15. Dezember 2025
So wird aus einer Deutschen Meisterschaft ein Krimi...
Der Bundestrainer, GM Jan Gustafsson, bedankte sich beim Deutschen Schachbund mit seinem Onlineschach-Referenten Jannik Liebelt für die gute Organisation der zweiten Offenen Deutschen Online-Blitzmeisterschaft. Als Sieger der Vorrunde zwei (und somit als einer der Favoriten auf den Turniersieg gestartet), reichte es am Ende in einem stark besetzen Feld voller junger Spitzenspieler nur zu Platz acht. Neue deutsche Meister im Online-Blitzschach sind der ungarische FM Bence Lesczko und als beste Frau die polnische IM Klaudia Kulon, die auch aus der Bundesliga bestens bekannt ist. Das ist die sportliche Seite – doch hinter den Kulissen spielte sich ein wahrer Krimi ab, der seit Montag auch die Polizei beschäftigt, und den Jannik Liebelt mit einem Satz beschreibt: „Wahnsinn, dass es Schachspieler gibt, die für 150 Euro Preisgeld ein ganzes Betrugsnetzwerk aufziehen.“
Der DSB-Onlinereferent sieht sich nach der Aufdeckung einer mutmaßlichen Betrugsmasche massiven Drohungen ausgesetzt, die er zur Anzeige gebracht hat. Vorneweg: Dem in der Ausrichtung solcher Turniere erfahrenen DSB-Onlinereferenten war die Anfälligkeit eines mit hohem Preisgeld dotierten Onlineturniers für Betrugsversuche von vornherein bewusst. Daher fand das Thema Fair-Play-Sicherstellung in den Vorbereitungen der Meisterschaft viel Beachtung. So wurde unter anderem klar festgelegt, dass Sieger und Siegerinnen ihren Klarnamen preisgeben müssen. „Das daraufhin ausgearbeitete vielschichtige Sicherheitskonzept soll allen Teilnehmenden die Freude am Onlineschach mit gutem Gefühl bei den Partien bringen und ein großes faires Schachfest ermöglichen. Dass es Betrugsversuche geben wird, war dabei von vorne herein abzusehen. Dennoch ist es immer wieder schockierend, was die offenbar funktionierenden Sicherheitskonzepte für ausgetüftelte Betrugsmaschen ans Tageslicht fördern“, so Liebelt.
Die gute Nachricht: Unter dem Strich blieben die Betrugsversuche erfolglos. Eine offenkundige Betrüger-Gruppe aus dem Iran hatte es dieses Jahr auf den Frauenpreis abgesehen - und schaffte es tatsächlich bis zur vorletzten Sicherheitsstufe. Bei der Identitätskontrolle war dann allerdings Schluss, sodass auch dieser Preis am Ende seine rechtmäßige Empfängerin fand.
Die Beweislage ist laut Liebelt eindeutig: Ungültige Ausweise, Widersprüche bei der Videoidentifizierung und sogar Nachrichten mit detallierten Inhalten der Betrugsplanung vom mutmaßlichen Betrüger-Team selbst. Die Entscheidung Ausschluss einer Teilnehmerin, die offenkundig nicht selbst gespielt hatte, somit folgerichtig. Es folgte eine massive schriftliche verbale Attacke auf Liebelt, inklusive Gewaltandrohungen – von demjenigen, der offenkundig das Preisgeld kassieren wollte.
Die Behörden ermitteln nun - Auswüchse im Onlineschach.
Zurück zum Sportlichen: Liebelt wollte sich durch den Vorgang nicht die Freude trüben lassen über ein ansonsten rundum gelungenes Turnier. Rund 1.200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer (also mehr als doppelt so viele wie bei der ersten Auflage im vergangenen Jahr) waren dabei, die Teilnehmer (darunter viele Titelträger) zeigten sehr starke Partien – und wie Liebelt angesichts der Umstände wichtig ist zu betonen: „Saubere Partien.“ Angenehmer Nebeneffekt: Das Lichess-Team des DSB hat durch die Meisterschaft neue Mitglieder gewonnen. Es sind nun 4.200. Onlineschach boomt auch beim Schachbund – mit allen Risiken und Nebenwirkungen.
Aufgrund der erheblichen positiven Resonanz sind weitere Onlineturniere geplant. Das Sicherheitskonzept wird dabei laufend verbessert. "Jeder soll ohne Sorgen betrogen zu werden bei uns mitspielen können. Bei unseren Turnieren herrscht Fairplay“, sagte Liebelt: „Alle Schachfreunde sollen wissen, dass wir für faires Schach sorgen - auch online." (mw)
// Archiv: DSB-Nachrichten - Onlineschach // ID 36876