[Event "DEM Bad Liebenzell"] [Site "?"] [Date "2010.03.13"] [Round "9.2"] [White "Hirneise, Tobias"] [Black "Huschenbeth, Niclas"] [Result "0-1"] [ECO "A29"] [WhiteElo "2432"] [BlackElo "2404"] [Annotator "Huschenbeth"] [PlyCount "118"] [EventDate "2010.??.??"] 1. c4 {Schon der erste Zug war eine Ueberraschung fuer mich und was fuer eine unangenehme! Ich hatte erst bei diesem Turnier auf Angenommenes Damengambit umgestellt und noch kein Repertoire gegen 1.c4. Zuvor konnte ich einfach Sf6 spielen und es ergab sich dann meistens mit Zugumstellung ein Koenigsinder. Da ich aber auf keinen Fall in seine Vorbereitung hineinlaufen wollte, musste ich mir jetzt etwas anderes als Koenigsindisch uberlegen.} 1... e5 {Ich denke, das war klar die beste Wahl. Es gibt noch einen anderen Hauptzug hier, naemlich c5, aber danach ist das Spiel sehr ausgeglichen und wenn jemand gewinnen sollte, dann eher Weiss.} 2. g3 {Wie ich zufaellig nach der Partie erfuhr, hatte sich Tobi ueberhaupt nicht auf e5 vorbereitet, sondern fest damit gerechnet, dass ich Koenigsindisch spiele. Wir hatten also ab hier beide nur noch recht wenig Ahnung...} 2... Nf6 3. Bg2 d5 4. cxd5 Nxd5 5. Nc3 Nb6 6. Nf3 Nc6 {Als ich neuli ch bei ChessbaseTV war, hatte ich die Partie Topalov-Vallejo Pons zusammen mit Oliver Reeh ein wenig kommentiert und ich erinnerte mich in der Partie daran, dass Topalov hier a3 spielte, worauf g5 folgte und es eine sehr scharfe Partie wurde. Ich haette wohl auch so gespielt auf a3.} 7. d3 Be7 8. a3 O-O 9. O-O { Zufaelligerweise hatte Dorian Rogozenco beim Bundesligawochenende vor der Meisterschaft mal in einem Nebensatz erwaehnt, dass hier Te8 und Lf8 ein recht solider Aufbau sei. Die Idee dahinter ist es, den Bauern e5 erstmal zu decken und dann mit Sd4 den Weissen einzuschraenken.} 9... Re8 10. b4 Bf8 {Soweit ist alles total normal, diese Stellung wurde schon ueber 100 Mal gespielt. Jetzt waehlte Tobi mit} 11. Be3 {einen Zug, der eher seltener vorkommt. Ich glaube, wir beide dachten, dass der Zug erstmal Sd4 verhindert, weil Weiss danach den Bauern auf d4 erobert. Aber Schwarz hat dann mit a5 eine Ressource, die mir jedenfalls entging.} (11. Bb2 {ist der Hauptzug. Nach} 11... a5 12. b5 Nd4 { entsteht eine Stellung mit Chancen fur beide Seiten.}) 11... h6 $5 {ist ein nue tzlicher Abwartezug in diesem Stellungstyp. Schwarz schraenkt den Aktionsradius der weissen Figuren ein und oeffnet sich ein Schlupfloch, was nie verkehrt sein kann.} (11... Nd4 { gleicht sofort aus, die Stellung verliert aber auch ihre Spannung.} 12. Bxd4 exd4 13. Nb5 a5 $1 14. bxa5 Rxa5 15. Nbxd4 Rxa3 16. Rxa3 Bxa3 17. Qb3 Bf8 { mit Ausgleich in 1/2-1/2 Zueger,B (2420)-Miralles,G (2470)/Switzerland 1994(29) }) 12. Nd2 $146 (12. d4 $5 exd4 13. Nxd4 Ne5 14. Qb3 Nbc4 { und Schwarz hat keine Probleme.}) ({ In der einzigen Partie mit dieser Stellung wurde} 12. Ne4 Nd4 { gespielt. Aber nach} 13. Bxd4 exd4 14. Re1 a5 {1/2-1/2 Bolte,C (2000)-Henrich, T (2209)/Giessen 2008/EXT 2010 (28) steht schon Schwarz angenehmer.}) 12... Nd4 13. Nb3 c6 {bereitet die Entwicklung des weissfeldrigen Laeufers vor.} 14. Rb1 {Ich glaube, Tobi wollte mit diesem Zug Sc5 noch vorbereiten und ausserdem den Turm auf ein besseres Feld bewegen.} ({Auf} 14. Nc5 {direkt folgt stark} 14... a5 15. Rb1 axb4 16. axb4 Nd7 { und die offene a-Linie gibt Schwarz einen kleinen Vorteil hier.}) 14... Bf5 ({ Ich wusste nicht, ob} 14... Bg4 {vielleicht staerker ist. Nach} 15. h3 Bf5 { gewinnt Schwarz noch ein Tempo, wenn er seine Dame nach d7 entwickelt, aber das Manoever h3 nebst Kh2 macht Weiss in diesen Stellungen eh haeufig. Deshalb wollte ich ihm nicht noch dabei helfen.}) 15. Ne4 $5 Nd5 $2 { Ein klarer Rechenschnitzer, der vom Weissen aber nicht ausgenutzt wurde.} ( 15... Nb5 $1 16. Nbc5 $5 (16. Qc1 Nd5 {mit angenehmer Stellung fur Schwarz.}) 16... Bxe4 17. Bxe4 Nc3 (17... Bxc5 18. bxc5 Nd5) 18. Qb3 {und jetzt nicht die Qualitaet nehmen, denn da bekommt Weiss gute Kompensation, sondern} 18... Nxe2+ $1 (18... Nxb1 19. Nxb7 Qd7 20. Na5 Nxa3 21. Bxc6 Qg4 $13) 19. Kh1 Rb8 $15) 16. Bd2 $2 {mit Remisangebot. Bogner und Khenkin hatten zu diesem Zeitpunkt schon Remis gemacht. Ich wusste also, wenn ich jetzt gewinne, bin ich Deutscher Meister! Ich fand meine Stellung angenehmer und auch recht risikoarm und lehnte das Remisangebot ab.} ({Auf} 16. Nxd4 {hatte ich eigentlich} 16... Bxe4 {geplant, doch Weiss hat noch einen starken Zwischenzug.} (16... exd4 { ist aber besser:} 17. Bxd4 Nf4 18. Bxg7 Nxe2+ 19. Qxe2 Bxg7 $14 { Weiss hat zwar einen Bauern mehr, aber Schwarz dafuer das Laeuferpaar.}) 17. Bxe4 Nc3 (17... Nxe3 {ist vielleicht noch die bessere Chance fuer Schwarz, da dann wenigstens ungleichfarbige Laeufer auf dem Brett sind.} 18. Nxc6 Nxd1 19. Nxd8 Raxd8 20. Rfxd1 b6 {ist noch ein wenig Arbeit fur Weiss.}) 18. Nxc6 $1 bxc6 19. Qc2 Nxb1 20. Rxb1 {Weiss hat fur die Qualitaet bereits einen Bauern, der zweite, naemlich c6 wird bald fallen; Weiss steht sehr gut.}) 16... b6 17. Rc1 Qd7 {Weiss gehen hier so langsam die sinnvollen Zuege aus. Der naechste Zug } 18. Nxd4 {ist die logische Folge. Weiss befreit sich von dem ihn sehr einschraenkenden Springer. Dafuer steht nun ein Bauer auf d4, der auch stark ist und den Bauern auf e2 als Schwaeche markiert.} 18... exd4 19. Rc4 { Ich muss sagen, hier wurde mir nochmal bange. Ich sah zuerst nicht, wie ich den Bauern anstaendig decken sollte und ueberlegte, ob ich ihn opfern koennte. Aber dann entdeckte ich dochnoch} 19... Ne7 {wonach alles gedeckt ist und Schwarz den Turm gleich im naechsten Zug mit Le6 zurueckdraengen kann.} 20. Bf4 (20. e3 $5 {waere vom psychologischen Standpunkt auf jedenfall interessant gewesen. Danach wird das Spiel ein wenig schaerfer und vielleicht hatten meine Nerven angefangen zu flattern...} 20... dxe3 21. fxe3 Be6 (21... Qxd3 22. Rd4 Qxa3 23. Nd6 Be6 24. Nxe8 Rxe8 {mit unklarer Stellung.}) 22. Rd4 Qc7 { und Schwarz steht nach wie vor recht sicher und leicht besser.}) 20... Be6 21. Nd6 $2 (21. Rc1 {das war natuerlich nicht im Sinne des Erfinders, aber auf jedenfall das geringere Uebel.} 21... Nd5 22. Be5 f5 23. Nd2 Nc3 24. Rxc3 (24. Qe1 Bd5 25. Bxd5+ Qxd5 26. f4 { hatte ich gesehen und war mir noch nicht ganz klar. Aber nach} 26... c5 27. bxc5 Bxc5 {steht Schwarz super.}) 24... dxc3 25. Bxc3 Bd5 $15) 21... Bxc4 22. Nxe8 (22. dxc4 {ist auch schlecht,} 22... Red8 23. Qxd4 g5 $1 (23... Ng6 24. c5 Nxf4 25. gxf4 Bxd6 26. Rd1 bxc5 27. bxc5 Qe6 28. cxd6 Qxe2 29. Rc1 { ist noch nicht ganz klar.}) 24. Be5 f6 25. c5 fxe5 26. Qc4+ Kg7 27. Qf7+ Kh8 28. Be4 Ng8 29. Qxd7 Rxd7 30. Bxc6 Rad8 {und Schwarz verbleibt mit Mehrfigur.}) 22... Bd5 23. Nd6 (23. Nc7 Bxg2 24. Kxg2 (24. Nxa8 Bxf1 25. Qxf1 Nd5 { mit Springerfang.}) 24... Rc8 25. Na6 Qb7 { und auch hier ist der Springer gefangen; Schwarz steht auf Gewinn.}) 23... Bxg2 $2 {Irgendwie hatte ich eigentlich gespuert, dass ich hier direkt auf Gewinn stehen muss. Aber ich dachte, Lxg2 wuerde schon nicht schaden...} ({Nach} 23... g5 {gewinnt Schwarz schlichtweg eine Figur. Der Unterschied zum Laeufertausch ist, dass jetzt auf Se4 einfach Lxe4 folgt.} 24. Be5 (24. Bxd5 cxd5) (24. Ne4 Bxe4) 24... f6 25. Bxf6 Qxd6 $19) 24. Kxg2 Nd5 (24... g5 { klappt nicht mehr wegen} 25. Ne4 $1) 25. Ne4 Nxf4+ $6 {Ich wollte keine Komplikationen mehr eingehen, einfach den Bauern mitnehmen und dann so lange weiterspielen, bis ich irgendwann gewinne. Haette ich allerdings a5 gesehen, waere es noch einfacher gewesen.} (25... a5 $1 26. bxa5 {und jetzt} 26... Nxf4+ 27. gxf4 Rxa5 28. a4 Rh5 {mit vernichtendem Angriff.}) 26. gxf4 Qg4+ 27. Ng3 Qxf4 28. Qc1 Qxc1 $6 {Man muss hier verstehen, dass ich immer noch ein wenig Restpanik hatte, dass ich irgendwie noch was ubersehen und die ganze Partie noch einstellen konnte. Deshalb tauschte ich auch die Damen. Mit Damen ist es aber noch besser, weil der weisse Koenig unsicher steht und Schwarz leicht einen Angriff aufziehen kann.} (28... Qf6 29. Qc2 a5 30. bxa5 Rxa5 31. a4 Rg5 $40) 29. Rxc1 c5 30. b5 $2 (30. bxc5 Bxc5 31. a4 { haette die Aufgabe noch um einiges schwieriger gestaltet.} 31... Kf8 32. Ne4 Rc8 33. e3 dxe3 34. fxe3 Rc7 $15 { und Schwarz droht sich mittels Ld6 zu entfesseln.}) 30... a6 31. Rb1 Bd6 32. Nf5 (32. Ne4 {mit der Idee Sd2-c4 funktioniert nicht, weil ein Tempo fehlt. Sonst konnte Weiss damit eine sehr gute Blockadestellung errichten.} 32... Bc7 33. a4 (33. Nd2 axb5 34. Rxb5 Rxa3 35. Nc4 {hier hat Weiss bereits zwei Bauern weniger. Schwarz deckt b6 und fuehrt seinen Koenig heran.} 35... Ra6) 33... axb5 34. axb5 Ra2 $1 { verhindert das Manoever Sd2-c4, ausserdem ist der e2 schwer zu decken.} 35. Re1 (35. Kf3 Bxh2) 35... f5 36. Ng3 g6 $19) 32... Bc7 33. Ne7+ Kf8 34. Nd5 Bd8 { Es sieht nun so aus, als wuerde der weisse Springer den schwarzen Laeufer dominieren. Aber der Springer wird bald durch den Koenig vertrieben.} 35. a4 axb5 36. Rxb5 Ra6 37. e3 dxe3 38. fxe3 Ke8 39. d4 $2 { Das erleichtert es mir nochmal.} (39. Nc3 Kd7 40. d4 Kc6 41. Kf3 Bf6 42. Ke4 g6 $17 {Aber hier kaempft Weiss noch.}) 39... cxd4 40. exd4 Rxa4 41. Nxb6 Bxb6 42. Rxb6 Rxd4 {Und dieses Endspiel ist selbstverstaendlich ohne Probleme gewonnen.} 43. Kf3 Ke7 44. Ra6 Rd6 45. Ra8 Kf6 46. Kg3 g5 47. Rg8 Rd4 48. Kf3 Kf5 49. Rg7 f6 50. Kg3 Rd3+ 51. Kg2 Rd4 52. Kg3 h5 53. Rg8 Rd3+ 54. Kg2 Kg4 55. Rf8 Rd2+ 56. Kg1 f5 57. h4 Kg3 $1 58. Kf1 Rf2+ 59. Kg1 g4 0-1