6 | 6 | 6½ | 5½ | 6 | |||
| 2. | OSG Baden-Baden | 21 | 60½ | x | 4 | 5 | 5½ | 5 | 4 | 4½ | 4½ | 4 | 6 | 4½ | 7 | 6½ | |||
| 3. | Sfr. Wolfhagen (N) | 20 | 58 | x | 4½ | 5 | 6½ | 4 | 5 | 4½ | 4 | 3 | 4½ | 5½ | 6 | 5½ | |||
| 4. | FC Bayern München | 14 | 51½ | 2½ | 4 | 3½ | x | 3½ | 4 | 4 | 4 | 6 | 4½ | 4½ | 5 | 6 | |||
| 5. | FC St. Pauli | 13 | 48½ | 3 | 3 | 3 | x | 3½ | 6 | 4½ | 4½ | 4½ | 5 | 3 | 4½ | 4 | |||
| 6. | SV Werder Bremen | 13 | 45 | 3 | 2½ | 1½ | 4½ | 4½ | x | 4 | 5½ | 4½ | 4 | 4 | 2½ | 4½ | |||
| 7. | SG Solingen | 12 | 48½ | 3½ | 3 | 4 | 4 | 2 | 4 | x | 3½ | 4½ | 4 | 4½ | 5 | 6½ | |||
| 8. | Düsseldorfer SK (M) | 11 | 46 | 1½ | 4 | 3 | 4 | 3½ | 2½ | x | 4 | 4½ | 4½ | 6 | 3 | 5½ | |||
| 9. | SK Kirchweyhe | 10 | 46½ | 3½ | 3½ | 3½ | 4 | 3½ | 4½ | 4 | x | 3 | 4 | 4 | 4½ | 4½ | |||
| 10. | SV Deggendorf | 10 | 45½ | 1 | 3½ | 4 | 3½ | 3½ | 3½ | 5 | x | 3 | 4½ | 4 | 4½ | 5½ | |||
| 11. | Schachfreunde Deizisau | 10 | 45 | 2 | 4 | 5 | 2 | 3½ | 4 | 4 | 5 | x | 3½ | 4 | 3½ | 4½ | |||
| 12. | Hamburger SK | 10 | 44½ | 2 | 2 | 3½ | 4 | 4 | 3½ | 4 | 4½ | x | 3½ | 4½ | 4 | 5 | |||
| 13. | SC Heimbach-Weis-Neuwied | 8 | 44½ | 3½ | 3 | 5½ | 3½ | 2 | 3½ | 3½ | 4 | 4½ | x | 4 | 4½ | 3 | |||
| 14. | MSA Zugzwang (N) | 7 | 43 | 1½ | 3½ | 2½ | 3½ | 5 | 3½ | 3½ | 4 | 3½ | 4 | x | 4 | 4½ | |||
| 15. | SF Berlin (N) | 6 | 39½ | 2½ | 1 | 2 | 3 | 3½ | 3 | 5 | 3½ | 4½ | 4 | 3½ | 4 | x | |||
| 16. | USV TU Dresden | 3 | 33½ | 2 | 1½ | 2½ | 2 | 4 | 1½ | 2½ | 2½ | 3½ | 3 | 5 | 3½ | x |
| Tag | Datum | Uhrzeit | Mannschaft | − | Mannschaft | Schiedsrichter/-in |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Fr | 24.04.26 | 16:00 | SG Solingen | − | Düsseldorfer SK | ISR Brigitte Große-Honebrink |
| Fr | 24.04.26 | 16:00 | SV Werder Bremen | − | SK Kirchweyhe | ISR Bernhard Riess |
| Fr | 24.04.26 | 16:00 | SC Viernheim | − | Sfr. Wolfhagen | ISR Matthias Bandlow |
| Fr | 24.04.26 | 16:00 | Hamburger SK | − | FC St. Pauli | FSR Robert Radke |
| Fr | 24.04.26 | 16:00 | SC Heimbach-Weis-Neuwied | − | OSG Baden-Baden | NSR Dr. Rene-Reiner Starke |
| Fr | 24.04.26 | 16:00 | SF Berlin | − | USV TU Dresden | ISR Michael Rütten |
| Fr | 24.04.26 | 16:00 | Schachfreunde Deizisau | − | MSA Zugzwang | ISR Matthias Bandlow |
| Fr | 24.04.26 | 16:00 | FC Bayern München | − | SV Deggendorf | FSR Robert Radke |
| Sa | 25.04.26 | 14:00 | Hamburger SK | − | FC Bayern München | NSR Dr. Rene-Reiner Starke |
| Sa | 25.04.26 | 14:00 | FC St. Pauli | − | SV Deggendorf | ISR Bernhard Riess |
| Sa | 25.04.26 | 14:00 | OSG Baden-Baden | − | SC Viernheim | ISR Michael Rütten |
| Sa | 25.04.26 | 14:00 | SC Heimbach-Weis-Neuwied | − | Sfr. Wolfhagen | FSR Robert Radke |
| Sa | 25.04.26 | 14:00 | USV TU Dresden | − | SV Werder Bremen | ISR Bernhard Riess |
| Sa | 25.04.26 | 14:00 | SF Berlin | − | SK Kirchweyhe | ISR Matthias Bandlow |
| Sa | 25.04.26 | 14:00 | Schachfreunde Deizisau | − | Düsseldorfer SK | FSR Robert Radke |
| Sa | 25.04.26 | 14:00 | MSA Zugzwang | − | SG Solingen | ISR Brigitte Große-Honebrink |
| So | 26.04.26 | 10:00 | FC Bayern München | − | FC St. Pauli | NSR Dr. Rene-Reiner Starke |
| So | 26.04.26 | 10:00 | SV Deggendorf | − | Hamburger SK | ISR Bernhard Riess |
| So | 26.04.26 | 10:00 | SC Viernheim | − | SC Heimbach-Weis-Neuwied | ISR Matthias Bandlow |
| So | 26.04.26 | 10:00 | Sfr. Wolfhagen | − | OSG Baden-Baden | ISR Michael Rütten |
| So | 26.04.26 | 10:00 | SV Werder Bremen | − | SF Berlin | ISR Bernhard Riess |
| So | 26.04.26 | 10:00 | SK Kirchweyhe | − | USV TU Dresden | FSR Robert Radke |
| So | 26.04.26 | 10:00 | Düsseldorfer SK | − | MSA Zugzwang | ISR Brigitte Große-Honebrink |
| So | 26.04.26 | 10:00 | SG Solingen | − | Schachfreunde Deizisau | ISR Matthias Bandlow |
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// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 37005